Handball

Zwei Vereine sind wütend und sauer

Auch für die Raderin Maike Winkel ist der Traum vom Aufstieg ausgeträumt. Foto: Michael Sieber
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Auch für die Raderin Maike Winkel ist der Traum vom Aufstieg ausgeträumt.
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Der Abbruch der Handballsaison auf HVN-Ebene und seine Folgen.

Von Peter Kuhlendahl

Im Herbst vergangenen Jahres galt Remscheid aufgrund seines Inzidenzwertes plötzlich als einer von zwei Corona-Hotspots in NRW. Am vergangenen Wochenende zählte Remscheid zu den wenigen Städten in ganz Deutschland, deren Inzidenzwert unter der scheinbar magischen Grenze von 50 liegt. Warum dies so war und warum dies so ist, vermag keiner zu beantworten. Es zeigt aber weiter, wie unkalkulierbar die Situation in den Zeiten der Pandemie ist.

Dies dürfte auch der Hauptgrund sein, warum die Funktionäre des Handball-Verbandes Niederrhein (HVN) einen vorzeitigen Schlussstrich unter die Saison gezogen haben (wie berichtet). Dazu kommt auch der Beschluss, dass es keine sportlichen Entscheidungen gibt. Dies alles sorgt bei einigen Vereinen aber für völliges Unverständnis. Genug Gründe also, um nachzuhaken.

Warum ist die Entscheidung bereits jetzt gefallen?

Die Funktionäre des Handball-Verbandes Niederrhein haben sich ein ganz kleines Hintertürchen offengelassen. Falls es in dieser Woche bei der Runde der Kanzlerin mit den Ministerpräsidenten Lockerungen im öffentlichen Leben geben sollte, würde die Situation neu bewertet. Da damit aber keiner rechnet, ist der Abbruch wohl Fakt. Die Vereine sollten möglichst schnell Klarheit haben.

Es wird keine sportlichen Entscheidungen geben. Warum?

Anders als in der vergangenen Saison, in welcher der Tabellenstand plus eine Koeffizienten-Regelung für den Aufstieg herangezogen wurden, passiert nun nichts. Auch keine Aufstiegsrunde. Gegen den Tabellenstand spricht, dass zu wenige Spiele absolviert wurden. Außerdem steht in der Spielordnung, dass mindestens die Hinrunde absolviert werden muss.

Dem Verzicht auf eine Aufstiegsrunde – bei den Funktionären in Westfalen allerdings in der Planung – scheint eine rechtliche Unsicherheit zu Grunde zu liegen. Man will vermeiden, dass es – aus welchen Gründen auch immer – zu Klagen kommt. Außerdem will man Wettbewerbsverzerrungen vermeiden. Zweite Mannschaften, die an Aufstiegsrunden teilnehmen, könnten sich aus dem Kader ihrer höherklassigen Ersten bedienen, für die es um nichts mehr geht.

Grundsätzlich wird auch noch einmal herausgestellt, dass es auch nie ein Thema war, über Absteiger zu reden. Für einen Abbruch sollte keiner bestraft werden.

Sind die Vereine in die Entscheidungen des Verbandes mit einbezogen worden?

Nein. Die endgültigen Entscheidungen sind in zwei Telefonkonferenzen zwischen HVN-Präsidium und der Technischen Kommission getroffen worden. Beim Bergischen Handballkreis hat es zum Beispiel einen Austausch von Funktionären und Vertretern von Vereinen gegeben. Wie auch zwischen allen Drittligisten und dem Deutschen Handballbund in zwei Videokonferenzen vor einigen Wochen. Alle Clubs auf HVN-Ebene sind am Samstagnachmittag über die Entscheidung informiert worden.

Welche Vereine aus dem Verbreitungsgebiet trifft die Entscheidung, dass es keine Aufstiegsrunden gibt?

Betroffen sind die 2. Mannschaft der Bergischen Panther in der Verbandsliga sowie die Männer und Frauen der HSG Radevormwald/Herbeck in der Landes- beziehungsweise Verbandsliga. Die Panther II sind in der vergangenen Saison knapp am Koeffizienten gescheitert und hatten sich in dieser Spielzeit – bisher fünf Siege in fünf Partien – einiges ausgerechnet. Wie auch die Rader, die mit beiden Teams aktuell an der Tabellenspitze stehen.

Wie beurteilen die betroffenen Clubs die Entscheidung?

Die sind, um es gelinde auszudrücken, entsetzt. „Ich war stinksauer. Zum einen kommt ein genereller Abbruch in meinen Augen viel zu früh. Wir hätten weiter noch genug Zeit, die Hinrunde zu beenden“, sagt der HSG-Vorsitzende Jörg Henseler. Außerdem ärgert ihn maßlos, dass es keine Aufstiegsrunden gibt: „Auch da gibt und gab es genügend Zeit, die Unklarheiten aus dem Weg zu räumen. „Mir ist echt der Kragen geplatzt“, schimpft Panther-Manager Frank Lorenzet, „da bleibt echt die Menschlichkeit auf der Strecke. Wir haben alle so viel Arbeit investiert. Und bekommen jetzt nicht den Hauch einer Chance, dies auch sportlich umzusetzen.“

Gibt es seitens des Verbandes bereits erste Planungen für die Saison 2021/22?

Da gibt es schon erste Modelle. Diese sind darauf ausgerichtet, dass man immer im Hinterkopf behalten muss, dass die Pandemie auch im Laufe dieses Jahres wahrscheinlich nicht verschwunden sein wird. So will man möglichst früh im Sommer in die Saison starten. Dabei könnte es in vielen Städten aber Probleme mit den Hallen geben, die „traditionell“ während der Schulferien geschlossen sind. Nachgedacht wird auch darüber, die einzelnen Ligen zu verkleinern, sprich zu teilen. Ähnlich wie es in der hiesigen Bezirksliga ja bereits in dieser Saison geschehen ist.

Rubrik

Immer dienstags greifen wir spezielle Themen auf und haken sehr konkret nach. Gibt es Fragen, welche unbeantwortet sind? Oder Dinge, die entsprechend eingeordnet werden müssen? Dem nehmen wir uns in dieser Rubrik gerne an. Diesmal geht es um den vorzeitigen Abbruch der Handballsaison auf Niederrheinebene.

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