Schulleitung greift zu drastischem Mittel

Übergriffe eskalieren: Diese Grundschule braucht einen Wachschutz

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Ein Sicherheitsdienst bewacht den Eingang einer Berliner Grundschule (Symbolbild).

Schüler gehen auf Lehrer los, Eltern attackieren die Mitschüler. In einer Berliner Schule regiert die Gewalt. Jetzt greift die Schulleitung zu einem drastischen Mittel.

Berlin - In der Spreewald-Grundschule in Berlin-Schöneberg regiert die Gewalt. Die Schüler, gerade einmal sechs bis zwölf Jahre alt, gehen auf die Lehrer los, Eltern attackieren Mitschüler. Schulleiterin Doris Unzeitig (48) sah nur noch einen Ausweg: Ein Wachschutz soll für Frieden auf dem Schulgelände sorgen.

Über 30 gewalttätige Vorfälle meldete die Schule allein im vergangenen Jahr an die Schulaufsicht, berichtet bild.de. Grundschüler seien auf Lehrer losgegangen und Eltern seien auf das Gelände gekommen, um sich Schüler zu greifen, mit denen der eigene Nachwuchs Ärger hat. Ein Wachschutz soll das künftig verhindern. „Innerhalb des vergangenen Jahres hat die Gewalt so zugenommen, dass wir jetzt diese Maßnahme ergreifen mussten“, sagt Schulleiterin Unzeitig der Bild.

Seit dem 26. Februar bewachen zwei Mitarbeiter des Rheinischen Sicherheitsdienst die Problemschule. Von 7.30 bis 16 Uhr sorgen sie dafür, dass keine Unbefugten auf das Gelände kommen und dass die Schüler nicht wieder aggressiv werden.

Wachschutz soll Situation verbessern

Für Doris Unzeitig, seit vier Jahren leitet sie die Spreewald-Grundschule, geht es auch um den Ruf der Schule. „Die Aggressivität hat stark zugenommen. Da müssen wir gegensteuern. Der Sicherheitsdienst soll dafür sorgen, dass der Schulalltag für die Kinder ohne Störung und Gewalt verlaufen kann.“ Die Kinder sollen in Frieden lernen können.

Da Unzeitig die „Kinder sehr am Herzen“ liegen, sieht sie den Wachdienst als wichtige Maßnahme an, um die Situation an der Schule zu verbessern. Sie ist überzeugt, dass das gelingt. „Sie können die Lehrer und Erzieher dann auch unterstützen, wenn es zu Handgreiflichkeiten kommt. Sie sorgen auch für Respekt.“

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Für den Rheinischen Sicherheitsdienst hat sie sich wegen dessen Erfolgen in der Vergangenheit entschieden. Die Sicherheitskräfte haben bereits an Schulen im Berliner Stadtteil Neukölln für Ordnung gesorgt. Allein acht waren es im vergangenen Jahr.

Security soll für Vertrauen sorgen

Die Mitarbeiter des Rheinische Sicherheitsdienst wissen also, wie sie an der Schule vorgehen müssen. Gebietsleiter Masieh Jahn ist dennoch erschüttert darüber, „wie gewaltbereit sogar schon Grundschüler sind“. Vom Erfolg an der Spreewald-Grundschule ist er aber überzeugt: „Allein unsere Anwesenheit bewirkt oft schon ganz viel bei den Kindern.“

Dabei hilft auch die Sprachkenntnis der Sicherheitskräfte. Immerhin haben 99 Prozent der Schüler einen Migrationshintergrund. „Unsere Mitarbeiter können Deutsch, Türkisch und Arabisch, das sorgt für Vertrauen bei den Schülern und Eltern.“

Eltern sehen Wachdienst zwiegespalten

Bei den Eltern der Schüler sorgt der Wachdienst am Eingang für gemischte Gefühle. Eine Mutter findet es etwa „gut, dass der Sicherheitsdienst da ist“. Eine weitere Mutter pflichtet ihr bei: „Es gab vor einiger Zeit einen Zwischenfall, bei dem ein Vater eines Schülers einen anderen Schüler grob angefasst hatte. Ich finde, dass das gar nicht geht. Es ist gut, dass es jetzt einen Sicherheitsdienst gibt.“

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Ein Vater wiederum wünscht sich eine andere Herangehensweise. „Ich finde es nicht gut, dass ich extra den Sicherheitsdienst fragen muss, ob ich zu meiner Tochter darf.“ Er fühle sich wie im Gefängnis.

Stadtrat hält Sicherheitsdienst für übertrieben

1719 Euro kostet der Sicherheitsdienst pro Woche. Bezahlen muss das die Spreewald-Grundschule aus der eigenen Tasche. Unterstützung vom Stadtrat gibt es nicht. „Mir ist nicht richtig klar, um welche Konflikte es sich konkret handelt und wie sie gelöst werden sollen“, sagt Oliver Schworck (50/SPD). Ein Wachschutz dürfe nicht das erste Mittel sein.

Schworck ist der Meinung, dass man erst über andere Maßnahmen hätte sprechen sollen, bevor direkt ein Sicherheitsdienst am Schuleingang platziert wird. „Schließlich gibt es auch viele Schulen mit einer ähnlichen Quote, die keinen Wachschutz benötigen.“

Bis Ende April hat Schulleiterin Unzeitig den Sicherheitsdienst beauftragt, dann wird evaluiert. Sie verspricht sich viel von der Maßnahme und hofft auf künftige finanzielle Unterstützung vom Stadtrat. 

ses

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