30 Tote wegen Harvey

Dieses Foto eines Polizisten zeigt, wie schlimm die Lage in Houston wirklich ist

Essen, Getränke und Medikamente für mindestens drei Tage sollen die Bürger von New Orleans bereithalten, sagt Bürgermeister Mitch Landrieu. Jetzt zittert Louisiana vor der Regen-Katastrophe.

Houston - Dem US-Bundesstaat Texas hat „Harvey“ bisher nicht gemessene Regengüsse gebracht - jetzt bedroht der Tropensturm Louisiana. Der Nachbarstaat, in der Gegend um New Orleans bereits im Jahr 2005 von Wirbelsturm „Katrina“ verwüstet, rüstet sich für schlimme Regenfälle und Hochwasser. Schulen und Behörden blieben in New Orleans geschlossen. Bürgermeister Mitch Landrieu empfahl den Bewohnern, ihr Haus nicht zu verlassen. Er riet ihnen, Essen, Getränke und Medikamente für mindestens drei Tage vorrätig zu haben. Gouverneur John Bel Edwards sagte, Louisiana stehe das Schlimmste aller Wahrscheinlichkeit nach noch bevor.

Behörden gehen laut einem Bericht der „New York Times“ vom Dienstagabend (Ortszeit) inzwischen von etwa 30 Toten durch „Harvey“ aus. Unter den Toten sei ein Polizist aus Houston, der am Sonntag auf dem Weg zur Arbeit von den Fluten erfasst worden sei. „Wenn die Straßen in Texas erst einmal wieder passierbar sind, erwarte ich einen signifikanten Anstieg der Todeszahlen“, sagte ein Gerichtsmediziner der Zeitung. Klarheit dürfte aber erst herrschen, wenn die Fluten zurückgegangen sind und die Bergungstrupps Zugang zu den überfluteten Häusern bekommen. In Houston verhängte Bürgermeister Sylvester Turner am Dienstagabend eine Ausgangssperre, um Plünderungen zu verhindern.

Schlafender Polizist bewegt die Herzen der Menschen

Feuerwehr und Polizei sind in Houston im Dauereinsatz. Die Retter arbeiten bis zur totalen Erschöpfung, um Menschen aus den Krisengebieten zu bergen. Ein Foto eines Polizisten im Harris County Sheriff's Office verdeutlicht den unermüdlichen Einsatz der Einsatzkräfte. Ein Polizist, der zwölf Stunden im Einsatz war, kann sich einfach nicht mehr wach halten und schläft auf dem Boden sitzend einfach ein. Ein Kollege machte ein Foto davon und stellte es auf die Facebookseite der Polizeistation. „Dieser Polizist arbeitete zwölf Stunden durch, um Menschen aus den Fluten zu retten. Er hat solange gearbeitet, bis er nicht mehr stehen konnte. Dieser Mann und Hunderte andere sind da draußen, um den Menschen in Texas zu helfen. Großen Respekt!“ Wie dankbar die Bedürftigen wirklich für die Hilfe der Feuerwehr und Polizei sind, zeigt die riesige Resonanz: Beinahe 700.000 Menschen haben das Foto bereits geteilt und es zu einem viralen Hit gemacht. 

US-Präsident Trump lobt Einsatzkräfte 

US-Präsident Donald Trump machte sich am Dienstag in der vom Hochwasser betroffenen Stadt Corpus Christi ein Bild von der Lage. Trump besuchte eine Feuerwache und lobte die Arbeit von Einsatzkräften und Behörden. „Texas kommt mit allem zurecht“, sagte der Präsident. Zahlreiche Wirtschaftsführer und Prominente spendeten zum Teil große Summen für die Hochwasseropfer. Viele Opfer sind nicht gegen Flutschäden versichert.

Verwirrung gab es um einen Dammbruch in der Nähe von Houston. Die Behörden im Brazoria County hatten den Bruch bekanntgegeben und die Bewohner unterhalb des Dammes zum sofortigen Verlassen ihrer Häuser aufgefordert. „Macht, dass ihr wegkommt!“ Anschließend hieß es, der Damm sei stabilisiert, die ausgetretene Wassermenge sei vernachlässigbar. Auch in Brazoria County wurde eine Ausgangssperre zum Schutz vor Plünderern für die Gegenden verhängt, wo eine Zwangsevakuierung angeordnet worden war.

Ein Boot der US-Küstenwache ist in Houston im Einsatz. Der Tropensturm "Harvey" hat im US-Staat Texas schwere Verwüstungen angerichtet und Überschwemmungen verursacht.

Die sintflutartigen Regenfälle führten zu einem Rekordwert: In der Stadt Pearland im Südosten von Houston wurden seit Freitag insgesamt Niederschlagsmengen von 125 Zentimetern gemessen, wie der Nationale Wetterdienst mitteilte. Das markiere einen Rekord bei einem Tropensturm auf dem US-Festland. Im Jahr 1978 waren demnach beim Sturm „Amelia“ 124 Zentimeter gemessen worden.

In Houston kündigte Bürgermeister Sylvester Turner an, weitere Notquartiere für Schutzsuchende zu öffnen. Nach Angaben des Roten Kreuzes suchten in Texas bereits in der Nacht zum Dienstag rund 17 000 Menschen Zuflucht in Notunterkünften. Die Infrastruktur in und um die Metropole ist weitgehend zusammengebrochen. Rettungskräfte kämpften sich mit Booten durch die braunen Wassermassen, um festsitzende Menschen aus ihren Häusern zu befreien.

Zusammenhang zwischen Harvey und Klimawandel

Nach Angaben von Meteorologen ist „Harvey“ der zweitstärkste Wirbelsturm seit „Katrina“ vor zwölf Jahren in der Gegend um New Orleans. Der Sturm sog über dem sehr warmen Golf von Mexiko extrem viel Feuchtigkeit auf, die er nun als Regen abgibt.

Klimaforscher Mojib Latif sieht einen Zusammenhang zwischen „Harvey“ mit seinen verheerenden Regenfällen und dem Klimawandel. Dieser habe schon eine gewisse Rolle gespielt, sagte Latif am Mittwoch im Deutschlandfunk: „Wir warnen schon lange genau vor solchen Situationen.“ Auf die Frage, ob sich US-Präsident Donald Trump irgendwann der Meinung anschließen werde, dass solche Katastrophen Teil des Klimawandels seien, sagte er: „Ich glaube es nicht.“ Trump sei aus seiner Sicht „absolut beratungsresistent“. „Auch dieses Ereignis wird die Meinung des Präsidenten nicht verändern.“

Hollywood-Star Sandra Bullock (53) kündigte an, eine Million Dollar (rund 835 000 Euro) für die Opfer von „Harvey“ in Texas zu spenden. „Ich bin einfach nur dankbar, dass ich es tun kann. Wir müssen alle unseren Teil beitragen“, sagte die Oscarpreisträgerin dem Magazin „People“. Die Spende soll das Rote Kreuz in Texas unterstützen. „Das ist ein unglaubliches Geschenk“, erklärte Elizabeth Penniman vom Roten Kreuz. Das Engagement Bullocks könne noch mehr Menschen anregen, ihre Herzen zu öffnen und noch großzügiger zu sein als ohnehin schon. Die Leute sollten über politische Differenzen hinwegsehen und angesichts der Hochwasserkatastrophe zusammenkommen, sagte Bullock: „Es gibt keine Politik in zwei Meter hohem Wasser. Es sind Menschen in zwei Meter hohem Wasser.“

dpa/mk

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