Brandschutzmängel

Brandschutzexperte verteidigt Hochhaus-Räumung in Dortmund

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Ein Schild mit der Aufschrift "Rettungswege für die Feuerwehr freihalten" vor dem Hochhauskomplex in Dortmund. Foto: Marcel Kusch

Schon lange gilt ein Wohnkomplex für 800 Menschen in Dortmund als Problemfall - nun wurde er komplett geräumt. Die Eigentümerin hält die Maßnahme für unangemessen. Ein Brandschutzexperte widerspricht.

Dortmund (dpa) - Nach der Räumung eines riesigen Hochhauskomplexes wegen schwerer Brandschutzmängel in Dortmund hat ein Experte die Maßnahme verteidigt.

"Ich würde nicht sagen, dass die Räumung übertrieben ist", sagte Brandschutzexperte Thomas Herbert von der Bayerischen Ingenieurkammer-Bau der Deutschen Presse-Agentur. Vielmehr sei damit die Sorgfaltspflicht erfüllt worden, "bevor etwas passiert", sagte Herbert. Die knapp 800 Bewohner können womöglich erst in einigen Monaten nach Umbauarbeiten in ihre Wohnungen zurückkehren. Eine Leichtathletikhalle dient zunächst als Notunterkunft.

Die Eigentümerin des Gebäudes, die Firma Intown GmbH, hatte am Donnerstag das Vorgehen der Stadt Dortmund als nicht rechtens und unangemessen kritisiert. "Erstmals heute haben wir von den detaillierten Brandschutzbedenken und baurechtlichen Themen Kenntnis erhalten und keinerlei Zeit für eine Reaktion in der Sache gehabt", erklärte Intown-Chef Sascha Hettrich.

Die von der Stadt genannten Mängel hätten auch mit anderen Maßnahmen wie nur der Räumung der Tiefgarage, Brandwachen und einer Prüfung der Entrauchungsanlage vermieden werden können. Man wolle weitere Brandsachverständige hinzuziehen. "Ziel unsererseits ist die zügige Mängelbehebung und der Wiederbezug der Wohnungen durch die Mieter."

Laut Stadt gibt es keine ausreichende Trennung zwischen dem Parkdeck im Untergeschoss und den Wohnungen. Durch Schächte mit direkter Verbindung nach oben könne sich tödlicher Rauch bei einem Brand schnell ausbreiten. Auch gebe es keine ausreichenden Rettungswege.

Die Stadt begann daher am Donnerstag mit der Räumung des Komplexes im Stadtteil Dorstfeld, in dem viele sozialschwache Familien wohnen. Ein Polizeisprecher sagte am frühen Freitagmorgen, dass die Räumung des Gebäudes völlig problemlos verlaufen und bereits gegen 23 Uhr abgeschlossen gewesen sei.

Viele Bewohner verließen das Gebäude schon am Nachmittag. Gegen 19.30 Uhr begannen Teams von Mitarbeitern des Ordnungsamtes und der Polizei, durch den Wohnkomplex Hannibal II zu laufen und an die Türen zu klopfen. Vor dem riesigen Hochhaus standen Busse bereit, die die Bewohner zu einer Leichtathletikhalle, die als Notunterkunft dient, fahren sollten.

Die Helmut-Körnig-Halle solle 48 Stunden als erste Unterbringung für die Bewohner des Hochhauskomplexes dienen, sagte der Leiter der Dortmunder Feuerwehr, Dirk Aschenbrenner. Viele Bewohner suchten sich aber offenbar andere Übernachtungsmöglichkeiten. "Bis 23 Uhr waren 118 Personen in der Halle untergekommen", sagte der Polizeisprecher in der Nacht. In der Halle wurde ein Notquartier mit rund 500 Betten eingerichtet. In den nächsten Tagen sollen dann für alle Bewohner "bedarfsgerechte Unterbringungen" gefunden werden, teilte die Stadtverwaltung mit.

"Wie lange das Gebäude evakuiert bleiben muss, kann derzeit nicht sicher beantwortet werden", sagte Wilde. Bevor die Bewohner zurückkehren könnten, sei ein erheblicher Umbau notwendig. Das werde wohl einige Monate dauern. Nach den letzten Baumaßnahmen des Eigentümers habe der Komplex seine Brandschutzgenehmigung verloren.

Mitteilung

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