Van-Laack-Geschäft

Skandal um Joe und Armin Laschet: Van-Laack-Chef wehrt Kritik an Schutzkittel-Auftrag ab

  • vonErik Hlacer
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Das Land NRW hat mithilfe von Armin Laschets Sohn bei dem Mode-Hersteller van Laack Corona-Masken bestellt. Welche Rolle spielte der Influencer Joe Laschet dabei?

  • Joe Laschet, Sohn von NRW*-Ministerpräsident Armin Laschet* ist Influencer und hat gute Kontakte in der Mode-Branche, unter anderem zur Firma Van Laack.
  • Nach seinem Vorschlag bei Armin Laschet bezieht die Landesregierung nun Millionen Anti-Coronavirus*-Masken und Kittel über die Firma Van Laack.
  • Die Opposition erhebt nun schwere Vorwürfe und möchte die Einflussnahme von Joe Laschet beim Mega-Deal klären. . (News zum Coronavirus in NRW)

Update vom 9. Dezember, 22.03 Uhr: Inzwischen hat sich erneut der Firmenchef des Modeherstellers Van-Laack, Christian von Daniels, zum umstrittenen Deal mit der Landesregierung geäußert. Es sei demnach im Frühjahr „mit dem Auftrag seitens der einkaufenden Behörde alles pieksauber gelaufen“, sagte der Unternehmer.

UnternehmenVan Laack (Modeartikelhersteller)
SitzMönchengladbach
Gründung1881
Umsatz59,59 Mio. Euro
Mitarbeiterzahl302

Damit wies er Kritik an einem Auftrag des Landes NRW über 10 Millionen Schutzkittel zurückgewiesen. Die SPD-Fraktion im Landtag hatte zuvor die Frage aufgeworfen, ob bei der Vergabe des 38,5 Millionen Euro schweren Auftrags alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Zuvor waren Ratschläge von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) und dessen Sohn Joe in der Diskussion zu Corona-Schutzmasken für die Landesregierung durchgesickert. Beide hatten sich für Masken der Firma Van Laack ausgesprochen.

Update vom 4. Dezember, 16.40 Uhr: Nach Vorwürfen der Opposition um ein Geschäft mit der Modefirma van Laack hat das NRW-Gesundheitsministerium eine Liste aller 40 Bestellungen für Schutzausrüstung in der Corona-Pandemie publik gemacht. Die Aufträge hatten demnach einen Gesamtwert von fast einer halbe Milliarde Euro. Die umstrittene Order bei van Laack hatte dabei einen Anteil von 45,4 Millionen Euro. Das geht aus einer Auflistung hervor, die das Ministerium der dpa zur Verfügung gestellt hat.

Masken von van Laack: Skandal um Joe und Armin Laschet in NRW

Update vom 4. Dezember, 16.40 Uhr: Der Aufstellung des Gesundheitsministeriums von NRW ist zu entnehmen, dass der van Laack-Auftrag (10 Millionen Kittel) mit seinem Wert der zweithöchste war. Mit 170,83 Millionen Euro war eine Bestellung von 30 Millionen medizinischen FFP2- und KN95-Masken bei einem anderen Unternehmen die kostspieligste.

Das Gesundheitsministerium hat im Laufe der Corona-Pandemie nach eigenen Angaben über 7000 Angebote über persönliche Schutzausrüstung wie Kittel oder Masken bekommen und ausgewertet. „Die Herausforderung bestand somit darin, aus der Vielzahl von Angeboten seriöse, qualitativ hochwertige und wirtschaftlich sinnvolle Angebote auszuwählen“, so ein Sprecher. Stoffmasken, wie sie van Laack der NRW-Polizei lieferte, habe das Gesundheitsministerium zu keiner Zeit gekauft. Es sei primär um die Versorgung von Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen gegangen.

