Bodybuilding

Schönherr ist der Herr des Bodybuildings

Auch ein paar Tage nach seinem großen Auftritt in Trossingen hat André Schönherr seine gute Form gehalten, wie er im INJOY in Lennep eindrucksvoll zeigt. Foto: Andreas Dach
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Auch ein paar Tage nach seinem großen Auftritt in Trossingen hat André Schönherr seine gute Form gehalten, wie er im INJOY in Lennep eindrucksvoll zeigt.
  • Andreas Dach
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Wermelskirchener gewinnt den Titel des Deutschen Meisters – Monate des Verzichts zahlen sich aus.

Wermelskirchen. Manch einer rümpft beim Blick auf Kraftsportler despektierlich die Nase. Andere sind eher neugierig, möchten gerne mal den Bizeps anfassen. Wiederum andere sind regelrecht fasziniert von der Ästhetik in Verbindung mit den Muskelmassen. Wenige Sportarten lassen die Schere der Akzeptanz so weit auseinanderklaffen wie das Bodybuilding. Entweder man mag es, oder man mag es nicht. Dazwischen gibt es nichts.

Das weiß auch André Schönherr. Der 38-jährige Wermelskirchener gehört der Szene seit vielen Jahren an und hat gerade seinen größten Erfolg gefeiert. In Trossingen (Baden-Württemberg) ist der Justizvollzugsbeamte Deutscher Meister geworden. Und zwar in der offenen Gewichtsklasse der World Fitness Federation. Dem Verband also, der dem Deutschen Olympischen Sportbund angeschlossen ist. Ein Erfolg, für welchen der Athlet sich über viele Wochen und Monate in Verzicht geübt und fast sein komplettes Leben der Vorbereitung untergeordnet hat. Es hat sich gelohnt.

Wettkämpfe: Die Vorbereitungen folgen einem strengen Plan

Man spürt, dass Schönherr glücklich ist. Westdeutscher Meister war er schon, hat einen zweiten und einen dritten Rang bei der DM belegt. In den Jahren 2012 und 2013 war das. Jetzt hat er noch einmal angegriffen und sich belohnt. Dabei wusste der Beamte, der im INJOY in Lennep trainiert, nicht wirklich, wo er steht. „Normalerweise tritt man vorher bei regionalen Titelkämpfen an“, sagt er. „Wegen der Coronalage war das aber nicht möglich.“ Also ging es direkt zur DM für ihn. Mit seiner Lebensgefährtin und seiner zwölfjährigen Tochter, die ihn leidenschaftlich unterstützen sollten.

Ein Hotelessen am Büffet? Kein Denken dran! In einer kleinen Suite wurde selbst gekocht – genau nach Plan. In den letzten Stunden vor dem Auftritt sollte nichts mehr schiefgehen. Wie auch schon in der Zeit zuvor. Wenn bei Nachbarn Würstchen auf dem Grill lagen und mit einem Bierchen angestoßen wurde, war er außen vor. Eiweiß, Kohlenhydrate, acht Mahlzeiten am Tag, sieben Liter Flüssigkeit – alles wahr genau taxiert.

16 Kilogramm hat André Schönherr letztlich abgenommen. „Beim Wettkampf war mein Körperfettanteil quasi nicht mehr messbar“, schildert er. Sein Ziel: „Meine persönliche Bestleistung erreichen.“ Das gelang ihm in einem Sechserfeld, in welchem er als Erster auf die Bühne gerufen worden war. Dabei waren die Bedingungen im Moment der Wahrheit unglaublich gewesen. Der Backstagebereich entpuppte sich als stickig, es herrschten Temperaturen von schwül-warmen 35 Grad. Viel trinken durfte Schönherr auch nicht mehr, um die Muskulatur freizulegen.

André Schönherr setzt auf die Unterstützung seiner Familie

Dann ging es ans Eingemachte. Aufgepumpter Look, Adern raus, gute zehn Minuten im Vollstress. Schauten doch fünf Juroren ganz genau hin. „Viel besser hätte ich es nicht machen können“, ist sich der Bodybuilder aus Wermelskirchen sicher, auch wenn ganz am Ende ein wenig die Kraft gefehlt habe. Was aus dem Mund eines Mannes wie ihm beinahe unwirklich klingt.

Er erledigte seine Aufgabe gut. Fast perfekt. „Ich habe extrem geschwitzt“, sagt er. Schweiß lief in die Augen. Aber er durfte nicht durchwischen: „Das hätte die Pose verändert.“ Momente, die er niemals vergessen wird. Zumal es im Publikum laut war. 100 Zuschauer waren erlaubt, darunter seine Partnerin und sein Kind. Schönherr: „Sie haben geschrien und gebrüllt.“

Für André Uhde, Geschäftsführer des INJOY Remscheid, ein ganz wichtiger Aspekt: „Wenn die Familie nicht mitspielt, schafft man eine solche Leistung nicht.“ Er hatte dem Schwerathleten in den vergangenen sieben Monaten den Rücken freigehalten, ihm in dem wegen Corona geschlossenen Studio das Training ermöglicht, ohne das es nicht gegangen wäre. „Wenn ich sieben Monate nichts gemacht hätte, wäre ich vom Wettkampfsport weggewesen“, verdeutlicht Schönherr. Möglich wurde das, weil der Bodybuilder auch für das Studio tätig ist.

INJOY-Geschäftsführer André Uhde, Titelträger André Schönherr und Ex-Fußballer Michael Bagusch (v.l.).

Wie sein Trainingspartner Michael Bagusch. Der ehemalige Fußballer und Trainer hat sich auch dem Kraftsport verschrieben, war bei vielen Einheiten an der Seite des Gewinners des DM-Titels. „Wir haben uns gegenseitig gepusht“, sagt Schönherr. Und spricht Bagusch ein Riesenlob aus: „Den kriegst du nicht kaputt. Er ist ein Kampfschwein.“

Worte, welche den früheren Feuerwehrmann zart erröten ließen: „Es ist für mich ein Glücksfall, mit einem André Schönherr an meiner Seite trainieren zu dürfen.“

Eine gute Woche will und muss der neue Titelträger seinen Körper noch in Form halten und enorm diszipliniert leben und trainieren. Am 3. Juli nimmt er in Rheinbach an einer weiteren Deutschen Meisterschaft teil. Dann im Nationalen Bodybuilding-Verband, seinem Stammverband. Was er sich für dort vorgenommen hat? „Ich möchte meine persönliche Bestleistung abrufen.“ Das hatten wir doch schon einmal . . . Der Rest ist bekannt: Schönherr wurde Deutscher Meister.

Thema Doping

Zum Thema Doping hat André Schönherr eine klare Meinung: „Schwarze Schafe gibt es überall.“ Der eine oder andere wolle innerhalb kürzester Zeit zum Erfolg kommen und greife deshalb zur Unterstützung zu entsprechenden Substanzen. Dabei sei das der absolut falsche Weg. Um dauerhaft in der Szene erfolgreich unterwegs zu sein, brauche man Disziplin und Ausdauer. Schönherr: „Alles ist mittlerweile so schnelllebig geworden.“ Bei ihm sieht das anders aus. Der Bodybuilder geht seiner großen sportlichen Leidenschaft seit mittlerweile 23 Jahren nach: „Ich habe mir die entsprechende Zeit dafür gegeben.“ Mit hartem Training.

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