Sie las den Pass des Sterbenden

Diren: Frau des Todesschützen widerspricht sich

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Staatsanwältin Jennifer Clark zeigte im Gerichtssaal in Missoula (US-Staat Montana) auf einem Monitor Bilder aus der Tatnacht.

Missoula - Die Frau des Mannes, der den deutschen Austauschschüler Diren (17) erschoss, hat mit ihrer zweiten Aussage viele neue Fragen aufgeworfen. Glaubwürdig wirkt sie nicht.

Janelle P. stand am Freitag den zweiten Tag in Folge im Zeugenstand des Bezirksgerichts von Missoula. Als ihr Lebensgefährte nach draußen stürmte, um den 17-Jährigen zu töten, sei sie ihm gefolgt und habe neben ihm gestanden, als er die Schüsse abgab. Danach habe sie die Polizei gerufen und gleichzeitig versucht, Diren erste Hilfe zu leisten.

Während sie den Sterbenden in den Armen hielt, nahm sie sich aber noch die Zeit, seine Personalien zu überprüfen. Auf dem Mitschnitt des Notrufs, der vor Gericht abgespielt wurde, ist zu hören, wie sie sagte, "Oh, Sch***, er ist kein amerikanischer Staatsbürger. Ich habe gerade seinen Ausweis in der Hand." Auf Nachfrage der Notrufzentrale antwortete sie, sie glaube, Diren sei Niederländer, und las dann das Wort "Bundesrepublik" vor.

Die tödlichen Schüsse auf den Hamburger Austauschschüler, der nachts in die offene, aber fremde Garage geschlichen war, wurden möglicherweise durch ein Missverständnis ausgelöst, deutete sie an. Ihr Mann könnte demnach gedacht haben, sie selbst und das gemeinsame Baby würden von Diren bedroht. Ihre frühere Zeugenaussage, derzufolge der Schüler um sein Leben flehte, wollte P. nicht erneuern.

War das offene Garagentor doch eine Falle?

P. konnte nicht erklären, warum in der Tatnacht die Garagentür offenstand. Zuvor hatte sie ausgesagt, dass beide nach zwei Einbrüchen, mit denen Diren nichts zu tun hatte, fast paranoid gewesen seien, alles mehrfach abgeschlossen und sich ständig auf der Straße umgeschaut hätten.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem angeklagten Hausbesitzer vor, Diren in eine Falle gelockt zu haben, indem er die Garage offen ließ. Dann soll er ihn bewusst erschossen zu haben. Die Verteidigung dagegen argumentiert, der 30-jährige Markus K. habe seine Familie vor einem Einbrecherring schützen wollen.

Ansonsten war die Aussage der Frau seltsam distanziert zu ihrem Lebensgefährten, der auch der Vater ihres jetzt knapp eineinhalb Jahre alten Jungen ist. Stundenlang berichtete sie fast im Plauderton über die Tatnacht und über den Angeklagten, als sei er nur ein flüchtiger Bekannter und nicht anwesend.

In Montana und vielen anderen US-Bundesstaaten dürfen Hausbesitzer tödliche Gewalt anwenden, sofern nachvollziehbar ist, dass sie um Leib und Leben fürchteten. Das noch vor Weihnachten erwartete Urteil der zwölf Geschworenen muss einstimmig fallen.

afp/dpa

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