Lesung

Werner Hansch – ein gebrochener und ein starker Mann

„Für Lothar“. Auch der Wermelskirchener Lothar Ruhrmann ließ sich ein Buch („Einmal Hölle und zurück“) von Werner Hansch signieren.Foto: Andreas Dach
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„Für Lothar“. Auch der Wermelskirchener Lothar Ruhrmann ließ sich ein Buch („Einmal Hölle und zurück“) von Werner Hansch signieren.
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Kultmoderator berichtet im Löf mit eindringlichen Worten, wie er von seiner Spielsucht losgekommen ist.

Von Andreas Dach

Auf bequeme Weise schnell ein paar Euro verdienen, um damit einen Teil seiner Schulden zu begleichen? Abgezockt ein paar deftige Worte quasseln und die Leute als Stimme des Ruhrgebiets in den Bann ziehen? Nein, man hatte nicht eine Sekunde das Gefühl, dass Werner Hanschs Buchpräsentation im Löf am Montagabend dem rollenden Rubel galt. Es ging dem Kultmoderator, dessen Leben in fortgeschrittenem Alter durch seine Wettsucht in erhebliche Schieflage geraten ist, um mehr. Der 83-Jährige wollte warnen. Wollte aufrütteln und Wege aus dem Dilemma aufzeigen. Mit seiner ganz persönlichen Geschichte.

Das gelang ihm im Zusammenspiel mit dem Journalisten Hermann Beckfeld perfekt. Hansch war authentisch. Wirkte echt. Die Tränen, die sich während der knapp zweistündigen Veranstaltung immer mal in seinen Augen bildeten, hatten gewiss nichts mit einer heimlich in der Jackentasche versteckten Zwiebel zu tun. Sie waren den Gefühlen geschuldeten, welche einen gleichermaßen gebrochenen wie starken Mann vereinnahmten. „Sie haben meinen größten Respekt“, sagte Matthias Winkler, Trainer des Fußball-Kreisligisten SG Hackenberg, beim anschließenden Talk. „Es ist sehr mutig, solche Dinge zu erzählen.“ Winkler war trotz eines Achillessehnenrisses mit Spezialschuh und Krücken im Eventlokal in der Zuhörerschaft.

Das Leben in zwei parallelen Welten war die Hölle

Hansch zieht in den Bann. Auch heute noch. Das bestätigte Lothar Ruhrmann: „Es hat sich gelohnt, aus Wermelskirchen hierhin zu kommen.“ Es war mucksmäuschenstill, als der gebürtige Recklinghäuser, sich immer mal wieder räuspernd, aus dem Nähkästchen plauderte. Er ließ nichts aus. Sprach von einem Leben in zwei parallelen Welten, „das die Hölle war“. Von Selbstkontrolle und Scham, „die ich verloren habe“. Vom Suchen der Schuld bei anderen. Von der „Lüge als der Schwester der Sucht“.

Zehn Jahre hat er gezockt. Hat Haus und Hof und Liebe und Selbstachtung verspielt. Wurde von einem Sumpf der Sucht mitgerissen, ohne es wahrhaben zu wollen: „Entscheidend war das Brustgefühl. Was ich ausgezahlt bekam, war gar nicht mehr bedeutend, weil ich es in den nächsten beiden Rennen ohnehin wieder verspielt habe.“

Heute ist Hansch einsam. Sehr sogar. Da kommen solche Auftritte wie in Remscheid recht. Da kann er Werbung machen für Selbsthilfegruppen, die er selbst auch noch regelmäßig in Anspruch nimmt, um „clean“ zu bleiben. Vom dem, was er einnimmt, bleibt ihm sowieso nichts. Noch immer warten Gläubiger auf Geld, auch wenn der Großteil der Schulden mittlerweile zurückgezahlt ist. Sein Sieg bei Promi-Big-Brother hatte ihm 100 000 Euro eingebracht. Geblieben davon sind ihm 26,75 Euro.

„Es hat eine angenehme Atmosphäre im Löf geherrscht“, soll Hansch hinterher sagen. Bloß das Licht habe ihn ein wenig zu sehr geblendet: „Deshalb konnte ich den Leuten nicht in die Augen schauen, was mir sehr wichtig ist.“

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