Fußball

Yannik Wylezol erinnert an Gerd Müller

Torschütze Yannik Wylezol war nach seinem Treffer kurz vor dem Abheben und wurde von Mitspieler Mark Mittmann wieder eingefangen.
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Torschütze Yannik Wylezol war nach seinem Treffer kurz vor dem Abheben und wurde von Mitspieler Mark Mittmann wieder eingefangen.
  • Peter Kuhlendahl
    VonPeter Kuhlendahl
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  • Andreas Dach
    Andreas Dach
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Der SV 09/35 Wermelskirchen verteidigt seinen Titel mit einem 1:0 nach Verlängerung gegen den FCR

Eigentlich hatten sich alle irgendwie schon auf ein Elfmeterschießen eingestellt. Nach annähernd 120 torlosen Minuten im Fußball-Kreispokalfinale zwischen dem FC Remscheid und dem SV 09/35 Wermelskirchen. Einer hatte offenbar so gar keine Lust darauf. Der Mann, um den es geht, heißt Yannik Wylezol. Der defensive Mittelfeldspieler des SV 09/35 krönte seine herausragende Leistung mit einem technisch perfekten Schuss in den Winkel (116.) und sorgte damit dafür, dass die Mannschaft von Sebastian Pichura ihren Titel verteidigen konnte. Und das geht völlig in Ordnung.

Elfmeter oder nicht? SV-09-35-Keeper Sebastian Weber trifft auf FCR-Stürmer Ahmed Al Khalil.

Wir wissen nicht, was Gerd Müller zu diesem Treffer gesagt hätte. Wahrscheinlich hätte der Bomber der Nation, wie der frühere Nationalspieler genannt wurde, begeistert in die Hände geklatscht. Dass der untadelige Stürmer, der so vielen Fans in Deutschland über viele Jahre so große Freude bereitet hat, am Morgen des Pokalfinals im Alter von 75 Jahren gestorben ist, legte anfangs einen kleinen Schatten auf das Endspiel, das mit einem Gedenkapplaus begann. Nach dem Anpfiff war dann schnell Schluss mit allen Sentimentalitäten. Es ging um den Cup. Ums Prestige. Um den Einzug in den Niederrheinpokal. Und um ein gutes Gefühl vor dem Saisonstart in der kommenden Woche.

„Wir haben gezeigt, dass wir die Nummer eins sind!“

Siegtorschütze Yannik Wylezol

Das spürte man in jeder Sekunde. Verbissenheit war Trumpf. Zweikämpfe, verbissene Duelle, und Hektik blieben stete Begleiter – man hatte es nicht anders erwartet, wenn die beiden besten Teams des Kreises Remscheid aufeinandertreffen. Es war ein wahnsinnig intensives Match, voller Leidenschaft. Was von Beginn an auffiel: Der SV 09/35 war einen Tick weit besser, spielte sich auf die komplette Distanz gesehen deutlich mehr Chancen heraus. Zur Pause hätte Pichuras Team führen können. Ach, was, führen müssen.

Zwar kam der FCR mit einer anderen Körpersprache aus der Kabine, schien das Heft des Handelns in die Hand nehmen zu wollen. Doch der Eindruck währte nicht allzu lange. Es wurde ein Abnutzungskampf. Ein Match, in welchem ein einziger Fehler zur Entscheidung führen konnte. Dass sie so lange auf sich warten ließ, hat sich Wermelskirchen selbst zuzuschreiben. Ferat Sari nach 80 Minuten, Alex Kelm kurz vor Ablauf der regulären Spielzeit – sie hätten alles klar machen können. Auf Seiten des FCR stand die Chance von Ahmet Al Khalil (65.). So ging es in die Verlängerung, in welcher eben jener Mentalitätsfußballer namens Yannik Wylezol die Entscheidung herbeiführte. „Ich dachte, ich probiere es einfach mal“, sagte der Mann mit der Nummer 6 auf dem Rücken. Das Ding schlug unhaltbar für den guten Keeper Maurice Horn im Winkel ein. Der Rest: Jubel! Und ein überglücklicher Siegtorschütze: „Wir haben gezeigt, dass wir die Nummer eins sind.“

Nun, beim FCR wird man den Nackenschlag einzusortieren wissen und in Ruhe aufarbeiten. Ohne diese letztlich verdiente Niederlage zu dramatisieren. Viel mehr kommt es drauf an, die Verletzten schnell wieder fit zu bekommen. Auf der anderen Seite begannen die Feierlichkeiten des SV 09/35 mit einem Kreis, der noch auf dem Spielfeld gebildet wurde. Aleksandar Stanojevic, ein Ex-FCR-Spieler, kniete in der Mitte und sagte: „Das war purer Fight. Wir waren ultrageil drauf.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Statistik

FCR: Horn, Kacmaz, Babic, Oberlies, Buscemi (70. Ichimura, 80. Noguchi), Saibert (106. Angelov), Shavershyan, L. Kupfer (46. Yamaura), Al Khalil, Posavec, Blume (70. Lüttenberg).

SV 09/35: Weber, Kücüktireli, N. Postic, M. Postic, Kelm (106. Aikawa), Wylezol, L. Postic, Lilliu (46. Mittmann), Stanojevic (75. Mehmeti), Sari (117. Eryürük), Demir.

Tor: 0:1 Wylezol (116.)

Gelb-Rot: Demir ( 119.)

Zuschauer: 600 im Röntgen-Stadion.

Schiedsrichter: Pascal Püllen, assistiert von Marcel Schuh und Patrick Busch.

Einwurf: Toller Abschluss

peter.kuhlendahl@rga.de

Kommentar von Peter Kuhlendahl

Spielerisch war es sicher kein Leckerbissen. Aber das Pokalfinale zwischen dem FC Remscheid und dem SV 09/35 Wermelskirchen lebte durch die Spannung. Und durch die Emotionen. Auf dem Platz und auch auf den Rängen. Die waren zwar nicht ganz so gut gefüllt, wie im Vorfeld erhofft. Doch zwischen 600 und 800 Fans hatten den Weg ins Röntgen-Stadion gefunden. Dies alles bot einen würdigen Abschluss einer in diesem Sommer ganz besonderen Pokalrunde. Coronabedingt war sie ein Überhang aus der letzten Saison. Musste durchgepeitscht werden, da bis zum 20. August der Kreis Remscheid seinen Teilnehmer an der ersten Runde des Niederrheinpokals nennen musste. Doch das, was am Anfang für Skepsis sorgte, entpuppte sich als eine sehr gute Entscheidung. Zwischen den einzelnen Runden lagen keine Monate, sondern nur Tage. Der Pokal blieb so immer ein Thema. Wiederholung gerne erwünscht.

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