Covid-19

„Absoluter Ausnahmezustand“: Einblicke in eine Intensivstation während der Corona-Pandemie

  • Sven Haverkamp
    vonSven Haverkamp
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Es gibt immer noch viele Menschen, die die Corona-Pandemie herunterspielen oder gar leugnen. Dagegen arbeitet nun das Klinikum Bielefeld in NRW – durch Interviews mit betroffenem Klinikpersonal.

Bielefeld – „Kennst du jemanden der das hat?“ oder „Ist doch nicht schlimmer als ne Grippe!“ So oder so ähnlich versuchen dieser Tage viele Menschen, den Ernst der Corona-Lage in Deutschland herunterzuspielen oder, was noch schlimmer ist, Covid-19 als kompletten Mumpitz darzustellen.

Auch, wenn viele Argumente bei Corona-Leugnern auf taube Ohren stoßen, so erhofft man sich am Klinikum Bielefeld durch eine aktuelle Video-Reihe auf YouTube zumindest ein wenig Sensibilisierung für die extremen Leistungen, die die Mitarbeiter in den verschiedenen Stationen Tag für Tag bringen. In Bielefeld überschritt der Inzidenzwert die kritische 200er-Marke* und der Oberbürgermeister denkt über eine Verschärfung der Corona-Maßnahmen nach, wie owl24.de* am Dienstag (8. Dezember) berichtet.

StadtBielefeld
Einwohner334.195
BundeslandNRW

Corona-Pandemie: Klinikum Bielefeld lässt Krankenhaus-Mitarbeiter zu Wort kommen

Die kurzen, zwischen drei und fünf Minuten langen Videos mit dem Obertitel „Die Auswirkungen der Pandemie auf die Arbeit im Krankenhaus“ wurden am Donnerstag (3. Dezember) auf dem YouTube-Kanal des Klinikums Bielefeld hochgeladen. Bislang gibt es drei Teile:

  • Teil 1: Die Covid-Station mit Denise (30)
  • Teil 2: Die Intensiv-Station mit Jonas (25)
  • Teil 3: Die zentrale Notaufnahme mit Anja (54)

Im ersten Teil spricht Denise von der Covid-Station im Klinikum Bielefeld darüber, wie die Pandemie den Alltag der Mitarbeiter auf ihrer Station komplett umgekrempelt wurde. Ursprünglich handelt es sich dabei nämlich um die Lungen-Station. Doch mittlerweile wurde die Behandlung komplett auf Covid-Patienten umgestellt, obwohl es kaum Erfahrung mit Pandemien gab.

Wir als Team geben alles, kommen aber an unsere persönlichen Grenzen.

Denise, Covid-Station im Klinikum Bielefeld
Ein Bild, das um die Welt ging: Der Arzt Joseph Varon hält auf einer Corona-Intensivstation in Texas (USA) einen älteren Patienten tröstend im Arm.

Der Alltag im Klinikum Bielefeld: Behandlung von Corona-Patienten besonders zeitintensiv

Die besondere Schwierigkeit bei der Behandlung der Corona-Patienten im Klinikum Bielefeld liegt natürlich einerseits in der Ansteckungsgefahr. Bei der Arbeit auf der Covid-Station oder auf der Intensiv-Station geht enorm viel Zeit für die unverzichtbaren Hygienemaßnahmen drauf. So müssen die Mitarbeiter vor und nach jedem Kontakt mit den Patienten die Schutzmontur wechseln. Dies muss von vornherein mit in den ohnehin engen Zeitplan eingerechnet werden. Zu der Schutzkleidung gehören:

  • FFP2-Maske
  • Kopfschutzhaube
  • Schutzbrille
  • Handschuhe
  • Kittel
  • Andere Schuhe

Zusätzlich benötigen die Covid-Patienten eine viel engmaschigere Kontrolle als andere Patienten, was die Behandlung zusätzlich erschwert. Der medizinische Aufwand ist laut Denise aus dem Klinikum Bielefeld „viel viel höher“. Die engen Kontrollen dienen dazu, eine Verschlechterung des Zustandes der Patienten möglichst schnell zu erkennen und dementsprechend handeln zu können.

Klinikum Bielefeld: Corona sorgt für Ausnahmezustand auf Intensivstation

Auch auf der Intensivstation des Klinikums Bielefeld herrscht laut Jonas „absoluter Ausnahmezustand“, denn hier werden im Gegensatz zur Covid-Station nicht nur Corona-Patienten, sondern auch andere Notfälle behandelt. Dementsprechend wird es für die Mitarbeiter zur Mammutaufgabe, zu verhindern, dass das Coronavirus auf die ohnehin schwer kranken anderen Patienten übergreift.

Erschwerend kommt hinzu, dass nicht jedes Bett auf der Intensivstation auch ein sogenanntes „Isolationsbett“ ist, also nicht für einen Corona-Patienten genutzt werden kann. Das Coronavirus hat den Alltag in Krankenhäusern, wie dem in Bielefeld* also grundlegend auf den Kopf gestellt – und die Kapazitätsgrenzen sind bald erreicht. Um dies zu vermeiden, haben Bund und Länder die Corona-Regeln* für die Wintermonate noch einmal verschärft.

Ein weiterer Anstieg der Corona-Zahlen in Bielefeld* und ganz Deutschland muss unbedingt verhindert werden. Deshalb mahnt Jonas: „Wenn sich dieses Virus noch weiter verbreitet, und das tut es, wenn sich einige Leute eben nicht an die vorgegebenen Maßnahmen halten, dann haben wir das Problem, dass wir ganz schnell an unsere Grenzen kommen. Wir sind jetzt schon in diesem Ausnahmezustand [...]“ (*Owl24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes.)

Rubriklistenbild: © Oliver Berg/dpa

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