Zum 90. Geburtstag

Papst Benedikt XVI.: So spricht er über sein Leben und seinen Glauben

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Papst Benedikt XVI. feiert am Ostersonntag seinen 90. Geburtstag. Wir blicken auf sein Leben und seinen Glauebn zurück - in seinen eigenen Worten.

München - Papst Benedikt XVI. feiert am Ostersonntag seinen 90. Geburtstag. So spricht der emeritierte Papst über sein Leben und seinen Glauben. 

Papst Benedikt XVI. zum 90. Geburtstag: So blickt er auf sein Leben zurück.

  • Um die Wahrheit zu sagen, ich hätte nie gedacht, dass ich einmal Papst werde. Denn, wie ich schon gesagt habe, war ich ein recht einfacher Junge in einem kleinen Dorf weit weg von den großen Zentren, in der vergessenen Provinz. Wir waren glücklich, auf dem Land zu sein, und dachten nicht an andere Dinge. Natürlich haben wir den Papst – damals war es Pius XI. - gekannt, verehrt und geliebt. Aber für uns war er in unerreichbarer Höhe, fast in einer anderen Welt: er war für uns ein Vater, aber doch in einer Wirklichkeit, die uns alle weit überstieg. Und ich muss sagen, noch heute fällt es mir schwer, zu verstehen, warum der Herr an mich denken konnte, warum er mich für dieses Amt bestimmt hat. Aber ich nehme es aus seinen Händen an, auch wenn es erstaunlich ist und weit über meine Kräfte zu gehen scheint. Aber der Herr hilft mir.“ (Papst Benedikt XVI. am 30. Mai 2009, bei der Begegnung mit den Kindern des Päpstlichen Kindermissionswerkes)
  • Ich war zunächst, in Tittmoning und Aschau, ein ausgesprochen lustiger Bub. Aber irgendwie bin ich später dann - ich kann gar keinen Grund dafür nennen - etwas nachdenklicher und nicht mehr so fröhlich gewesen. Das hat aber auch gewechselt. Der Krieg hat alles verkompliziert.“ XVI., „Letzte Gespräche: Mit Peter Seewald“, Droemer Knaur 2016)
  • Frage: „Kann man sich auf den Tod vorbereiten?“ Benedikt XVI.: „Man muss es sogar, denke ich. Nicht in dem Sinne, dass man jetzt schon bestimmte Akte vollzieht, aber innerlich daraufhin lebt, dass man einmal ein letztes Examen vor Gott besteht.“ (Benedikt XVI., „Letzte Gespräche“)
  • Frage: „Was sollte auf Ihrem Grabstein stehen?“ Papst Benedikt XVI.: „(Schmunzelt.) Ich würde sagen: nichts! Nur der Name.“ (Benedikt XVI., „Letzte Gespräche“)
  • Frage: „Wenn Sie dann vor dem Allmächtigen stehen, was werden Sie ihm sagen?“ Benedikt XVI.: „Dass er Nachsicht mit meiner Armseligkeit hat.“ (Benedikt XVI., „Letzte Gespräche“)
  • Frage: „Was erwarten Sie [vom Himmel]?“ Benedikt XVI.: „Da gibt es Schichten. Da ist zum einen die mehr theologische. Ein großer Trost und auch ein großer Gedanke ist hier, was der heilige Augustinus sagt. Er legt das Psalmwort ‘Sucht immerdar sein Angesicht‘ aus und sagt: Dieses ‚Immerdar‘ gilt für die ganze Ewigkeit. Gott ist so groß, dass wir nie fertig sind. Er ist immer neu. Es gibt eine immerwährende, unendliche Bewegung neuen Entdeckens und neuer Freude. Solche Dinge gehen in einem theologisch um. Gleichzeitig gibt es die Seite, ganz menschlich,, dass ich mich darauf freue, wieder mit meinen Eltern, meinen Geschwistern, meinen Freunden beieinander zu sein und mir vorzustellen, dass es wieder so schön sein wird, wie es bei uns zu Hause war.“ (Benedikt XVI., „Letzte Gespräche“)

