Wirbel um Corona-Impfstoff in Deutschland

Corona-Impfung: Kann ein mRNA-Impfstoff wirklich das Erbgut verändern?

Erste Nebenwirkungen des Corona-Impfstoffes sind bereits bekannt. Aber kann der genetische mRNA-Impfstoff auch unser menschliches Erbgut verändern?

  • Das Coronavirus breitet sich weltweit mit rasantem Tempo* unkontrollierbar aus.
  • In Baden-Württemberg* gibt es bislang 159.013 Coronavirus-Infektionen, wovon schätzungsweise 112.488 Personen bereits genesen und 2.919 Personen in Verbindung mit Sars-CoV-2 verstorben sind (Stand: 04. Dezember 2020).
  • Bisher gibt wurde in Deutschland noch kein Corona-Impfstoff zugelassen.

Es wird nicht mehr lange dauern, dann kommt auch in Deutschland der erste Corona-Impfstoff auf dem Markt. In der kommenden Woche startet in Großbritannien bereits das erstes Impfprogramm*. Für viele ist der Impfstoff ein Hoffnungsschimmer im Kampf gegen das Coronavirus und könnte zu einem baldigen Ende der weltweiten Pandemie beitragen. Doch es gibt auch einige, die dem Corona-Impfstoff sehr kritisch gegenüber stehen. Für den Impfstoff von Biontech sind bereits erste mögliche Nebenwirkungen* bekannt, wie echo24.de* berichtete. Nun kursiert ein weiteres Gerücht: Kann eine mRNA-Impfung gegen das Coronavirus das menschliche Erbgut verändern?

So funktioniert eine mRNA-Impfung gegen das Coronavirus

Die ersten zugelassenen Impfstoffe von Biontech, Pfizer und Moderna nutzen die mRNA-Technologie. Weltweit gab es bisher noch keinen einzigen zugelassenen Impfstoff dieser Art. Der Corona-Impfstoff wurde innerhalb kurzer Zeit entwickelt und funktioniert völlig anders als herkömmliche Impfstoffe: Die Impfdosis enthält keine abgeschwächten oder abgetöteten Viren, sondern lediglich eine Bauanleitung für einen Bestandteil des Covid-19-Erregers. 

Die Abkürzung mRNA steht für messenger-Ribonuskleinsäure, welche auch als Boten-RNA bezeichnet wird. mRNA-Impfstoffe bestehen aus der genetischen Information der Viren. Im Falle des Coronavirus ist das das Spike-Protein auf der Oberfläche des Virus. Bei der Impfung werden diese Erbinformationen in die menschlichen Zellen eingeschleust.

Sobald die mRNA in der menschlichen Zellen angekommen ist, können diese dank des darauf gespeicherten Plans das Virus-Protein nachbauen und dem Immunsystem präsentieren. Es regt das menschliche Immunsystem zur Bildung von Abwehrstoffen an.

Verändert der Corona-Impfstoff das menschliche Erbgut?

Soweit so gut, doch derzeit kursieren die Befürchtungen, dass durch das Spritzen eines genetischen Impfstoffes das menschliche Erbgut, das sich als DNA im Zellkern befindet, dadurch verändern könnte. Erste Daten der fortgeschrittenen klinischen Prüfung legen nahe, dass die Impfstoffe eine hohe Wirksamkeit haben und im Allgemeinen gut vertragen werden.

Sorgen, dass speziell die mRNA-Impfstoffe besondere Sicherheitsrisiken mit sich bringen und etwa das menschliche Erbgut verändern, halten Experten laut Deutscher Presse-Agentur für unbegründet. „Beim Menschen befindet sich das Genom in Form von DNA im Zellkern“, heißt es beim Paul-Ehrlich-Institut, das für die Sicherheit von Impfstoffen zuständig ist. „Eine Integration von RNA in DNA ist unter anderem aufgrund der unterschiedlichen chemischen Struktur nicht möglich.“

Die besondere Wirkung des Corona-mRNA-Impfstoffes

Ein Besonderheit der RNA ist, dass sie chemisch sehr labil ist. „Wenn die mRNA in die Zellen gelangt, wird sie sehr schnell wieder abgebaut“, erläutert Ulrike Protzer, Direktorin des Instituts für Virologie an der Technischen Universität München. Eine nachhaltige Interaktion mit der menschlichen Zelle ist allein aus diesem Grund unwahrscheinlich. Um die Haltbarkeit zu erhöhen, wird die Impf-mRNA in einer Art Schutzhülle verpackt. „Was diese Zusatzstoffe bewirken, müssen wir beobachten“, sagt Protzer. „Man geht von einer guten Verträglichkeit aus, aber da fehlen noch Langzeit-Erfahrungen*.“

Mit Blick auf die Sicherheit der mRNA-Impfstoffe ist ein weiterer Punkt wichtig: Obwohl bisher keiner dieser Impfstoffe für Menschen zugelassen ist, wurde die Technologie nicht erst im Zuge der Corona-Pandemie* entwickelt. Die Idee für diese Art von Impfstoffen stammt aus der immunologischen und infektiologischen Grundlagenforschung und aus der Krebsforschung.

Ziel dabei ist es, den Körper zu einem Angriff auf Tumorzellen zu veranlassen, auch in diesem Bereich laufen bereits klinische Studien. „Die Pandemie hat die Technologie nun enorm beflügelt“, sagt Christian Bogdan, Direktor des Instituts für Klinische Mikrobiologie, Immunologie und Hygiene an der Uniklinik Erlangen laut Deutscher Presseagentur.

Risiken des genetischen Corona-mRNA-Impfstoffes

Anders als abgeschwächte und abgetötete Viren, die das Immunsystem mit vielen verschiedenen Oberflächen-Strukturen reizen, lösen die mRNA-Vakzine einer sehr spezifische Immunantwort aus. Das kann von Vorteil sein, weil womöglich unerwünschte Reaktionen verhindert werden. Andererseits besteht die Gefahr, dass diese sehr spezifische Immunantwort nicht ausreichend schützt.

Ebenso unklar ist, was passiert, wenn das Coronavirus mutiert, sich also etwa das Spike-Protein des Erregers verändert - wirkt dann der Impfstoff noch? Um diese Fragen sicher beantworten zu könne, brauche es eine längere Nachbeobachtungszeit.

Trotz all der Zweifel und der Kritik ist eine flächendeckende Impfung in Deutschland bereits geplant, die ersten Standorte für Impfzentren in Baden-Württemberg* stehen fest. Eine Corona-Impfung soll in Deutschland bereits ab Januar* möglich sein. Eine Impfpflicht* wird es in Deutschland nicht geben, wie Gesundheitsminister Jens Spahn immer wieder betont. *echo24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Sakchai Lalit/AP/dpa

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