Fußball

Zidane-Abschied fast wie in Hollywood

Die Foto-Collage, die Aleksandar Stanojevic von seinem Team bekommen hat, hängt nun in seinem Büro. Foto: DF
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Die Foto-Collage, die Aleksandar Stanojevic von seinem Team bekommen hat, hängt nun in seinem Büro.
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Interview der Woche mit Fußballer Aleksandar Stanojevic, der in seinem Leben einen klaren Plan verfolgt.

Von Fabian Herzog

Die in diesen Tagen wichtigste Frage vorab: Wie geht es Ihnen?

Aleksandar Stanojevic: Bei mir ist alles in Ordnung. Ich hatte mich im Herbst ja schon mit Corona infiziert und war drei Wochen außer Gefecht. Allerdings zum Glück mit einem milden Verlauf. Seitdem geht´s mir eigentlich richtig gut.

Schön zu hören. Weniger erfreulich war vor ein paar Monaten die für viele überraschende Nachricht, dass Sie sich in der Winterpause aus der Fußballszene aus beruflichen Gründen zurückziehen. Was waren die Gründe dafür? Wie kam es dazu?

Stanojevic: Schon im Sommer hatte ich das Gespräch mit Pich (Trainer Sebastian Pichura, Anmerkung der Redaktion) gesucht und ihm erklärt, dass sich an meiner beruflichen Situation einiges ändern wird und ich es in der Rückrunde aus zeitlichen Gründen nicht mehr schaffen werde, den Fußball und meinen Job unter einen Hut zu bekommen. Wir wollten das nicht an die große Glocke hängen, weil das gegenüber der Mannschaft nicht fair gewesen wäre.

Was genau hat sich denn verändert?

Stanojevic: Ich habe mich selbstständig gemacht und bin angehender Unternehmer in der Finanzbranche. Ich hatte immer schon klare Werte und Wünsche für mein Leben und wusste, dass ein Angestelltenverhältnis für mich nicht erstrebenswert ist. Mir waren Freiheit und Flexibilität immer wichtig. Ich wollte nie erst nach 17 Uhr oder am Wochenende frei haben.

Waren Sie denn immer schon in der Finanzbranche tätig?

Stanojevic: Nein, ich habe früher als Groß- und Außenhandelskaufmann bei der Firma Wasi gearbeitet und irgendwann gemerkt, dass ich dort keinen großen Sprung gemacht hätte. Und ich habe eben einen Leitspruch, der mich inspiriert hat: Mut wird immer belohnt. Deswegen dachte ich mir, dass jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen ist, mich selbstständig zu machen. Und weil das zeitlich immer intensiver wurde und ich ein hohes Maß an Verantwortung gegenüber meinen Geschäftspartnern habe, musste ich eben irgendwo Abstriche machen und Prioritäten setzen.

Kommen wir zum Sportlichen. Wie waren für Sie die letzten Monate beim SV 09/35 Wermelskirchen?

Stanojevic: Ich muss sagen, dass ich diese sechs Monate auf dem Platz noch einmal mega genossen habe. Im Training und im Spiel habe ich jede Minute ausgekostet. Was mit Sicherheit auch einer der Gründe war, warum ich so erfolgreich war. Ich hatte ja echt einen Lauf. Und man soll ja aufhören, wenn es am schönsten ist (lacht).

Leicht dürfte Ihnen diese Entscheidung aber nicht gefallen sein.

Stanojevic: Ich muss zugeben, dass ich schon ein paar schlaflose Nächte hatte. Schließlich spiele ich seit meinem fünften Lebensjahr Fußball. Das Ausmaß meiner Entscheidung wurde mir bewusst, als ich mein letztes Spiel hatte und meine Mama, die immer dabei war, geweint hat. Das tat schon richtig weh.

Der sportliche Abschied verlief ja fast wie nach einem Hollywood-Drehbuch. Erst ein extrem ereignisreiches letztes Ligaspiel, dann zum Abschluss das Pokalspiel gegen den FC Remscheid.

