Blitzer hatte keinen Effekt

Puppe soll Raser stoppen: Das 87-Einwohner-Dorf Friemen wehrt sich mit lustiger Aktion

Wink mit dem Zaunpfahl: Die Schaufensterpuppe weist Autofahrer an der Hauptstraße in Friemen darauf hin, dass sie sich an das Tempolimit für innerorts halten sollen.

Durch den Waldkappeler Stadtteil Friemen rasen Autofahrer teilweise mit so vielen Kilometern pro Stunde auf dem Tacho, wie es dort Einwohner gibt.

Das sind zwar mit 87 vergleichsweise wenige Menschen, doch als Geschwindigkeitswert ist diese Zahl innerorts eindeutig zu hoch – und eine Gefahr für die Bewohner. Deswegen haben sich die Friemer zu einem ungewöhnlichen Schritt entscheiden.

Eine mit kurzem schwarzen Kleid aufreizend gekleidete Schaufensterpuppe grüßt die Verkehrsteilnehmer jetzt vom Wegesrand an der Hauptstraße. In der Hand hält sie das bekannte Schild für das Tempolimit von 50 Kilometern pro Stunde. 

„Das ist ein voller Erfolg, die Autos fahren nicht nur langsamer, auch ein leichtes Lächeln ist bei den Menschen am Steuer zu erkennen“, freut sich Torsten Hatt, der eine Kfz-Werkstatt direkt an der Durchfahrtsstraße betreibt und sich mit den anderen Anwohnern für das ungewöhnliche Projekt eingesetzt hat.

Ein Blitzer hat nichts gebracht 

Bisherige Maßnahmen wie ein Blitzer hätten nicht gegriffen. „Der war so auffällig platziert, dass die Leute dann nur genau an dem Punkt abgebremst haben“, sagt Hatt. Und so ging es nicht weiter. „Die Straße trennt den Ort. Kinder müssen sie überqueren, um auf den Spielplatz zu gelangen; alte Leute, um die Bushaltestelle zu erreichen. Das ist lebensgefährlich“, meint Hatt. 

Einwohner fühlen sich von Behörden im Stich gelassen und handeln deshalb jetzt selbst

Bisher sei glücklicherweise bis auf überfahrene Katzen nichts passiert, was aber auch dazu führe, dass Behörden nicht konsequent eingreifen würden. „Die Dorfbewohner haben sich immer wieder darüber aufgeregt. Deswegen handeln wir jetzt selbst. Normale Schilder wie das am Ortseingang mit dem Verweis auf die Höchstgeschwindigkeit werden doch leider einfach übersehen, daher kam die Idee mit der Puppe als Blickfang“, erklärt Torsten Hatt.

Fahrbahn wurde verbreitert - das animiere zum Rasen

Das Problem ist laut ihm, dass die Fahrbahn bei einer Erneuerung durch die Verkleinerung der Busspur deutlich verbreitert wurde. „Das verleitet natürlich zum Rasen“, sagt Hatt. Ein Anwohner habe vor Kurzem selbst eine Messung mit einer Stoppuhr auf einer abgesteckten Strecke von 100 Metern durchgeführt. „Das Ergebnis: Jedes fünfte Auto war mit 80 oder 90 Kilometern pro Stunde unterwegs. Das ist einfach zu viel.“

Doch nun hilft ja die Puppe, die zumindest tagsüber die Raser rügt. „Jetzt brauchen wir nur noch eine Zweite für die vielen Autofahrer mit Handy am Ohr“, sagt Torsten Hatt und lacht.

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