Fußball

Lara Görtz: Fußball-Begeisterung ist ansteckend

Von der Juniorinnen-Bundesliga zum Höferhof: Lara Görtz fühlt sich beim DTV extrem wohl. Fotos: Doro Siewert
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Von der Juniorinnen-Bundesliga zum Höferhof: Lara Görtz fühlt sich beim DTV extrem wohl.
  • Fabian Herzog
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Interview der Woche mit Lara Görtz, die beim DTV eine Frauen-Mannschaft aufbauen möchte

Das Gespräch führte Fabian Herzog.

Sie sind gebürtige Haanerin, haben es sich nun aber zur Aufgabe gemacht, beim Dabringhauser TV eine Frauen-Mannschaft ins Leben zu rufen. Wie kam es dazu?

Lara Görtz: Ich bin vor zwei Jahren nach Dabringhausen gezogen, weil ich im Wermelskirchener Krankenhaus eine Ausbildung zur Krankenschwester begonnen habe. Irgendwann habe ich in einer Kneipe dann Kevin Becker kennengelernt. Wir haben uns über Fußball unterhalten, und so bin ich dann schließlich letztes Jahr beim DTV gelandet.

Sie sprechen den Fußball an, der in Ihrem Leben keine so ganz kleine Rolle spielt und gespielt hat.

Görtz: Das stimmt. Ich bin in Haan zusammen mit meinem älteren Bruder Julian in der Nähe des Sportplatzes aufgewachsen. Dass er dennoch kein Fußballer geworden ist, fand meine Mama toll. Sie wollte einfach nicht immer am Platz stehen. Deswegen hat sie mich auch überall anders angemeldet (lacht). Beim Ballett, Trampolinspringen oder Kunstturnen. Sie hat alles dagegen getan, dass ich beim Fußball lande. Irgendwann habe ich gesagt, dass ich draußen spielen gehe und bin heimlich zum Sportplatz gelaufen, wo ich beim Jungs-Training mitgemacht habe. Kurz darauf bin ich dann mit der Anmeldung nach Hause gekommen.

Wie ging es sportlich dann für Sie weiter?

Görtz: Nach sieben Jahren bei der SSVg. Haan bin ich 2017 zum MSV Duisburg gewechselt, um zwei Jahre lang in der Juniorinnen-Bundesliga zu spielen.

Auf welcher Position?

Görtz: Ganz am Anfang war ich Feldspielerin und musste immer mal aushilfsweise ins Tor. Dabei bin ich dann geblieben, weil ich es mag, die Mannschaft von hinten zu koordinieren. Außerdem kann man schnell der Held des Spiels sein (lacht).

Oder aber auch der Trottel des Spiels. . .

Görtz: Das stimmt natürlich.

Meistens haben Sie aber die schöne Seite der Medaille erlebt. Was ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Görtz: Das prägendste Erlebnis war ein Heimspiel gegen Bad Neuenahr im tiefsten Winter. Ich hatte mich vor dem Anpfiff dreimal übergeben, musste aber spielen, weil die anderen beiden Torhüterinnen auch krank waren. Genau in der Partie, bei der auch noch Thomas Gerstner, der damalige Trainer der Profis, zugeguckt hat, haben wir unseren ersten Bundesligasieg geholt und ich habe das Spiel meines Lebens gemacht. Das war so geil.

Wie leistungsorientiert muss man es sich im Nachwuchs eines Frauen-Bundesligisten vorstellen?

Görtz: Mit meinem Wechsel nach Duisburg wollte und musste ich mich mehr auf den Fußball als auf die Schule konzentrieren. Weshalb ich auf dem Gymnasium in Haan auch nur das Fachabi gemacht habe. Meine Mama hat mich jeden Tag von der Schule abgeholt und nach Duisburg gebracht. Montags, dienstags, donnerstags und freitags hatten wir Mannschaftstraining, mittwochs hatte ich dann meistens noch Extra-Torwarttraining. Und am Wochenende eben die Spiele. Es ging also nur um Fußball. Zeit für etwas anderes blieb nicht.

Dennoch war der Traum vom großen Fußball bald ausgeträumt. Warum?

Görtz: Ich habe mich am Knie verletzt und stand vor einer schweren Operation, in der meine Kniescheibe mit drei Schrauben fixiert werden musste. Deswegen habe ich gesagt, ich höre jetzt auf mit dem Leistungssport und konzentriere mich auf eine vernünftige Ausbildung.

Und auf den DTV. Wie ging es nach dem Austausch mit Kevin Becker genau weiter?

Zweimal pro Woche trainieren die DTV-Fußballerinnen derzeit. „Wir haben immer unglaublich viel Spaß“, erzählt Lara Görtz (vorne).

Görtz: Ich habe beim Eichholz-Turnier zugeschaut, als die damalige DTV-Vierte plötzlich zu wenig Spieler hatte. Da habe ich dann spontan ein wenig mitgekickt. Später habe ich auch mal beim Training mitgemacht und festgestellt, dass ich so großen Spaß am Fußball habe. Deswegen habe ich gesagt: Komm, ich mache jetzt eine eigene Frauen-Mannschaft auf.

Fußballerinnen und damit potenzielle Teamkolleginnen wachsen aber ja nicht auf den Bäumen.

Görtz: Ich hatte das Glück, dass vier Mädels aus meiner Berufsschulklasse auch voll Lust auf Fußball hatten. Wir haben dann über Instagram wildfremde Menschen angeschrieben, von denen einige tatsächlich dazugekommen sind und wieder andere mitgebracht haben. Mittlerweile sind wir 15 Mädchen und Frauen.

Reicht das schon für den Spielbetrieb?

Görtz: Leider nein. Wir brauchen auch noch einen Trainer. Denn ich will das nicht ewig machen, sondern selbst mit den Mädels kicken. Wir hoffen, dass wir in der Winterpause einsteigen und ohne Wertung spielen können. Einfach um reinzukommen. Denn einige von uns haben noch nie Fußball gespielt. Wir müssen erst noch zusammenwachsen.

Ihre Begeisterung für den Fußball ist spürbar. Wie können Sie andere damit anstecken?

Görtz: Ich sage immer: Probiert es doch einfach mal aus, dann werdet ihr merken, wie viel Spaß das macht. So habe ich die meisten dazugewinnen können.

Und wo beziehungsweise wie können sich Interessierte melden?

Görtz: Sie sollen einfach montags (19.30 bis 21 Uhr) oder freitags (20 bis 21.30 Uhr) zu unserem Training auf dem Höferhof kommen. Dafür gibt es nur eine Voraussetzung: Man muss mindestens 17 Jahre alt sein.

Zur Person

Lara Görtz wurde am 27. April 2001 in Haan geboren. Bei der dortigen SSVg. fing sie 2010 mit dem Fußballspielen an und wechselte sieben Jahre später zum MSV Duisburg. Wegen einer schweren Knieverletzung war sie zum Aufhören gezwungen, auch ein Kurz-Intermezzo bei den TS Struck in der Saison 2019/20 musste sie abbrechen. Beim DTV baut sie nun ein eigenes Team auf und trat vergangenes Jahr auch dem Vorstand bei.

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