Interview der Woche

„Wir standen alle unter Schock“

Ab dem 3. September schlagen Dirk Katthagen und der RTV endlich wieder in der Landesliga auf.
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Ab dem 3. September schlagen Dirk Katthagen und der RTV endlich wieder in der Landesliga auf.
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Interview der Woche mit Dirk Katthagen von Tischtennis-Landesligist Remscheider TV.

Von Fabian Herzog

Am 3. September ist es so weit. Dann endet für die Tischtennis-Szene die wohl längste (Sommer-)Pause aller Zeiten, nachdem der Westdeutschen Tischtennis-Verband die vergangene Spielzeit Mitte Februar völlig überraschend coronabedingt abgebrochen hatte. Wie fühlt es sich an, wieder spielen zu dürfen? Wie groß ist die Vorfreude bei Ihnen und Landesligist Remscheider TV?

Dirk Katthagen: Die ist natürlich riesig. Wir können es kaum erwarten, endlich wieder in den Ligamodus zurückzukehren. Denn das ist ja schon etwas anderes, als ständig nur zu trainieren.

Was haben Sie und Ihre Teamkollegen in der ganzen Zeit eigentlich gemacht?

Katthagen (lacht): Wir haben ganz normal weiter trainiert. Manche sind auch ins Fitnessstudio gegangen. Ich bin verstärkt meiner anderen Leidenschaft, dem Laufsport, nachgegangen, habe an ein paar Veranstaltungen teilgenommen und bereite mich auf den Röntgenlauf vor, wo ich in diesem Jahr den Ultra meistern möchte.

Zum ersten Mal diese Distanz von 63,3 Kilometern?

Katthagen: Nein, die bin ich schon fünf Mal gelaufen.

Wie sieht die Vorbereitung darauf aus?

Katthagen: Ich gehe fünfmal pro Woche laufen und mache dann am Wochenende immer einen langen Lauf. So um die 30 Kilometer. Aber meistens in der Gruppe. Das ist effektiver und macht mehr Spaß.

Dirk Katthagen gehört beim Röntgenlauf Ende Oktober schon zum Inventar.

Apropos Spaß: Mit welchen Gefühlen haben Sie den Entschluss seinerzeit aufgenommen, als der Verband mit der Begründung, es habe zahlreiche Rückmeldungen aus den Clubs gegeben, die Saison doch bitte zu beenden, tatsächlich einen Schlussstrich zog?

Katthagen: Wir standen alle unter Schock und fanden das grausam. Alle hatten sich impfen lassen, waren bereit für 2G+. Aber während in allen anderen Sportarten unter der Einhaltung bestimmter Regeln weitergespielt werden konnte, ging´s bei uns nicht weiter. Das hat keiner bei uns verstanden. Und das größte Problem ist ja, dass wir eh schon eine Randsportart sind und dadurch viele Aktive verloren haben, die sich beispielsweise dem Padel-Tennis angeschlossen haben. Die sind jetzt weg und kommen nie wieder. Das war eine ganz schlechte Entscheidung vom Verband. Ganz fürchterlich. Ich will gar nicht wissen, wie viele Mitglieder die Vereine verloren haben.

Hat es den RTV auch schwer getroffen?

Katthagen: Wir haben ja eh kaum Mitglieder, sind nur noch zehn Leute auf dem Meldeformular. Mehr haben wir nicht. Und es kommt auch nichts nach. Wir spielen ja schon seit 15 Jahren zusammen. Und die ganzen Jugendlichen wollen kein Tischtennis spielen, es gibt keinen Nachwuchs. Wir können das jetzt so noch ein, zwei Jahre machen, dann wird die Luft langsam dünn.

Ist gar keine Hoffnung in Sicht?

Katthagen: Immerhin ist ein Spieler gerade von Wuppertal nach Remscheid gezogen. Der trainiert schon bei uns mit, spielt aber noch in seinem alten Club. Den könnten wir vielleicht für nächste Saison bekommen. Das wäre natürlich optimal.

Der RTV geht also nur mit einer Mannschaft in die neue Saison. Das war aber auch schon mal anders, oder?

Katthagen: Zu den Hochzeiten, vor zehn Jahren, waren es mal sieben Teams.

Dann blicken wir doch mal auf die eine verbliebene Mannschaft. Wie sieht der Kader aus und welche Ziele werden anvisiert?

Katthagen: Spieler sind unverändert Bastian Rosbach, Jan-Raul Schmitt, Markus Löbbert, Adam Przybyla, Arnd Umminger, André Siebert, Michael Hofer, Christian Blasius und ich. So spielen wir ja schon seit Jahren und haben einen tollen Zusammenhalt. Das ist unsere große Stärke. Trotzdem kann das Ziel nur der Klassenerhalt sein, wobei wahrscheinlich sogar eher das Erreichen der Relegation realistisch ist. Weil fünf oder vielleicht sogar sechs von zwölf Mannschaften dran glauben müssen. Erschwerend hinzu kommt, dass die Gruppen im Verband verkleinert werden, um die Kreise zu stärken. Wir sind im Zuge dessen ins Sauerland-Gebiet gerutscht, was nicht so gut für uns ist.

Warum?

Katthagen: In den ganzen Dorfvereinen wird viel Geld gezahlt. Das kann man mit dem Fußball vergleichen, wenn ein Bezirksligist plötzlich fünf Oberligaspieler holt. Und im Tischtennis ist das fast noch extremer. Da kann man nicht überraschend gegen so einen Top-Spieler gewinnen. Für uns wird es also eine knackige Saison werden, wobei wir uns auch darauf freuen, mal gegen andere Mannschaften zu spielen. Das größte Ziel ist aber, dass wir hoffentlich einfach wieder durchspielen können und nicht im Oktober abgebrochen wird.

Zur Person

Dirk Katthagen wurde am 4. Mai 1972 in Düsseldorf geboren und kam schon ein Jahr später nach Remscheid. Heute lebt er mit seiner Ehefrau Adriana und Tochter Emilia (17) in Lennep. Mit dem Tischtennis hat der zudem leidenschaftliche Läufer im Alter von 16 Jahren bei der SG Kolping Remscheid angefangen, ist zwischendurch mal zu Post Wuppertal in die Verbandsliga gewechselt und hat auf diesem Niveau auch schon beim Remscheider TV gespielt, für den er mittlerweile seit zehn Jahren aufschlägt. Beruflich ist er bei der Barmag mit einer Ausbildung zum CNC-Fräser gestartet und arbeitet mittlerweile als Programmierer bei der Firma Klauke.

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