Papst Benedikt XVI. zum 90. Geburtstag: Leben mit Gott

  • "Der christliche Glaube ist für den Menschen allezeit, nicht erst in unserer Zeit, ein Skandal. Dass der ewige Gott sich um uns Menschen kümmern, uns kennen soll, dass der Unfassbare zu einer bestimmten Zeit fassbar geworden sein soll, dass der Unsterbliche am Kreuz gelitten haben und gestorben sein soll, dass uns Sterblichen Auferweckung und Ewiges Leben verheißen ist – das zu glauben ist nun einmal für uns Menschen eine Zumutung." (Benedikt XVI. in der "Freiburger Rede" am 25. September 2011)
  • [M]an kann sich Gott so vorstellen, wie wir ihn durch Jesus Christus kennen. Christus sagt ja einmal: ‚Wer mich ansieht, sieht den Vater.‘“ (Kardinal Joseph Ratzinger im Interview-Buch “Gott und die Welt: Ein Gespräch mit Peter Seewald“, Droemer Knaur Verlag, Neuauflage 2013)
  • Gott ist nicht wie ein Gendarm oder ein Strafrichter, der einem eine Buße aufbrummt. Aber im Spiegel des Glaubens und auch des mir gewordenen Auftrags muss ich mich jeden Tag besinnen, was recht ist und wann etwas verkehrt war. Natürlich spüre ich dann auch, dass etwas nicht richtig gewesen ist. Dafür gibt es ja auch das Bußsakrament.“  (Kardinal Joseph Ratzinger in "Gott und die Welt")
  • Ich glaube, dass die Katholiken vor allem von einem großen Gefühl der Vergebung Gottes beseelt sind. Nehmen wir die Kunst des Barock oder des Rokoko. Hier sieht man große Heiterkeit. So typischen katholischen Nationen wie Italien oder Spanien wird nicht ohne Grund eine innere Leichtigkeit nachgesagt. Vielleicht hat es in einzelnen Zonen des Christentums auch Erziehungsformen und Verbiegungen gegeben, wo das Erschreckende, das Schwere, das Strenge ein Übergewicht hat, aber das eigentlich Katholische ist das nicht. Meinem Gefühl nach überwiegt gerade bei Menschen, die aus dem Glauben der Kirche leben, letztlich ein Bewusstsein der Erlösung: Gott lässt uns nicht fallen!“ (Kardinal Joseph Ratzinger in "Gott und die Welt")
  • Die Sprache Gottes ist leise. Aber er gibt uns vielerlei Winke. Gerade rückschauend kann man erkennen, dass er uns durch Freunde, durch ein Buch oder auch durch ein vermeintliches Scheitern, ja selbst durch Unfälle einen kleinen Stoß gegeben hat. Das Leben ist eigentlich voll von diesen stillen Weisungen. Langsam, wenn ich wach bleibe, setzt sich daraus ein Ganzes zusammen, und ich fange an zu spüren, wie Gott mich führt.“ (Kardinal Joseph Ratzinger in "Gott und die Welt")

Glaube und Vernunft: Vernünftig Glauben mit Papst Benedikt XVI.

