Ex-Präsident des FCR

Wegen Tönnies platzt Lars Althoff der Kragen

Am letzten Freitagabend war Lars Althoff mit seiner Familie beim Auftakt in der 2. Liga in der Veltins-Arena dabei. Die 1:3-Niederlage gegen den Hamburger SV dürfte für gedrückte Stimmung gesorgt haben. Foto: A. Althoff
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Am letzten Freitagabend war Lars Althoff mit seiner Familie beim Auftakt in der 2. Liga in der Veltins-Arena dabei. Die 1:3-Niederlage gegen den Hamburger SV dürfte für gedrückte Stimmung gesorgt haben.

Lars Althoff, der Ex-Präsident des FC Remscheid, ist in den Ehrenrat des Zweitligisten FC Schalke 04 gewählt worden.

Von Peter Kuhlendahl

Herr Althoff, Sie gehören seit wenigen Tagen dem Ehrenrat des FC Schalke 04 an. Allein schon die Bezeichnung macht deutlich, wie verantwortungsvoll diese Aufgabe beim Traditionsverein ist. Wie sind Sie an dieses Amt gekommen?

Lars Althoff: Zunächst muss man bestimmte Voraussetzungen erfüllen.

Dann lassen Sie uns damit beginnen.

Althoff: Man muss mindestens 30 Jahre alt und fünf Jahre Mitglied im Verein sein. Außerdem darf man keinem anderen Vereinsorgan angehören.

Diese Kriterien haben Sie erfüllt. Und warum darf man keinem anderen Vereinsorgan angehören?

Althoff (lacht): Mit 48 Jahren und über 30 Jahren Mitgliedschaft waren die ersten beiden Hürden schnell genommen. Der Grund, warum man keinem anderen Organ angehören darf, ist, dass man später in seiner Tätigkeit unabhängig und frei von Weisungen ist.

Bevor wir einen Blick auf Ihre künftigen Tätigkeiten und das weitere Prozedere werfen, lassen Sie uns über die Gründe sprechen, was Ihre Motivation war, sich für das Amt zu bewerben.

Althoff: Als sich der Ex-Schalke-Boss Clemens Tönnies 2019 zu rassistischen Äußerungen hinreißen ließ, ist er vom damaligen Ehrenrat vom Rassismus-Vorwurf freigesprochen worden. Da ist mir echt der Kragen geplatzt. Wie auch Ehrenrat-Mitglied Kornelia Toporzysek. Die Richterin am Oberlandesgericht in Düsseldorf trat zurück. Da der Ehrenrat bei der nächsten Jahreshauptversammlung dann neu gewählt werden musste, habe ich mich beworben.

Wie ging es dann weiter?

Althoff: Der Ehrenrat besteht aus insgesamt fünf Mitgliedern, die bei der Jahreshauptversammlung en bloc gewählt werden. Der Wahl-Ausschuss überprüft zunächst, ob die Formalien erfüllt sind. Die endgültige Entscheidung, ob man zur Wahl zugelassen wird, fällt der Aufsichtsrat.

Dem muss man dann Rede und Antwort stehen?

Althoff: So ungefähr. Man stellt sich den Mitgliedern des Aufsichtsrates. Es ist wie eine Art Casting.

Ohne zu sehr ins Detail zu gehen: Von den fünf Mitgliedern des Ehrenrates müssen zwei die Befähigung zum Richteramt haben. Als Jurist haben Sie diese. War das ein Vorteil?

Althoff: Das weiß ich nicht, und das glaube ich auch nicht. Über die Gründe für die Entscheidung erfährt man nichts. Ein paar Tage später bin ich schließlich angerufen worden, dass ich zu den fünf ausgewählten Mitgliedern gehören würde.

Da die Wahl ja en bloc erfolgt, war doch nach dem Anruf bereits alles klar, oder?

Althoff: Es war ein Schritt. Zum einen weiß man nie. Und zum anderen wurde es ja auch noch mal spannend.

Warum?

Althoff: Am 13. Juni fand die digitale Mitgliederversammlung statt. Wir als Kandidaten waren in der Arena vor Ort. Es wurden dann Testabstimmungen gemacht. Aber die Technik streikte. Nach einigen Stunden wurde die Jahreshauptversammlung aufgrund dieser technischen Probleme dann abgebrochen.

Sie mussten also weiter warten.

Althoff: Nach dem Abbruch wurde für den 17. Juli eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen. Da die NRW-Coronaschutzverordnung mittlerweile geändert worden war, nun auch als Präsenzveranstaltung mit den entsprechenden Auflagen in der Arena.

Da konnten Sie aber nicht vor Ort sein.

Althoff: Zu dem Zeitpunkt war ich mit meiner Familie in Urlaub. Wie auch ein weiteres Mitglied des zu wählenden Ehrenrates. Und zufällig waren unsere Urlaubsorte nicht weit voneinander entfernt. Ich habe dann alles im Live-Ticker verfolgt und da dann natürlich mitbekommen, dass wir gewählt worden sind.

Wie groß ist nun der Aufwand für Sie, und wie sieht Ihre Tätigkeit aus?

Althoff: Der Ehrenrat wird dann eingeschaltet, wenn es zu Streitigkeiten innerhalb des Vereins kommt. Er kann aber auch selbst die Initiative ergreifen. Inhaltlich geht es um Verstöße gegen die Vereinssatzung oder Anfechtungen von Entscheidungen des Vorstands, der Aufsichtsrates oder der Mitgliederversammlung. Aus diesem Grund darf man auch nicht Mitglied in einem anderen Organ sein. Im Schnitt kommt der Ehrenrat rund neun Mal im Jahr zusammen.

Bekommt Sie, wenn man bereits auf dieser Ebene tätig ist, Lust auf weitere verantwortungsvolle Tätigkeiten bei Schalke?

Althoff: Jetzt bin ich erst einmal für die nächsten zwei Jahre Ehrenratsmitglied. Und dann sehen ich weiter.

Zur Person

Lars Althoff wurde am 23. Februar 1972 in Solingen geboren. Er hat aber immer in Remscheid gelebt. Mit Ehefrau Andrea und den gemeinsamen Söhnen Emil und Anton wohnt er in Lüttringhausen. In Lennep hat er eine Anwaltskanzlei. Althoff war selbst aktiver Fußballer und hat sämtliche Nachwuchsteams des FC Remscheid durchlaufen. Im Seniorenbereich hat er dann auch in Dhünn und Bergisch Born gespielt. Dem FCR blieb er aber immer verbunden und war auch im Vorstand aktiv. 2018 ist er zum Vorsitzenden gewählt worden. Im März 2020 ist er vom Amt zurückgetreten.

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