„Bibelstunde um 22 Uhr“

Brutales Aufnahmeritual an Uni: Student säuft sich zu Tode

Um in einer Studentenverbindung aufgenommen zu werden, lässt ein amerikanischer Student alles über sich ergehen - und unterschreibt damit sozusagen sein eigenes Todesurteil.

Baton Rouge - Studentenverbindungen sind so alt wie die amerikanische Geschichte. Um ein fester Bestandteil in so einer „Brüderschaft“ zu werden, muss man in einem bestimmten Aufnahmeritual eine ausgezeichnete Leistung ablegen. In der heutigen Zeit bedeutet das meistens: Demütigung vor allen Mitgliedern des Verbindungshauses. 

Anfang September dieses Jahres möchte Maxwell G. ein Teil von „Phi Delta Theta“ werden, eine Burschenschaft an der Louisiana State University. The Advocate berichtet, dass der 18-Jährige an dem Tag des Aufnahmerituals eine Nachricht mit einer klaren Anweisung bekommt: „Bibelstunde um 22 Uhr.“ Was sich in der Theorie harmlos anhört, bedeutet in der Praxis eine demütigende Prozedur, die beweisen soll ob der Student es verdient hat, in dem Verbindungshaus einzuziehen. 

Maxwell G. trinkt bis er nicht mehr kann - und stirbt mit fast 5 Promille im Blut.

Ein unzumutbares Trinkspiel als Aufnahmeritual 

Als die 20 Anwärter, darunter Maxwell G., am Verbindungshaus ankommen, müssen sie zuallererst ihre Handys an eins der Mitglieder abgeben. Bevor die jungen Männer sich alle mit dem Gesicht zur Wand stellen sollen, werden sie mit scharfer Soße und Senf übergossen. Der Raum in dem sie sich befinden ist dunkel, nur das Blitzlicht eines Stroboskops erhellt den Raum. Laute Musik dröhnt in den Ohren der Studenten. 

Dann beginnt erst die tatsächliche „Bibelstunde“: Die älteren Studenten, teilweise sogar Ehemalige, stellen den Neulingen Fragen, die diese beantworten müssen. Die Regeln sind simpel - bei jeder falschen Antwort muss aus einer Flasche mit 95-prozentigem Alkohol getrunken werden, mehrere Sekunden lang. 

Ein Verbindungsmitglied, Matthew N. soll es besonders auf Maxwell G. abgesehen haben, da er es nicht leiden konnte, dass dieser ständig unpünktlich war. Dem Bericht zufolge wollte er ihn solange dem immensen Druck aussetzen, bis er das Aufnahmeritual freiwillig abbricht. Die wohl fatalsten Minuten des Quiz sind, als die Anwärter das griechische Alphabet aufsagen sollen: Maxwell G. versagt dabei immer wieder und wird deswegen von seinem Peiniger angeschrien und damit gezwungen zu trinken. 

Als die Situation außer Kontrolle gerät, versuchen wohl zwei der Verbindungsmitglieder, den aggressiven Matthew N. zu stoppen oder es wenigstens etwas langsamer angehen zu lassen. Doch die Tortur geht weiter.

Maxwell G. muss trinken, bis er zusammen bricht

Irgendwann nach Mitternacht bricht der 18-jährige wohl zusammen und wird von den anderen auf eine Couch im Verbindungshaus gelegt. Bis um 3 Uhr nachts hatten sie ihn wohl noch im Auge, danach gingen sie schlafen.

Am nächsten Morgen, gegen 9, nach ihm schauten, stellten sie fest, dass sein Puls sehr schwach ist. Sie sind sich nicht sicher, ob er noch atmet, also fahren sie ihn ins Krankenhaus. Die Ärzte im Krankenhaus können nichts mehr für den jungen Studenten tun - so müssen sie ihn kurz nach seiner Einlieferung für tot erklären. Dem Bericht zufolge starb er am 14. September an den Folgen des übermäßigen Alkoholkonsums - mit 4,95 Promille im Blut. 

Einen Monat später werden die Täter verhaftet

Vergangenen Mittwoch nimmt die Polizei zehn seiner Peiniger fest, die als mutmaßliche Täter gelten. Gegen den Anführer, Matthew N. wird wegen fahrlässiger Tötung ermittelt, da er bei dem Aufnahmeritual wohl als „mit Abstand Aggressivste“ vorgeht, so die Zeitung The Advocate. Den anderen neun Studenten wird schweres Fehlverhalten, also Schikane vorgeworfen. 

Aus Respekt gegenüber der Familie des Verstorbenen, sagt die Universität alle geplanten Veranstaltung, im Zusammenhang mit Studentenverbindungen ab. Dem Bericht zufolge, fordert der Gouverneur von Louisiana, John Bel Edwards, alle staatlichen Colleges dazu auf die Brüderschaften strenger zu kontrollieren und Maßnahmen zu ergreifen. 

nb

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