Stanojevic: Das stimmt. Das konnte irgendwie alles kein Zufall sein. Noch einmal gegen den FCR zu spielen, zu dem ich auch eine enge Bindung habe, war etwas Besonderes. Ja und das letzte Meisterschaftsspiel werde ich so schnell auch nicht vergessen. Zuerst schieße ich gegen Mülheim das Siegtor und fliege dann, nachdem ich zuvor in meiner Karriere vielleicht sechs Gelbe Karten gesehen hatte, zum ersten Mal mit Rot vom Platz. Weil ich beim Jubeln jemanden umgehauen haben soll. Das hätte ja dann fast was von einem Zidane-Abschied gehabt, war aber tatsächlich überhaupt keine Absicht.

Nach den ersten zwei Monaten: Wie sehr fehlt Ihnen der Fußball?

Stanojevic: Ich verfolge weiterhin alle Partien von Wermelskirchen durch die Berichterstattung des RGA und möchte in der Rückrunde auch bei Spielen zuschauen. Ich bin ja sogar noch angemeldet, was dazu führen könnte, dass ich mich, wenn Not am Mann ist, noch einmal auf die Bank setze. Aber diesbezüglich gibt es keine Absprache. Was es gab, waren unfassbar viele Angebote von Kreis- und Bezirksligisten. Aber gerade an den Sonntagen möchte ich frei haben und mit meiner Lebensgefährtin oder Familie Zeit verbringen.

Und wie sehr vermissen Sie Ihr Team? Vor Kurzem haben Sie eine Collage mit Erinnerungsfotos in Ihrem Büro in der Hindenburgstraße aufgehängt.

Stanojevic: Das haben mir die Jungs und der Verein geschenkt. Auch ein Trikot habe ich bekommen. Das hat mich schon sehr berührt. Ich fühle mich auch weiter als Teil der Mannschaft, habe noch viel Kontakt zu den Jungs und sie in meinem Herzen. Deswegen ist auch klar, dass ich, wenn ich meine beruflichen Meilensteine in ein paar Jahren erreicht habe, zurückkehren werde.

Sie werden aber sicherlich weiterhin Sport treiben.

Stanojevic: Ich gehe gerne ins Fitnessstudio. Da kann ich mir die Zeit selber frei einteilen und auch einfach mal vormittags trainieren. Ich spiele auch mal Tennis oder Badminton. Zuletzt habe ich sogar Paddeltennis ausprobiert. Das ist mega interessant. Nur Laufen gehen, das mag ich nicht.

Läuft denn die Musikkarriere auch weiter? Sie hatten vergangenes Jahr an der Seite eines Freundes mit dem Balkan-Pop-Duo „Amaretto“ überrascht.

Stanojevic (lacht): Das mache ich tatsächlich immer noch. Da kommt bald auch etwas Neues raus. Mit einer netten Dame, die mit uns einen Song singt. Der wird Ende Februar, Anfang März erscheinen.

Zur Person

Seine fußballerischen Qualitäten werden dem SV 09/35 in der Rückrunde fehlen. Dennoch glaubt Stanojevic: „Die Mannschaft wird mindestens im Tabellenmittelfeld landen.“

Mit serbisch-bosnischen Wurzeln am 11. Oktober 1995 in Remscheid geboren, beginnt Aleksandar Stanojevics Fußballkarriere im Alter von fünf Jahren beim Hastener TV. Es folgen in der Jugend Stationen beim Wuppertaler SV, SR Solingen-Höhscheid, VfB Hilden und TSV Ronsdorf, wo er auch in den Seniorenbereich kommt. Von dort kommt der Angreifer 2016 zum FCR. Nach drei Saisons im Röntgen-Stadion und einer beim Oberligisten TVD Velbert wechselt der Linksfuß 2020 zum SV 09/35 Wermelskirchen.

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