Musterbeispiel in der Pandemie

Corona-Maßnahmen: Stadt in NRW wird zum Vorbild in der Krise

  • vonMalin Schneider-Pluppins
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Mehrere Regionen in NRW haben es unter eine Inzidenz von 50 geschafft. Allen voran: Münster. Wieder einmal ist die Stadt anderen eine Nasenlänge voraus.

Münster/NRW - In ganz NRW sind die Zahlen der Corona-Neuinfektionen rückläufig. Wie RUHR24.de* berichtet liegt die Inzidenz für gesamt-NRW bei 67. Dortmund meldet eine 7-Tages-Inzidenz von 64,3. Duisburg eine von 68. Der Kreis Coesfeld liegt sogar schon bei 30,4 – und wird dennoch von seiner Nachbarstadt Münster unterboten.

StadtMünster
Einwohner 312.000
Corona-Infektionen kumuliert auf 100.000 Einwohner\t1.662,9

Münster/NRW: Strategie in der Bewältigung der Corona-Krise

Als einsamer grüner Fleck auf der Karte des Robert-Koch-Instituts (RKI), zeigt sich die Stadt im Norden von NRW bereits mit einer Inzidenz von 21,9. Wie hat Münster das geschafft? Seit Ausbruch der Pandemie hat es Münster immer mal wieder in die Schlagzeilen geschafft.

Doch anders als beispielsweise Hagen am südlichen Rand des Ruhrgebiets – die Stadt steht in der Pandemie häufig mit negativen News in Verbindung – schien Münster es immer etwas besser hinzubekommen. Während Hagen früh die höchste Inzidenz aufwies und noch immer zu den Spitzenreitern in NRW gehört, war es in der nördlicher gelegenen Stadt stets genau anders herum.

Münster: Hohe Lebensqualität paart sich mit wenigen Corona-Neuinfektionen

Wer in Münster lebt, hat es gut: Bei Rankings und Studien zur Lebensqualität, nahm die Stadt häufig einen oberen Platz ein. Sogar das Prädikat „Lebenswerteste Stadt der Welt“ erhielt Münster schon. Und jetzt scheint es auch noch so zu sein, dass man in Münster besser durch die Krise manövriert als anderswo in NRW (mehr News zum Coronavirus in NRW* auf RUHR24.de).

Bereits seit Januar liegt die Inzidenz in Münster unter 50 – jener wichtigen Grenze, ab der eine Kontaktnachverfolgung in den Gesundheitsämtern wieder machbar sein soll und den Kreisen und Städten Möglichkeiten für sanfte Lockerungen im Lockdown offen stehen (mehr News zum Coronavirus in NRW im Live-Ticker* von RUHR24.de).

Münster weist niedrigste Corona-Neuinfektionen in NRW auf

Und auch aktuell hat Münster wieder die niedrigste Corona-Inzidenz in ganz NRW. Dient die Stadt als Musterbeispiel für die Krisen-Bewältigung? Ende Januar fragte sich daher auch der WDR: Wie macht Münster das nur? Und vor allem: Was läuft anders als in Städten wie Hagen?

In der Corona-Pandemie setzte Münster früh auf eine allgemeine Maskenpflicht.

Gründe dafür, warum die Stadt in der Corona-Krise besser abschneidet als andere Regionen in NRW, gibt es offenbar mehrere. Eine besondere Strategie, die von anderen Städten kopiert werden könnte, gibt es allerdings nicht. Manches, mutmaßt der Epidemiologe Prof. Dr. André Karch von der Uni Münster laut WDR, könnte auch nur dem Zufall geschuldet sein. Zum Beispiel, dass es in Münster bisher keine größeren Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen gab.

Vieles deutet aber auch darauf hin, dass die Art und Weise, wie die Menschen in Münster leben und arbeiten, mit den niedrigen Corona-Zahlen in Münster zu tun hat: Viele Münsteraner arbeiten in Bereichen, in denen Home Office gut umzusetzen ist. Dazu kommt die große Anzahl an Studenten, die von zu Hause aus lernen können. Die Stadt sei zudem weniger von der Industrie geprägt, in der Home Office nur für die allerwenigsten eine Option ist. Hagens Wirtschaft ist dagegen noch immer von der Metall- und Elektroindustrie geprägt.

Münster: Viele Single-Haushalte machen Bewältigung der Corona-Krise einfacher

Dazu kommt: Über 53 Prozent aller Haushalte in Münster, so die Statistik der Stadt von 2019, waren Ein-Personen-Haushalte oder sogenannte Single-Haushalte. Ein weiterer Baustein, der zum Erfolg der Krisen-Bewältigung führt.

Doch auch die Einstellung der Münsteraner sei eine andere: In Münster identifiziere man sich sehr stark mit der Stadt. Von Anfang an hätten die meisten viel Verständnis für die Einschränkungen in der Corona-Pandemie gezeigt, erklärt Münsters Corona-Krisenstabsleiter Wolfgang Heuer gegenüber dem WDR.

In den sozialen Netzwerken loben einige Bürger dagegen den Krisenstab-Leiter für sein stringente und geradliniges Vorgehen bei der Krisenbewältigung, mit der er Vertrauen geweckt und die Menschen geleitet habe. Heuer hatte immer wieder gemahnt, „nicht leichtsinnig zu werden“.

Münster: Maßnahmen der Stadt in der Corona-Krise zahlen sich aus

Doch auch „echte“ Maßnahmen der Stadt, trugen vermutlich zur guten Krisenbewältigung bei: Das Personal in den Gesundheitsämtern sei so großzügig aufgestockt worden, dass selbst bei höheren Infektionszahlen die Kontakte nachverfolgt werden konnten.

Der Oberbürgermeister von Münster, Markus Lewe, verweist gegenüber der ARD außerdem darauf, dass Münster schon früh einen Corona-Krisenstab eingerichtet hätte. Auch eine allgemeine Maskenpflicht war zügig angeordnet worden.

Über Lockerungen denkt man in Münster dennoch genauso wenig nach*, wie in anderen Städten und Kreisen - erst müsste auch das Umland bei den Neuinfektionen stabil niedrige Werte aufweisen, so Heuer. Nach Markus Lewe gehe es darum, die Herausforderungen in der Pandemie solidarisch anzugehen - und da wolle auch Münster mitziehen.

Zudem mahnt der OB Vorsicht an. Schon als Münster sich am 21. Januar über eine Inzidenz von 38,1 freute, postete Lewe auf Facebook: „Der Wert ist sehr erfreulich, kann sich aber jederzeit wieder verschlechtern. Wir müssen weiterhin äußerst vorsichtig sein.“ *RUHR24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © Rolf Vennenbernd/dpa

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