Risiko bei Astrazeneca zu hoch

NRW: Virologe warnt jüngere Menschen dringend vor zwei Impfstoffen

  • vonAnika Hinz
    schließen

Die Priorisierung für die Impfstoffe von Astrazeneca und Johnson & Johnson wurde aufgehoben. Trotzdem sollen gerade junge Leute auf die Impfung verzichten.

Essen – Die Impfkampagne hatte in Deutschland zuletzt ordentlich an Fahrt aufgenommen. Gründe dafür sind zum einen die hohe Impfbereitschaft der Bürger und zum anderen die steigenden Kapazitäten an Impfstoffen. Um das Ganze weiter zu beschleunigen, wurden die Impfstoffe von Astrazeneca und Johnson & Johnson nun für alle Altersgruppen freigegeben. Eine problematische Vorgehensweise, findet der Essener Virologe Dr. Ulf Dittmer, berichtet RUHR24*.

ImpfstoffeAstrazeneca und Johnson & Johnson
Art der ImpfstoffeVektorimpfstoffe
Mögliche KomplikationenHirnvenenthrombosen (vor allem bei jungen Frauen)

Corona-Impfung: Bundesregierung hebt Priorisierung für Astrazeneca und Johnson & Johnson auf

Dittmer ist Direktor der Virologie des Essener Universitätsklinikums (UKE) und hat im Interview mit der WAZ verraten, warum gerade junge Leute besser noch auf die Corona-Impfung warten sollten, anstatt sich mit Astrazeneca oder Johnson & Johnson impfen zu lassen. Die Landesregierung hatte unlängst die Priorisierung in NRW für beide Impfstoffe aufgehoben*, weil viele Impfberechtigte die Mittel nicht haben wollten.

Mit dem Aufheben der Impf-Priorisierung wolle man möglichst vielen Menschen die Möglichkeit geben, sich schnell gegen Corona impfen zu lassen. Auch junge Leute, die eigentlich noch gar nicht dran gewesen wären, hätten so die Chance, sich frühzeitig gegen das Virus zu schützen. Und der Andrang ist groß (alle Nachrichten zum Coronavirus in NRW auf RUHR24*).

Essener Virologe ist sich sicher: Hirnvenenthrombosen auf Impfstoffe zurückzuführen

Virologe Prof. Dr. Dittmer geht davon aus, dass mit dem Ansturm auf die Impfstoffe von Astrazeneca und Johnson & Johnson die Fälle der seltenen Hirnvenenthrombosen weiter zunehmen werden. „Diese Kopfvenenthrombose ist mit diesem Impfstoff assoziiert, da braucht man gar nicht drum rum zu reden.“

Als Grund für die Thrombosen nannte der Virologe die Art der Impfstoffe. Sowohl bei AstraZeneca als auch bei Johnson & Johnson handelt es sich um sogenannte „Vektor-Impfstoffe“. Dittmer geht deshalb davon aus, dass die Hirnvenenthrombosen, die zum Teil auch zu Todesfällen in NRW geführt hatten*, auf den Vektor zurückzuführen sind.

Essener Virologe ist sich sicher: Man hätte viel früher an die jungen Leute denken sollen

Ob ein Impfstoff von Astrazeneca oder Johnson & Johnson verimpft wird, sollte individuell entschieden werden. „Für ältere Menschen und Menschen aus einer Risikogruppe ist die Risiko-Nutzen-Abwägung ganz klar für eine Impfung, aber gerade bei jungen Frauen ist die Risiko-Nutzen-Abwägung eben nicht für eine Impfung. Da gibt es dann tatsächlich weniger schwere Covid-19-Verläufe als wir diese schweren Fälle von Kopfvenenthrombosen haben“, so Prof. Ulf Dittmer gegenüber der WAZ.

Aber wie können sich junge Menschen dann schnellstmöglich vor Corona schützen? Erst einmal wohl nicht. Laut Dittmer hätte die Regierung bei den Impfungen für Jüngere schon viel eher handeln sollen: „Man hätte frühzeitig umstellen und nur noch älteren Menschen Astrazeneca anbieten können.“

Corona-Impfung in Deutschland: Impfstoff von Curevac ist ein Lichtblick für Jüngere

Ein Großteil der bereits geimpften Personen in Deutschland sind vornehmlich über 60 Jahre alt oder haben schwerwiegende Vorerkrankungen. Die bekamen bis zuletzt hauptsächlich den Impfstoff von Biontech – während die Dosen von Astrazeneca liegen geblieben sind. „Da hätte man umstellen können, denn Astrazeneca ist ein guter Impfstoff. Er ist genauso wirksam, er hat bloß diese Problematik bei jüngeren Menschen“, so Prof. Ulf Dittmer.

Als Hoffnungsschimmer für die jüngeren Generationen nannte der Essener Universitätsvirologe den Impfstoff von Curevac. „Wir erwarten schon sehr bald eine Zulassung“, so Dittmer. Vorteil des Impfstoffes von Curevac ist, dass es sich dabei um keinen Vektor-, sondern um einen mRNA-Impfstoff handelt und er damit deutlich besser für junge Menschen geeignet ist.

Ein ausgesetzter Patentschutz würde die Impfstoff-Produktion von Curevac gefährden.

Virologe Prof. Ulf Dittmer aus Essen kritisiert Vorschlag von Gesundheitsminister Jens Spahn

Den Vorschlag von Jens Spahn (CDU), den zeitlichen Abstand zwischen der ersten und zweiten Astrazeneca-Impfung zu verkürzen, hält Dittmer für keine gute Idee. Dadurch würde die Wirksamkeit des Vakzins deutlich verringert werden, so der Virologe. „Den empfohlenen Zeitraum von 9 bis 12 Wochen sollte man nicht unterschreiten. Ein Abstand von nur vier Wochen könnte den Schutz vor Erkrankungen um 20 Prozent senken.“

Bei den Infektionen könnte die Wirksamkeit laut der Einschätzung von Dittmer noch weiter sinken. „Dann haben wir geimpfte Personen, die Corona trotzdem weiter geben können und so etwas sollte man als Gesundheitsminister nicht empfehlen.“ *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Bernd Thissen/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Ansturm auf Digitalen Impfpass: Chaos in NRW – Apotheken geben Tipps für Geimpfte
Ansturm auf Digitalen Impfpass: Chaos in NRW – Apotheken geben Tipps für Geimpfte
Ansturm auf Digitalen Impfpass: Chaos in NRW – Apotheken geben Tipps für Geimpfte
Dortmund erreicht endlich Inzidenzstufe 1: Diese neuen Corona-Regeln gelten jetzt
Dortmund erreicht endlich Inzidenzstufe 1: Diese neuen Corona-Regeln gelten jetzt
Dortmund erreicht endlich Inzidenzstufe 1: Diese neuen Corona-Regeln gelten jetzt
Corona-Lockerungen: Laumann will Ende der Maskenpflicht in NRW – aber nicht überall
Corona-Lockerungen: Laumann will Ende der Maskenpflicht in NRW – aber nicht überall
Corona-Lockerungen: Laumann will Ende der Maskenpflicht in NRW – aber nicht überall
Corona in NRW: Neue Regeln für private Treffen, Partys und Veranstaltungen
Corona in NRW: Neue Regeln für private Treffen, Partys und Veranstaltungen
Corona in NRW: Neue Regeln für private Treffen, Partys und Veranstaltungen

Kommentare