Einigung vor Gericht

Kein Diesel-Fahrverbot in Bochum - umstrittene Methode sorgt für 27 Prozent weniger Stickstoffdioxid

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In Bochum konnte ein Dieselfahrverbot abgewendet werden.

Bochum kann ein Diesel-Fahrverbot scheinbar umgehen. Eine umstrittene Methode auf einer Hauptverkehrsstraße zeigt Erfolg. Jetzt müssen weitere folgen.

  • Durch bestimmte Maßnahmen dürfen Diesel weiterhin in Bochum fahren.
  • Eine Tempo-30-Zone sorgte im Verkehr allerdings für Kopfschütteln.
  • Weitere Maßnahmen sollen Fahrverbote in der Zukunft verhindern.

Bochum - Diesel-Fahrer brauchen sich in Bochum vorerst keine Gedanken über ein Fahrverbot zu machen. Die Stadt konnte dieses mit einem Vergleich vor dem Oberverwaltungsgericht in Münster abwenden, berichtet RUHR24.de*.

Bochum wendet Diesel-Fahrverbot ab

Ursprünglich hatte die Deutsche Umwelthilfe (DUH) Klage eingereicht, was viele Städte in NRW dazu bewegte, Maßnahmenkataloge zu erstellen. In Bochum sorgte besonders ein Punkt daraus für häufiges Kopfschütteln: die Einrichtung einer Tempo-30-Zone auf einer wichtigen Hauptverkehrsstraße: der Herner Straße zwischen Bochum und Herne.

Autofahrer nutzten sie häufig, um eine Abkürzung zwischen der A43 und der A40 zu nehmen, obwohl ein paar Kilometer weiter das Autobahnkreuz dafür vorgesehen ist. Vor der Herabsenkung der Höchstgeschwindigkeit von Tempo 50 auf 30 wurde dort der maximal zulässige Stickstoffdioxid-Wert zu oft überschritten. Lag der Jahresmittelwert in 2018 noch bei 48 Mikrogramm pro Kubikmeter in der Luft (2017 sogar 51!), sind es aktuell, mit der Tempo-30-Regelung 38 Mikrogramm. Der Grenzwert liegt bei 40 Mikrogramm.

Tempo-30-Zone und Lkw-Fahrverbot - kein Diesel-Fahrverbot in Bochum

Die Tempo-30-Zone und ein fest installierter Blitzer sorgten offenbar dafür, dass der Verkehr auf der Herner Straße zuletzt abnahm. Die Abkürzung zwischen A43 und A40 scheint sich aufgrund des Zeitaufwandes offenbar nicht mehr zu lohnen. Außerdem gibt es für Lkw über 7,5 Tonnen ein Durchfahrtsverbot. "Der Verkehr hat sich dadurch erheblich reduziert und sank um 21 Prozent", teilt die Stadt Bochum mit.

Bochums Oberbürgermeister Thomas Eiskirch weiß, wie unpopulär die Maßnahme war, die nach ihrer Einführung häufig für Verärgerung sorgte. "Aber die Ergebnisse zeigen, dass die Maßnahmen etwas gebracht haben", ist der OB sich sicher. Dass sich der Stickstoffdioxid jetzt möglicherweise anderswo in der Stadt verteilt, lässt Eiskirch allerdings unausgesprochen.

Bochum stellt Konzept auf, dass Umwelthilfe überzeugt

Nicht nur die Maßnahmen auf der Herner Straßen überzeugten DUH und Gericht in Münster, auch Bochums Konzept für einen neuen Radverkehr kamen gut an - auch wenn es in der Politik immer wieder Kritik gibt, die Pläne würden seit Jahren verschleppt.

Video: Fahrverbot für Diesel-Autos: Das ist der Grund dafür

Damit die Abwendung eines Diesel-Fahrverbots in Bochum auch weiterhin aufrechterhalten bleibt, hat die Stadt Bochum weitere Maßnahmen im Blick:

  • Mehr Busse mit besserer Abgasnorm sollen im Nahverkehr zum Einsatz kommen.
  • Die Stadt will, wenn möglich, nur noch E-Fahrzeuge kaufen.
  • Im Nahverkehr wurde bereits das Netz verdichtet, Stichwort "Netz 2020" - was bei Bürgern zunächst aber für Kritik sorgte, weil manche Linien dafür Abstriche hinnehmen mussten. Die Stadt justierte in der Folge nach.
  • Für einen Modellstadtteil von Bochum soll ein Nahmobilitätskonzept aufgestellt werden.
  • Bis 2022 sollen in Bochum 37 Kilometer an neuen Fahrradwegen entstehen.
  • Die Bewirtschaftung der Parkplätze in der Innenstadt soll räumlich und zeitlich ausgeweitet werden. Heißt: Mehr Fläche in der City wird für Autofahrer zahlungspflichtig.

Gute Nachrichten für Diesel-Fahrer gibt es unterdessen auch in Gelsenkirchen. Auch dort konnte ein Fahrverbot abgewendet werden. Zu den vorgesehenen künftigen Maßnahmen zur Luftverbesserung gehört in der Heimat des FC Schalke 04 eine interaktive Verkehrssteuerung in Echtzeit, die auf Umweltbelastungen reagiert und den Verkehr entsprechend steuert.

Auch Dortmund kann Diesel-Fahrverbot abwenden

Bereits Ende Januar dieses Jahres hatte Dortmund einen ähnlichen Erfolg in Sachen Diesel-Fahrverbot vermeldet. Ähnlich wie in Bochum auf der Herner Straße soll auch in der BVB-Stadt künftig eine wichtige Hauptverkehrsstraße in eine Tempo-30-Zone umgewidmet werden - die Ruhrallee. Außerdem gibt es in Dortmund künftig ein generelles Fahrverbot auf der B1 für Lkw, die schwerer als 7,5 Tonnen sind.

*RUHR24.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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