Update vom 3. Dezember, 20.23 Uhr: Nach dem Wutausbruch von Ministerpräsident Armin Laschet vor laufenden Kameras legt die SPD nach. Der Vorsitzende der Landtagsfraktion, Thomas Kutschaty, sprach dem CDU-Politiker Würde und Souveränität ab. „Die Zündschnur des Ministerpräsidenten ist gerade extrem kurz.“ Die Opposition bohrt weiter und will nun mehr über mögliche Angebote von Maskenherstellern wissen. Es habe - offenbar schon im März - auch Offerten anderer Hersteller gegeben, auf die die Landesregierung nicht geantwortet habe, sagte Kutschaty. Es hätten sich sogar noch mehr Unternehmen bei der SPD gemeldet, die nach eigenen Angaben hätten liefern können. Laschet tue so, als spreche man „über eine rein private Familienangelegenheit“. Tatsächlich gehe es aber um Aufträge im Wert von mehr als 40 Millionen Euro an eine Firma. „Das ist keine Privatsache.“

Update vom 1. Dezember, 17.51 Uhr: Inzwischen hat sich auch der Mode-Blogger und Influencer Joe Laschet selbst zu den Vorwürfen geäußert, wonach er in den Deal zwischen der Landesregierung und der Firma Van Laack bei der Produktion von Millionen Corona-Masken Einfluss genommen haben soll. Er habe keine Provision für die Vermittlung erhalten und verwies in einer Instagram-Story darauf, dass Masken zu dem Zeitpunkt Mangelware waren. „Es ging nicht um persönliche Vorteile, sondern um effektive Hilfe.“

NRW-Masken von Van Laack: Welche Rolle spielte Armin Laschets Sohn Joe Laschet beim Deal?

Update, vom 1. Dezember, 15.50 Uhr: Ministerpräsident Armin Laschet reagiert stocksauer auf Vorwürfe gegen seinen Sohn Joe Laschet. Die SPD wittert eine Marketing-Aktion, weil Sohn Joe den Kontakt zu einem Maskenproduzenten herstellte, der wiederum anschließend einen Auftrag der Landesregierung bekam. „Diffamieren gehört bei der SPD in NRW schon immer dazu“, sagte ein sichtlich empörter Armin Laschet während einer Pressekonferenz mit Gesundheitsminister Jens Spahn in einem geplanten Impfzentrum in Düsseldorf.

Spahn sprang Laschet bei. Er wolle nur mal „ganz grundsätzlich sagen“, dass es in der Pandemie unverzichtbar gewesen sei, Material wie Masken, Tests oder Beatmungsgeräte „sehr flexibel“ zu beschaffen, ohne auf monatelange Ausschreibungen zu warten.

Joe Laschet: Vater Armin reagiert wütend auf Vorwürfe

Armin Laschet stellte den Vorgang aus seiner Sicht dar. Im März habe es zu wenig Schutzausrüstung für Krankenhäuser gegeben. Die Landesregierung habe daher unter anderem Anbieter von Masken gesucht. „Natürlich habe ich meinen Sohn gefragt“, so Laschet. „Er hat mir geholfen, den Kontakt herzustellen.“ Die Firma Van Laack stellte daraufhin teilweise die Produktion um und lieferte Masken. Für die Vermittlung sei kein Geld geflossen, betont Laschet emotional. „Ich lasse nicht zu, dass so ein Engagement in den Dreck gezogen wird.

Joe Laschet: Hatte Armin Laschets Sohn Einfluss beim Deal mit Van Laack?

[Erstmeldung vom 1. Dezember] Düsseldorf - Johannes Laschet nennt sich selbst Joe und ist Mode-Blogger. Auf Instagram hat der 32-jährige Sohn von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet 91.000 Abonnenten und gilt damit als Influencer. Wer Influencer ist, kann durch Werbung Einfluss nehmen. Und genau über diesen Einfluss von Joe Laschet dreht es sich.

