Para-Youth-Games

Sie wird selbstbewusster und besser

Eine fröhliche junge Dame: Anna Krzyzaniak von der SG Bergisch Land/SG Remscheid ist für die Youth Games in Finnland nominiert.
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Eine fröhliche junge Dame: Anna Krzyzaniak von der SG Bergisch Land/SG Remscheid ist für die Youth Games in Finnland nominiert.
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Schwimmerin macht den nächsten großen Schritt in ihrer Laufbahn. Im Juni geht es nach Finnland.

Von Andreas Dach

Sie schaute einmal auf den Inhalt der Mail. Ein zweites Mal. Und auch noch ein drittes Mal. „Ich konnte gar

GUT ZU WISSEN

ANNA KRZYZANIAK Die Behindertensportlerin gehört zu den besten deutschen Schwimmerinnen ihrer Altersklasse. Sie wurde am 9. März 2004 in Solingen geboren und lebt mit ihren Eltern in Remscheid.

Ihre sportliche Heimat ist die SG Remscheid, wo Dirk und Bettina Krzyzaniak seit Jahren Funktionärsarbeit leisten, und die zur SG Bergisch Land gehört.

nicht glauben, was ich da gelesen habe“, sagt Anna Krzyzaniak. Vor knapp vier Wochen flatterte ihr die Einladung zu den Para-Youth-Games, den Europäischen Jugendspielen der Behinderten, ins elektronische Postfach. Die war von den Bundestrainerinnen Ute Schinkitz und Susanne Jedamsky auf den Weg gebracht worden. Inzwischen weiß die 15-jährige Schülerin des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums, die die 9. Klasse besucht und später einmal Chemie studieren möchte: Es ist Realität. Bestätigende Telefonate sind gefolgt und mehr Informationen zu dem sportlichen Großereignis im finnischen Pajulahti, etwa eine Stunde von Helsinki entfernt. Es wird am 29. und 30. Juni stattfinden.

Die großartige sportliche Entwicklung Anna Krzyzaniaks ist den Verantwortlichen des Verbandes nicht verborgen geblieben. „Sie sehen die Fortschritte“, freut sich Dirk Jünger, Geschäftsführer der SG Remscheid, über die positive Nachricht. Er findet: „Es trifft genau die Richtige. Anna ist bislang immer ein wenig unter dem Radar geschwommen, weil sie etwas schüchtern rüberkam. Inzwischen ist eine selbstbewusste junge Dame aus ihr geworden.“

Die Handprothese landet gleich in der Ecke

So ist es. Ihre Behinderung – Anna Krzyzaniak ist ohne rechte Hand zur Welt gekommen – gehört für sie zum Leben. „Ich kenne das gar nicht anders“, sagt sie. Als ihr im Kindergartenalter mal in Heidelberg eine Spezial-Prothese angepasst worden war, hat sie diese nur wenige Tage getragen und dann in die Ecke geschleudert. Motto: „Nein, dieses Ding will ich nicht.“

Im Wasser ist sie in ihrem Element: Anna Krzyzaniak trainiert beeindruckende siebenmal pro Woche. Foto: Holger Battefeld

Sie hat die Behinderung akzeptiert und sich mit ihr arrangiert. Aus sportlicher Sicht so gut, dass ihr bei entsprechenden Leistungen bei der Deutschen Meisterschaft in Berlin (6. bis 9. Juni) und dann bei den Youth-Games in Finnland der Sprung in den C-Kader gelingen könnte. Das wäre ein Riesenschritt für Anna Krzyzaniak, die für fünf Disziplinen nominiert worden ist: 400 m Freistil, 100 m Rücken, 100 m Freistil, 100 m Schmetterling und 200 m Lagen. Gemeinsam mit 14 weiteren Schwimmerinnen und Schwimmern der Jahrgänge 2001 bis 2007 wird sie am 24. Juni die Reise in den hohen Norden antreten.

Schon früh waren sich ihre Eltern Dirk und Bettina sicher gewesen: „Das Kind muss schwimmen lernen.“ Mit vier Jahren wurde sie bei WaSpo mit dem feuchten Element konfrontiert und fühlte sich gleich wohl. Auch deshalb, weil der damalige Trainer Jörg Schiemann sein Fachwissen gut rüberbrachte. Mit sechs Jahren nahm die Kleine an ersten kleineren Wettkämpfen teil, mit acht wurden die Auseinandersetzungen im Wasser anspruchsvoller.

Unter anderem trainiert sie bei Sarah Poewe

Mittlerweile trainiert Anna Krzyzaniak siebenmal (!) pro Woche. Einmal beim Frühtraining mit Ivan Abreu, dem Cheftrainer der SG Bergisch Land. Ansonsten im paralympischen Stützpunkt in Cronenberg. Viermal bei der früheren Weltklasseschwimmerin Sarah Poewe, zweimal bei Marion Laub und Felix Haffke. Jeweils zwei Stunden im Wasser und eine Stunde an Land. Gerade ein gezieltes Krafttraining ist bei der Schülerin enorm wichtig, um die im täglichen Leben unterschiedlich beanspruchten Körperhälften gleich stark zu halten.

Auf alle Fälle ein Wahnsinnsprogramm, welches sie bienenfleißig bewältigt. Zumal Anna Krzyzaniak schulische Leistungen und Top-Leistungen im Wasser perfekt miteinander zu verquicken weiß. „Ich sehe Anna als eine Art Vorbild in unserem Verein“, sagt Dirk Jünger voller Überzeugung. Gewiss nicht nur er. Möglich, dass bald noch mehr E-Mails kommen . . .

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