Interview der Woche

Was er über 09/35 und den FCR denkt

Sonne, Palmen, das Meer und Jürgen Wellmann: Der 75-Jährige präsentierte sich als zufriedener Fußball-Rentner.
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Sonne, Palmen, das Meer und Jürgen Wellmann: Der 75-Jährige präsentierte sich als zufriedener Fußball-Rentner.

Jürgen Wellmann spricht über Laptop-Trainer, Bauchgefühle und unverhoffte Treffen auf Mallorca.

Von Andreas Dach

Herr Wellmann, wir treffen Sie an der Playa de Palma. Machen Sie hier einen Ballermann- oder einen Mallorca-Urlaub?

Jürgen Wellmann: Mittlerweile mache ich einen Mallorca-Urlaub. Deshalb bin ich ja auch in einem Hotel in Can Pastilla, wo mehr Ruhe herrscht.

Spaziergänge bis zum Ballermann 6, bis zur legendären Party-Meile, machen Sie von dort aus aber fast täglich.

Wellmann: Dort habe ich in den wenigen Tagen, in denen ich auf der Insel bin, schon mehr Bekannte getroffen, als manchmal innerhalb eines Jahres in Deutschland. Diesmal zum Beispiel Peppi Wagner, meinen früheren Kapitän beim VfB. Oder auch den allseits bekannten Torjäger Uwe Toex. Ebenfalls ein alter VfBer. Es ist schön, sich dann auszutauschen und spontan in Erinnerungen an frühere Zeiten zu schwelgen.

Sie posten in den sozialen Netzwerken gerade relativ viele Fotos von einst.

Wellmann: Dass ich auf Facebook unterwegs bin, hat mit meinen Kindern zu tun. Normalerweise bin ich diesbezüglich nicht so fit. Sie haben mich angelernt, wenn man das so sagen darf. Es macht mir wirklich Freude, an besondere Momente in meinem fußballerischen Leben zu erinnern und auch eine Menge an Rückmeldungen zu bekommen. Zudem stelle ich auch gerne mal Vergleiche zur heutigen Zeit an.

Immer wieder zu sehen, sind Bilder vom SV 09 Wermelskirchen und vom FC Remscheid.

Wellmann: Mit beiden Vereinen verbindet mich eine Menge. Über den SV 09 bin ich durch Marc Jörgens, Henning Weber und die örtliche Presse immer noch gut informiert. Und beim FCR verweise ich auf langjährige Wegbegleiter wie Uwe Wiegand, Helmut Niemeyer, Hellmut Richter und Lothar Steinhauer. Letzterer hat mir den Weg ins Bergische seinerzeit überhaupt erst geebnet. Vergessen darf man auch nicht, dass ich meine Ex-Frau und jetzige Lebensgefährtin in Lüttringhausen kennengelernt habe.

Haben Sie eine dieser Mannschaften in letzter Zeit mal bei einem Spiel gesehen?

Wellmann: Den FCR, als er zweimal zur Saisonvorbereitung bei Westfalia Herne angetreten ist. Bei den Jahreshauptversammlungen des FCR bin ich auch regelmäßig dabei. Schließlich bin ich dort Mitglied. Wie auch bei Westfalia Herne und bei den SF Wanne-Eickel.

Hat sich der Fußball im Laufe der Jahre verändert?

Wellmann: Er unterliegt einem steten Wandel. Das ist normal. Ob es dadurch zu einer besseren Qualität gekommen ist – das sei einmal dahingestellt. Selbstverständlich sind Athletik und Schnelligkeit jeweils eine ganz andere geworden. Dass dadurch aber das Gesamtpaket ein besseres geworden ist, sehe ich eher nicht so. Der Fußball wird meines Erachtens zu sehr gleichgemacht, die Mannschaften neutralisieren sich oft gegenseitig, und es kommt nicht mehr zu so attraktiven Spielen. Zudem fehlen mir die Typen. Ich verweise mal auf Thomas Bothe beim SV 09, Lothar Steinhauer und Rainer Wolff, die für BVL und SV 09 gespielt haben.

Hätte ein Trainertyp Wellmann mit seinem Stil heute noch Erfolg?

Wellmann: Die Frage erübrigt sich meines Erachtens. Schauen Sie sich doch an, was ein Felix Magath gerade mit dem Klassenerhalt bei Hertha BSC geschafft hat. Das hatten ihm viele nicht mehr zugetraut. Oder wie Jupp Heynckes auch im fortgeschrittenen Alter immer noch die Mannschaften erreicht und mit ihnen Erfolge gefeiert hat. Nein, ich bin der Meinung, dass den sogenannten Laptoptrainern oft die Verbindung zum Fußball fehlt. Diejenigen, die mehr aus dem Bauch heraus ihre Entscheidungen treffen, wären auch heute sicher noch erfolgreich.

Werden wir Sie in der kommenden Saison mal bei einem Spiel Ihrer Ex-Clubs erleben?

Wellmann: Das habe ich mir fest vorgenommen, mir bei beiden mal ein Bild zu machen. Viele wissen gar nicht mehr, dass ich beim FCR in der jetzigen Konstellation zu den Gründungsmitgliedern gehöre.

Bestimmt haben Sie auch davon gehört, dass anstelle des Röntgen-Stadions ein DOC entstehen sollte.

Wellmann: Gottseidank sind diese Pläne verworfen worden. Ich lehne eine anderweitige Nutzung ab und bin dafür, dass diese Kultstätte erhalten beziehungsweise eventuell sogar noch ausgebaut wird. Wie gerne denke ich einige Jahre zurück, als Uwe Wiegand und ich das Spiel gegen die Schalker Traditionsmannschaft organisiert haben und Tausende von Zuschauern ins Röntgen-Stadion gekommen sind.

Gibt es noch etwas, was Ihnen zum Ende unseres Gesprächs wichtig ist zu erwähnen?

Wellmann: Ich bin glücklich, nach 42 Jahren, die ich für den Fußball geopfert habe, diesen Mallorca-Urlaub mit guten Bekannten verleben zu dürfen. Außerdem bin ich froh über den guten Kontakt zu meinen ehemaligen Vereinen. Meine Liebe verteilt sich gleichmäßig auf sie, besonders stark empfinde ich die Beziehung zum SV 09/35 und zum FCR.

Zur Person

Jürgen Wellmann wurde am 20. August 1946 in Bassum (bei Bremen) geboren. Er ist geschieden, hat vier Kinder und ein Enkelkind und lebt in Herne. Der gelernte Kaufmann war selbst Fußballer (Westfalia Herne, Minden 05) und hat eine erfolgreiche Trainerzeit hinter sich. Unter anderem beim FCR, beim SV 09 und der SGH.

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