Große Aufruhr

"Es gibt in dieser Region gewisse Spielregeln": Lehrer outet sich als schwul - und fliegt sofort raus

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Der junge Lehrer darf an der Borkener Schule wegen seiner Homosexualität nicht weiter unterrichten. 

Aufruhr im westfälischen Borken: Weil sich ein Lehrer einer Schule als schwul geoutet hat, darf er dort nicht mehr unterrichten. Das hat der kirchliche Träger entschieden. 

Borken - Heftige Diskussionen löste eine Entscheidung einer Schule im münsterländischen Borken aus. Der kirchliche Träger des Gymnasiums Mariengarden hat einem Referendar eine geplante Festanstellung wieder entzogen - weil er schwul ist. 

Der Mann wollte nach seinem abgeschlossenen Refrendariat an der Borkener Schule weiterarbeiten. Die Schule hatte ihm einen Vertrag vorgelegt. Vor der Unterzeichnung offenbarte der angehende Lehrer gegenüber Schulleiter Michael Brands, dass er schwul sei und habe diesen darauf hingewiesen, dass ein Konflikt mit dem kirchlichen Arbeitsrecht entstehen könnte, wie msl24.de* berichtet. Er hatte vor, seinen Partner zu heiraten. Das Angebot musste wieder zurückgezogen werden.

Schwuler Lehrer darf in Borkener Gymnasium nicht unterrichten – Schulleiter bedrückt

"Er war ein guter Lehrer und wir hätten ihn gerne bei uns behalten", sagt Brands gegenüber msl24.de, dem die ganze Sache sichtlich nahe geht. Als Schulleiter stehe er quasi zwischen den Stühlen. "Wenn man hier in der Region lebt, weiß man, dass es gewisse Spielregeln gibt", so der Borkener Brands. Er betonte aber auch: "Wenn ich in einer Partei bin, bin ich auch nicht immer mit allem einverstanden."

Der Sprecher des Oblatenordens in Mainz, Pater Christoph Heinemann, erklärte gegenüber der Borkener Zeitung: "Die persönliche Zukunftsperspektive stimmte nicht mit den Vorgaben der kirchlichen Grundordnung überein. Bei Seelsorgern und auch Lehrern, die verkündende Aufgaben haben, müssen wir das zwangsläufig strenger auslegen als bei einem Hausmeister oder einer Krankenschwester."

Borkener Schüler wollen Solidarität mit dem schwulen Lehrer zeigen

Für viele Menschen in der Schule sei die Entscheidung, den schwulen Lehrer nicht einzustellen, schwer nachvollziehbar gewesen. Nachdem dem Lehrer vom Träger mitgeteilt wurde, dass er dort nicht weiter unterrichten darf, verabschiedete er sich in mehreren Klassen und offenbarte den Schülern den Grund, wieso er die Schule verlassen muss. In der westfälischen Schule hatte er zuvor Englisch und Biologie unterrichtet.

Schulleiter Brands hofft, dass dieser Vorfall in Borken zumindest etwas positives auslöse. "Vielleicht kommt jetzt etwas Bewegung in diese gesellschaftlichen Fragen. Wir müssen als Schule in einen Diskurs gehen und Dinge prüfen und hinterfragen." In der kommenden Woche sei eine Solidaritäts-Aktion mit dem geschassten Lehrer geplant. Mit regenbogen-farbenen T-Shirts wollen die Schüler zeigen, auf wessen Seite sie sind.

*msl24.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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