Verstoß gegen Arzneimittelgesetz

Apotheker aus Bottrop lieferte Krebspräparate in sechs Bundesländern

Ein Apotheker aus Bottrop soll von Januar 2012 bis zu seiner Festnahme im November 2016 in 61.980 Fällen gegen das Arzneimittelgesetz verstoßen haben. Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft belieferte er 37 Arztpraxen und Kliniken in sechs Bundesländern mit teils unterdosierten Krebsmedikamenten.

Der wegen knapp 62.000 Arzneimittelverstößen angeklagte Apotheker aus Bottrop hat nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft 37 Arztpraxen und Kliniken in sechs Bundesländern mit teils unterdosierten Krebsmedikamenten beliefert. Allein 32 dieser Praxen und Kliniken befanden sich in Nordrhein-Westfalen, wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Essen am Donnerstag bestätigte. Jeweils einen Abnehmer hatte der Apotheker demnach in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Sachsen, Niedersachsen und dem Saarland.

Über die Zahl der in den vergangenen fünf Jahren von dem Apotheker belieferten Arztpraxen und Kliniken hatten zuvor das NDR-Magazin "Panorama" und das gemeinnützige Recherchezentrum "Correctiv" berichtet. Die Zahl der betroffenen Patienten wurde in dem Bericht mit 3700 angegeben. Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft nannte hingegen keine konkrete Zahl. Die Anzahl der Betroffenen bewege sich aber "im niedrigen vierstelligen Bereich".

Die Staatsanwaltschaft hatte im Juli Anklage gegen den Apotheker erhoben. Er soll von Januar 2012 bis zu seiner Festnahme im November 2016 in 61.980 Fällen gegen das Arzneimittelgesetz verstoßen haben. Dabei soll er unter anderem Krebsmittel mit deutlich weniger Wirkstoff als ärztlich verordnet in den Verkehr gebracht haben. Auch stellte er laut Anklage Präparate unter Missachtung der vorgeschriebenen Hygieneregeln her.

Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) ordnete derweil in einem Erlass die Schwerpunkte der Apothekenüberwachung neu. Als ein Kriterium für unangemeldete Inspektionen werde in dem Erlass an die zuständigen Kreise und kreisfreien Städte die Herstellung von Infusionsarzneimitteln wie in dem Bottroper Fall genannt, teilte das NRW-Gesundheitsministerium in Düsseldorf mit.

"Der Erlass ist ein wichtiger Beitrag für einen noch besseren Gesundheitsschutz der Bevölkerung", erklärte Laumann. "Gerade Patientinnen und Patienten, die eine medikamentöse Krebstherapie erhalten, müssen darauf vertrauen können, dass sie die richtigen Arzneimittel in der richtigen Zusammensetzung erhalten." Die Behörden sollten daher "von ihren Kontrollrechten umfangreich Gebrauch machen".

Ein möglicher Prozess gegen den Bottroper Apotheker würde vor dem Landgericht Essen stattfinden. Die Gerichtsentscheidung über die Zulassung der 820 Seiten umfassenden Anklageschrift fiel aber noch nicht. Neben den Arzneimittelverstößen legt die Staatsanwaltschaft dem Mann zur Last, mehr als 50.000 Rezepte zu Unrecht abgerechnet zu haben. Dadurch sollen den gesetzlichen Krankenkassen rund 56 Millionen Euro Schaden entstanden sein.

afp

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