Keine Gefahr beim Trinkwasser

EU-Bericht: Deutsches Grundwasser stark mit Nitrat belastet

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Gülle wird auf einem Feld verteilt. Damit gelangt Nitrat ins Grundwasser. Foto: Philipp Schulze

Laut einem aktuellen EU-Bericht enthält Grundwasser in Deutschland zu viel Nitrat. Das Problem ist lange bekannt. Darf mit einer Besserung gerechnet werden?

Berlin (dpa) - Das Grundwasser in Deutschland ist laut einem Bericht der EU-Kommission vielerorts zu stark mit Nitrat belastet. Demnach überschritten im Schnitt 28 Prozent der Messstationen im Zeitraum 2012 bis 2015 den Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter Wasser.

Nur auf Malta habe dieser Wert in dem Zeitraum höher gelegen: Dort sei an 71 Prozent der Messstationen der Nitrat-Grenzwert nicht eingehalten worden. Die Vergleichbarkeit der einzelnen Länder sei aufgrund unterschiedlicher Monitoring-Verfahren allerdings begrenzt, heißt es in dem Bericht, über den zunächst die Zeitungen der Funke Mediengruppe (Mittwoch) berichtet hatten.

"Für das Trinkwasser besteht keine Gefahr", sagt Maximilian Hofmeier, Experte für Düngerecht beim Umweltbundesamt (UBA). In Regionen mit zu hohen Nitrat-Werten mischten die Wasserversorger das Trinkwasser etwa mit unbelastetem Rohwasser, um die Grenzwerte einhalten zu können. Allerdings sei das mit höheren Kosten verbunden.

Europaweit registrierten die Experten der EU eine leichte Entspannung. Demnach sank im Vergleich zum vorigen Bericht die Zahl der "belasteten" Messstellen in der EU von 14,4 auf 13,2 Prozent.

Nitrat gelangt hauptsächlich über organische Düngemittel aus der Landwirtschaft, etwa Gülle, in das Grundwasser. In Gewässern begünstigen hohe Nitratwerte ein übermäßiges Wachstum von Algen und anderen Pflanzen. Der Abbau abgestorbener Pflanzen verschlingt viel Sauerstoff, was ein Fischsterben und ein "Umkippen" des gesamten Ökosystems zur Folge haben kann.

Um die Nitratbelastung der Gewässer zu reduzieren schreibt die EU-Nitratrichtlinie Maßnahmen vor, die in den Mitgliedsstaaten umgesetzt werden müssen. Deutschland regelt die Umsetzung in der Düngeverordnung, die 2017 überarbeitet wurde. Darin gibt es unter anderem bestimmte Sperrfristen, in denen die Landwirt keine organischen Dünger auf den Feldern aufbringen dürfen. Das gilt zum Beispiel in Zeiten, in denen Pflanzen nicht wachsen und somit kein Nitrat aufnehmen. Die Verordnung enthält auch eine Obergrenze für organische Düngemittel.

"Mit der Novellierung der Düngeverordnung haben wir einige gute Ansätze, um die Nitrat-Belastung des Grundwassers zu senken", sagt Hofmeier vom UBA. Allerdings dauerten die Umsetzungsprozesse insgesamt zu lange, so dass kurzfristig nicht mit einer erheblichen Reduzierung der Belastung zu rechnen sei. Weil hierzulande die Richtlinie nach Ansicht der EU-Kommission nur unzureichend umgesetzt wird, läuft ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland. Im Juni will der Europäische Gerichtshof (EuGH) darüber urteilen.

"Die übermäßigen Einträge von Nitrat in unsere Gewässer müssen endlich konsequent reduziert werden, um unsere Trinkwasserressourcen zu schützen", sagt auch Karsten Specht, Vizepräsident des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), der unter anderem die Interessen kommunaler Wasserversorger vertritt. "Das Dünge-Paket ist dafür ein Schritt in die richtige Richtung, aber eben nicht ausreichend."

Es müsse weniger Nitrat auf die Felder gelangen, das gelte insbesondere vor dem Hintergrund der EU-Nitrat-Klage gegen Deutschland. Sollte es nicht gelingen, die Nitratbelastung der Gewässer zu senken, müssten die Verbraucher unter anderem mit zusätzlichen Kosten bei der Trinkwasseraufbereitung rechnen.

Der Gehalt von Nitrat im Trinkwasser wird vor allem deswegen streng kontrolliert, weil hohe Konzentrationen für Säuglinge gefährlich werden können. Das Nitrat kann bei ihnen zu Nitrit umgewandelt werden, was dann letztlich die Sauerstoffaufnahme beeinträchtigen kann.

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