  • „Sie werden mich vielleicht fragen: ‚Gibt es Gott überhaupt? Und wenn es ihn gibt, befasst er sich überhaupt mit uns? Können wir bis zu ihm vordringen?‘ Nun, es ist wahr: Wir können Gott nicht auf den Tisch legen, wir können ihn nicht wie ein Gerät anrühren oder wie irgendeine Sache in die Hand nehmen. Wir müssen die Wahrnehmungsfähigkeit für Gott, die in uns da ist, wieder neu entwickeln. In der Größe des Kosmos können wir etwas ahnen von der Größe Gottes. Wir können die Welt technisch nützen, weil sie rational gebaut ist. In dieser großen Rationalität der Welt ahnen wir etwas von dem Schöpfergeist, von dem sie kommt, und wir können in der Schönheit der Schöpfung doch etwas von der Schönheit, Größe und auch von der Güte Gottes sehen. Wir können im Wort der Heiligen Schrift Worte ewigen Lebens hören, die nicht einfach nur von Menschen kommen, sondern die von Ihm herkommen, in denen wir seine Stimme hören. Und endlich, in der Begegnung mit Menschen, die von Gott angerührt worden sind, sehen wir gleichsam Gott. Ich denke nicht nur an die großen – von Paulus über Franz von Assisi bis zu Mutter Teresa –, sondern an die vielen einfachen Menschen, von denen niemand spricht. Und doch, wenn wir ihnen begegnen, geht von ihnen etwas von Güte, von Lauterkeit, von Freude aus, dass wir wissen, da ist Gott, und dass er uns anrührt.“ (Papst Benedikt XVI., „Wort zum Sonntag“, Samstag, 17. September 2011)
  • "Ich sehe, dass zur Zeit in Deutschland, aber auch in den Vereinigten Staaten, eine recht erbitterte Debatte geführt wird über den sogenannten Kreationismus auf der einen und den Evolutionismus auf der anderen Seite, die als einander ausschließende Alternativen dargelegt werden: Wer an den Schöpfer glaubt, müsse die Evolution ablehnen, und wer dagegen die Evolution befürwortet, müsse Gott ausschließen. Diese Gegenüberstellung ist absurd, denn einerseits gibt es viele wissenschaftliche Beweise für eine Evolution. Sie zeigt sich als Realität, die wir erkennen müssen und die unser Wissen in bezug auf das Leben und das Sein als solches bereichert. Aber die Evolutionslehre beantwortet nicht alle Fragen, und sie beantwortet vor allem nicht die große philosophische Frage: Woher kommt alles? Und wie entwickelt sich schließlich alles zum Menschen hin?" (Benedikt XVI., Ansprache am 24. Juli 2007)
  • „Gott selber ist der Ort über allen Orten. Wenn Sie in die Welt hineinschauen, sehen Sie keinen Himmel, aber Sie sehen überall die Spuren Gottes. Im Aufbau der Materie, in der ganzen Rationalität der Wirklichkeit. Und auch, wo sie Menschen sehen, da finden Sie Spuren Gottes. Sie sehen das Laster, sehen aber auch die Güte die Liebe. Das sind die Orte, wo Gott da ist.“ (Benedikt XVI., „Letzte Gespräche: Mit Peter Seewald“, Droemer Knaur 2016)
  • „Eine Vernunft, die dem Göttlichen gegenüber taub ist und Religion in den Bereich der Subkulturen abdrängt, ist unfähig zum Dialog der Kulturen. Dabei trägt [...] die moderne naturwissenschaftliche Vernunft mit dem ihr innewohnenden platonischen Element eine Frage in sich, die über sie und ihre methodischen Möglichkeiten hinausweist. Sie selber muss die rationale Struktur der Materie wie die Korrespondenz zwischen unserem Geist und den in der Natur waltenden rationalen Strukturen ganz einfach als Gegebenheit annehmen, auf der ihr methodischer Weg beruht. Aber die Frage, warum dies so ist, die besteht doch und muss von der Naturwissenschaft weitergegeben werden an andere Ebenen und Weisen des Denkens – an Philosophie und Theologie.“ (Papst Benedikt XVI. in seiner „Regensburger Rede“ am 12. September 2006)

    Papst Benedikt XVI. zum 90. Geburtstag: Die Wunder Gottes

  • „Es ist eine Arroganz des Intellekts, dass wir sagen: Das hat etwas Widersprüchliches, Unsinniges in sich, schon deshalb ist es gar nicht möglich. Aber wie viele Möglichkeiten der Kosmos birgt und sich über und in dem Kosmos verbergen - das zu entscheiden, ist nicht unsere Sache. Durch die Botschaft Christi und der Kirche tritt glaubwürdig das Wissen über Gott an uns heran. Gott wollte in diese Welt hereintreten. Gott wollte, dass wir ihn nicht nur durch die Physik und die Mathematik von der Ferne erahnen. Er wollte sich uns zeigen. Und so konnte Er auch tun, was in den Evangelien berichtet wird. So konnte Er auch in der Auferstehung eine neue Dimension der Existenz schaffen; [...]  eben noch eine neue Sphäre setzen, in der Mensch und Welt mit Gott in Einheit gelangen.“ (Papst Benedikt XVI. im Interview-Buch „Licht der Welt. Der Papst, die Kirche und die Zeichen der Zeit. Ein Gespräch mit Peter Seewald“, Herder 2010)
  • „Das Einfache sehen, darauf kommt es an. Warum sollte Gott nicht imstande sein, auch einer Jungfrau eine Geburt zu schenken? Warum sollte Christus nicht auferstehen können? Freilich, wenn ich selbst festlege, was sein darf und was nicht, wenn ich die Grenzen des Möglichen bestimme und niemand sonst, dann sind solche Fragen auszuschließen.“  (Papst Benedikt XVI. im Interview-Buch „Licht der Welt“)
  • "Man darf das nicht in eine abergläubische Wunderidee umsetzen, so als ob man Wunder herbeirufen könnte. Man darf nicht billige Rezepturen daraus machen. Aber man darf eben auch nicht rationalistisch besserwisserisch sein und Gott vorschreiben wollen, was er überhaupt tun kann." (Kardinal Joseph Ratzinger in "Gott und die Welt")

