Umstrittenes Verhalten stößt auf Kritik 

Französischer Präsident in der Kritik: Beliebtheit Macrons scheint zu schwinden

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Die Kritik an Präsident Macron scheint immer lauter zu werden. 

Anderthalb Jahre nach seiner Wahl ist der französische Präsident im Krisenmodus, Kritik gibt es vor allem an seinem Auftreten. Nun wartet das nächste Projekt – die Gesundheitsreform.

Lyon/Frankreich – Tag der offenen Tür, das kann für Politiker eine große Chance in Sachen Bürgernähe sein. Für Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron scheint der jüngste Volksbesuch im Elysée-Palast aber eher ein Reinfall zu werden. Denn einem arbeitslosen Gärtner, der ihm seinen Kummer klagte, erklärte Macron am vergangenen Samstag kurzerhand und allen Ernstes: „Ich brauche nur über die Straße zu gehen und finde was für Sie.“

Jetzt ist die Empörung groß, besonders von der politischen Linken. Sie sieht ihren Standard-Vorwurf bestätigt: Macron sei ein Präsident der Reichen, überheblich und entrückt. Und das in einem Land, in dem jeder Fünfte angibt, sich keine drei Mahlzeiten am Tag leisten zu können. Schon zuletzt gab es aus Macrons Sicht schlechte Neuigkeiten – über seinen degradierten Personenschützer (der sich bei einer Prügel-Einlage unrechtmäßig als Polizist ausgegeben hat) und seinen beliebten Ex-Umweltminister (der aus Frust über die Trägheit der Politik beim Klimaschutz zurückgetreten ist).

Französischer Präsident Macron zu Beginn seiner Karriere auch auf internationalem Boden beliebt

Personalzoff, Rücktritte, Skandale – anfangs gehörten derart irdische Phänomene nicht zu Macrons Amtsführung. Im Gegenteil: Nach seinem deutlichen Sieg gegen die rechtsextreme Kandidatin Marine Le Pen im Frühjahr 2017 schenkten ihm die Franzosen – dank des bedingt gerechten Wahlrechts – eine satte Mehrheit im Parlament. Macron glänzte auch auf internationalem Parkett, tadelte Wladimir Putin vor Publikum und drückte Donald Trump die Hand, bis selbst der nicht mehr konnte. Es war, da waren sich die meisten Beobachter einig, der gelungene Start eines politischen Ausnahmetalents.

Die Monate vergingen, der Elan blieb. Die Liberalisierung des verkrusteten, lange von aufrichtigem Hass zwischen Gewerkschaften und Unternehmern geprägten Arbeitsmarkts? Flugs an den Start gebracht, begleitet von Streiks, aber ohne die befürchteten und alles lähmenden Massenproteste. Armut und Ungerechtigkeit? Soll mit einem 8-Milliarden-Euro-Paket eingedämmt werden.

Emmanuel Macron und seine Ehefrau Brigitte.

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Seit einigen Monaten allerdings ist der Glanz dahin, der Überflieger ist gelandet. Umfragen zeigen, dass immer mehr Franzosen Macrons Partei im wirtschaftsfreundlichen, konservativen Spektrum verorten (auch die recht harte Asylpolitik trägt ihren Teil dazu bei). Das ist bemerkenswert, weil der Präsident nur dank seines Mitte-Kurses so rasch aufgestiegen ist – und dabei das alte Parteiensystem aus Konservativen und Sozialisten pulverisiert hat.

Am Dienstag nun wollte Macron das nächste große Projekt seiner an großen Projekten nicht armen Agenda vorstellen. Die Reform des teuren und in ländlichen Regionen lückenhaften Gesundheitssystems. Tatsächlich aber war das Thema des Tages ein anderes. Denn mit Innenminister Gérard Collomb kündigte der nächste wichtige Mitarbeiter seinen baldigen Rücktritt an. Begründung: Er wolle 2020 wieder zum Bürgermeister von Lyon gewählt werden.

Präsident Macron: Zweifel an der Europawahl im Frühjahr 2019?

Nun mag Lyon eine nette Stadt sein, aber für Macrons Strahlkraft ist dieser Rückzug in die Kommunalpolitik kein gutes Zeichen. Auch aus der Statistik-Behörde kommt kein Rückenwind: Die seit Jahren hohe Arbeitslosenzahl sinkt bisher nicht so stark wie erhofft. Und aus den Kommunen kommt Unmut, weil die versprochene Dezentralisierung der auf Paris fixierten Verwaltung stockt.

Die kommenden Monate werden zeigen, ob Macron es erneut schafft, die Menschen von seiner Erzählung eines neuen, modernen Frankreichs zu überzeugen. Eine wichtige Erkenntnis dabei dürfte die Europawahl im Frühjahr 2019 liefern. Derzeit wird verhandelt, ob Macrons Partei „La République en Marche“ sich auf EU-Ebene der liberalen Parteienfamilie anschließt. Oder auf eigene Faust versucht, den aktuell verschütteten Esprit des Unverbrauchten erneut auszuspielen. Bis dahin muss der Präsident auf etwas setzen, das bedingt zu seinen Eigenschaften zählt: Geduld. Das gilt auch für seine weitreichenden, ein Jahr alten Vorschläge zu einer Reform der Europäischen Union.

Ach ja: Um bei all den langfristigen Zielen die aktuelle Popularität nicht zu vergessen, hat der Elysée-Palast jüngst einen Online-Shop ins Leben gerufen. Unter anderem im Angebot: Tassen mit dem Konterfei des Präsidenten. Preis pro Stück: 24,90 Euro.

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