Denn plötzlich ist Joe Laschet nicht mehr nur der einfache Blogger in klassischer Männerkleidung und Modeberater seines Vaters. Stattdessen scheint er beim Deal zu den Corona-Masken in NRW zwischen der Landesregierung und der Firma Van Laack eine ganz entscheidende Vermittlerrolle eingenommen zu haben

Joe Laschet: Chef von Van Laack erklärt, wie Deal zustande kam

Daraus macht übrigens auch der Hersteller der Corona-Masken Van Laack keinen Hehl. „Ich habe Joe gesagt, dass er seinem Vater meine Nummer geben kann, wenn das Land Hilfe bei der Beschaffung von Masken braucht“, räumte van Laack-Inhaber Christian von Daniels jüngst in einem Interview mit der Rheinischen Post ein. Von Daniels arbeitet demnach schon seit Jahren als Fashion-Blogger mit Joe Laschet zusammen. Seine Firma aus Mönchengladbach versteht sich eigentlich als Herrenausstatter - aber nahm während der ersten Welle in der Corona-Krise mit der Produktion von Schutzmasken sowas wie eine Vorreiterrolle ein.

Ein Sprecher der Landesregierung erklärte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur: „Auf dem Höhepunkt des Infektionsgeschehens im März gab es auf dem Weltmarkt nahezu keine Schutzkleidung und -masken.“ Weil Masken zur Ausstattung des medizinisch Personals aber dringend notwendig gewesen seien, habe die Landesregierung in dieser Zeit Kontakt zu Unternehmen aus ganz Deutschland gesucht.

Joe Laschet: Hatte Armin Laschet Einfluss beim Deal mit Van Laack? SPD stellt Anfrage im Landtag

Es habe eine ganze Reihe an Firmen gegeben, die als Masken-Zulieferer infrage kamen. Eines Abends habe dann NRW-Ministerpräsident Armin Laschet angerufen und die Masken der Firma Van Laack ins Gespräch gebracht. Laut der Staatskanzlei wurden alle Angebote von der zentralen Prüfstelle des Gesundheitsministeriums „auf ihre Tauglichkeit geprüft.“

Am Ende entschied sich die NRW-Landesregierung für die Produkte der Firma Van Laack. Das Geschäftsverhältnis hat im Übrigen bis heute Bestand. Erst kürzlich bestellte das Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste (LZPD) weitere 1,25 Millionen Corona-Masken. Über den Mega-Deal der Landesregierung und der Firma Van Laack* berichtet auch merkur.de*.

Die Masken der Firma Van Laack, welche die Landesregierung bestellt hat, schlug NRW-Ministerpräsident Armin Laschet im Frühjahr noch selbst vor.

Joe Laschet: Hatte Armin Laschet Einfluss beim Deal mit Van Laack?

Von dem Kontakt zwischen der Staatskanzlei in Person von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und dem Mode-Hersteller Van Laack war bis dato nichts bekannt geworden. Nun spitzt die Opposition im Landtag jedoch die Ohren. Nachdem Joe Laschet den Deal mit den Corona-Masken überhaupt möglich gemacht hat, wittert die SPD-Fraktion „Influencer Marketing in der Staatskanzlei“ und will über eine Anfrage im Landtag über die Geschehnisse genauer informiert werden.

Die Landesregierung stehe dem Sachverhalt positiv gegenüber. Die Verantwortlichen seien zu Beginn der Pandemie froh über jeden Hinweis eines Unternehmens gewesen, das Corona-Masken produziert. Zudem sei die Auswahl letztlich über eine zentrale Prüfstelle erfolgt. Für die detaillierten Fragen der SPD hat die Landesregierung nach Geschäftsordnung des Landtags vier Wochen Zeit zur Beantwortung.

Armin Laschet gibt indes Hoffnung in der Corona-Krise* und sagt, dass die Maßnahmen Wirkung zeigen würden. Zuvor hatten sich Bund und Länder auf strengere Maßnahmen geeinigt, wonach auch in NRW eine Corona-Schutzverordnung mit neuen Regeln* gelten. Diese sind am Dienstag, 1. Dezember, in Kraft getreten. - *merkur.de und wa.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Sascha Steinbach / dpa

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