300.000 bei Schlagermove in Hamburg

Diesen Wutbrief eines Anwohners sollten alle Schlager-Fans lesen

Eine Woche nach dem G20-Gipfel ist in Hamburg Schlagermove. Mehr als 300.000 Fans in schrillen Kostümen feiern in St. Pauli. Anwohner sind genervt

Hamburg - Mehr als 300.000 Fans sind laut Veranstalter am Samstag nach Hamburg gereist, um den 21. Schlagermove zu feiern. Nach den Ausschreitungen rund um den G20-Gipfel zieht die Kult-Parade ein knallbuntes Band durch St. Pauli.

Für nicht wenige Hamburger aber ist der Schlagermove eine Woche nach dem Ausnahmezustand rund um den G20-Gipfel eine Geduldsprobe. Zusätzlich zur Kult-Parade ist am Samstag auch der Triathlon-Weltcup in Hamburg ausgetragen worden. Viele Anwohner von St. Pauli und der Neustadt würde das freuen. „Hamburg macht einfach zu viel“, sagt Jochen (35). Er wohnt im kleinen Portugiesenviertel hinter den Landungsbrücken und ist „total genervt, weil gefühlt alle zwei Wochen die Straßen dicht sind“.

Schlagermove in Hamburg mit 300.000 Menschen.

Wer in der Großstadt wohnt, muss mit Lärm klarkommen. Aber ab wann sind es zu viele Megaevents, zu viele gesperrte Straßen und zu viele Touristen, die bis spät in die Nacht vor den Bars grölen? Spricht man am Rande dieses Schlagermoves mit Anwohnern, fragt man sich, wann Hamburg genug davon hat, Kulisse von Megaevents zu sein.

Nina aus der Neustadt macht es anders: Sie steht mit gepacktem Koffer vor ihrer Haustür - zum Schlagermove tauscht die 29-Jährige ihre Zweizimmerwohnung mit der ihrer Eltern in Lübeck.

Wenn die Parade am Samstagabend vorbei ist, treffen sich die Fans zur Aftermove-Party auf dem Heiligengeistfeld. In fünf Zelten feiern sie bis tief in die Nacht, und wahrscheinlich darüber hinaus.

Bei Facebook verschaffte sich ein Hamburger Luft und postet diesen Zettel an seine Hauswand: 

Damit dürfte er vielen Hamburger Anwohner aus dem Herzen sprechen. Immerhin: Innensenator Andy Grote (SPD) kündigte an, diese Veranstaltungen in den kommenden Jahren zu entzerren.

dpa/mk

Rubriklistenbild: © dpa

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