Papst Benedikt XVI. wird 90: Das denkt er über die Kirche in Deutschland

  • In Deutschland haben wir diesen etablierten und hochbezahlten Katholizismus, vielfach mit angestellten Katholiken, die dann der Kirche in einer Art Gewerkschaftsmentalität entgegentreten. Kirche ist für sie nur der Arbeitgeber, gegen den man kritisch steht. Sie kommen nicht aus einer Dynamik des Glaubens, sondern sie sind eben in so einer Position. Das ist, glaube ich, die große Gefahr der Kirche in Deutschland, dass sie so viele bezahlte Mitarbeiter hat und dadurch ein Überhang an geistlicher Bürokratie da ist. Die Italiener können sich so viele bezahlte Leute gar nicht leisten, die Mitarbeit basiert großteils auf Freiwilligkeit. (Benedikt XVI., „Letzte Gespräche: Mit Peter Seewald“, Droemer Knaur 2016)
  • In Deutschland hat jedes Kind neun bis dreizehn Jahre Religionsunterricht. Wieso dann gar so wenig hängen bleibt, um es mal so auszudrücken, ist unbegreiflich. Hier müssen die Bischöfe in der Tat ernsthaft darüber nachdenken, wie der Katechese ein neues Herz, ein neues Gesicht gegeben werden kann.“ (Papst Benedikt XVI. im Interview-Buch „Licht der Welt“)
  • Um ihrem eigentlichen Auftrag zu genügen, muss die Kirche immer wieder die Anstrengung unternehmen, sich von dieser ihrer Verweltlichung zu lösen und wieder offen auf Gott hin zu werden. [...] Die geschichtlichen Beispiele zeigen: Das missionarische Zeugnis der entweltlichten Kirche tritt klarer zutage. Die von materiellen und politischen Lasten und Privilegien befreite Kirche kann sich besser und auf wahrhaft christliche Weise der ganzen Welt zuwenden, wirklich weltoffen sein.“ (Papst Benedikt XVI. in seiner „Freiburger Rede“)
  • Ich habe in der Tat große Zweifel, ob das Kirchensteuersystem, so wie es ist, richtig ist. Ich meine damit nicht, dass es überhaupt eine Kirchensteuer gibt. Aber die automatische Exkommunikation derer, die sie nicht zahlen, ist meiner Meinung nach nicht haltbar.“  (Benedikt XVI., „Letzte Gespräche“)

Papst Benedikt XVI. wird 90: So blickt er auf sein Pontifikat zurück

  • „Als ich am 19. April vor fast acht Jahren eingewilligt habe, den Petrusdienst zu übernehmen, hatte ich die feste Gewissheit, die mich immer begleitet hat: diese Gewissheit, dass die Kirche lebt und zwar aus dem Wort Gottes. [...] Und acht Jahre danach kann ich sagen, dass der Herr mich wirklich geführt hat, er ist mir nahe gewesen, täglich habe ich seine Gegenwart wahrnehmen können. [...] Ich kehre nicht ins private Leben zurück – in ein Leben mit Reisen, Begegnungen, Empfängen, Vorträgen usw. Ich gehe nicht vom Kreuz weg, sondern bleibe auf neue Weise beim gekreuzigten Herrn. (Papst Benedikt XVI. bei seiner letzten Generalaudienz, abgedruckt in: „Alles Gute! Die schönsten Texte und Bilder von Papst Benedikt XVI.“, Herder 2016)

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