Interview

Vorfreude und Zuversicht sind bei Daniel Niedzkowski groß

Miro Klose (l.) war der namhafteste Absolvent des diesjährigen Lehrgangs, der aus der Hand von Daniel Niedzkowski seine Urkunde erhielt. Fotos: Thomas Boecker/DFB
+
Miro Klose (l.) war der namhafteste Absolvent des diesjährigen Lehrgangs, der aus der Hand von Daniel Niedzkowski seine Urkunde erhielt.
  • Fabian Herzog
    VonFabian Herzog
    schließen

Daniel Niedzkowski, Ex-Fußballer des FCR, spricht im Interview über seine Arbeit beim DFB

Von Fabian Herzog

Beim FC Remscheid erlebte er 1999 nicht gerade Sternstunden seines Fußballerlebens. In der Winterpause zum damaligen Regionalligisten gewechselt, lief es für Daniel Niedzkowski und den FCR alles andere als rund. Der Abstieg war die logische Folge. Längst hat der gebürtige Solinger aber Karriere gemacht. Als Co-Trainer kämpft er mit der deutschen U21-Nationalmannschaft ab kommenden Montag bei der EM-Endrunde um ein erfolgreiches Abschneiden, außerdem bildet er beim Deutschen Fußball-Bund die Fußball-Lehrer, also die höchstmögliche Lizenzstufe, aus.

Der aktuelle Fußball-Lehrer-Lehrgang, den Sie seit über drei Jahren leiten, ist vor wenigen Tagen zu Ende gegangen. Wie fällt Ihr Fazit nach einer pandemiebedingt sicherlich ganz neuen Erfahrung aus?

Daniel Niedzkowski: Absolut positiv. Wir hatten über das Jahr gesehen sehr spezielle Voraussetzungen und viele Situationen zu lösen, denen wir so zum ersten Mal begegnet sind. Hinzu kam, dass die Durchführung eines Lehrgangs unter dem Einfluss von Covid natürlich auch eine hohe Verantwortung bedeutete und wir, um dem gerecht zu werden, einen sehr hohen organisatorischen Aufwand in der Planung und Durchführung hatten. Das hat im Endeffekt super funktioniert, weil alle Beteiligten im Kernteam, der Akademie und natürlich auch die Teilnehmer perfekt zusammengearbeitet haben.

Wie lief der Lehrgang diesmal genau ab?

Niedzkowski: Inhaltlich überraschend normal, würde ich sagen. Die großen Veränderungen haben sich auf organisatorischer Ebene und für die Trainerinnen und Trainer eher im Hintergrund abgespielt. Sie haben den Kurs weitgehend so absolvieren können, wie wir ihn auch ohne Pandemie konzipiert hatten. Natürlich mussten wir an der einen oder anderen Stelle improvisieren, was die Unterrichtsmethodik betraf. Einige Themen und Projekte, die wir normalerweise in Präsenzveranstaltungen durchgeführt hätten, haben wir über unseren digitalen Campus abgebildet, was der Qualität rückblickend aber keineswegs geschadet hat.

Mit Miro Klose gehörte der WM-Rekordtorschütze zu Ihren Schülern. War das etwas Besonderes für Sie? Und wie hat er sich geschlagen?

Niedzkowski: Klar, jemanden wie Miroslav Klose im Kurs zu haben, ist immer etwas ganz Besonderes. Die Erfahrungen, die er als Spieler gemacht hat, sind einfach unvergleichlich und wenn jemand wie er dann auch noch so bereitwillig seine Erfahrungen teilt und sich einbringt, führt das natürlich für alle zu Diskussionen und Gesprächen von unschätzbarem Wert. Mich hat neben allen inhaltlichen Qualitäten aber vor allem beeindruckt, wie bodenständig, interessiert und wertschätzend Miro sich in jedem Moment und jedem gegenüber präsentiert hat.

Kommen wir zur U21, wo Sie seit fünf Jahren Co-Trainer von Stefan Kuntz sind. Wie bewerten Sie die EM-Vorrunde im März mit dem Sieg gegen Ungarn (3:0) und den beiden Remis gegen die Niederlande (1:1) und Rumänien (0:0)?

Daniel Niedzkowski bereitet die Arbeit beim DFB seit Jahren große Freude.

Niedzkowski: Sehr positiv. Wir haben es trotz der fehlenden Vorbereitung geschafft, von Beginn an als Kollektiv aufzutreten, den Gegnern ein intensives Spiel aufzuzwingen und sie unter sehr hohen Druck zu setzen. Die Jungs haben sich diesem Ansatz komplett verschrieben und auch außerhalb des Platzes ein super Miteinander an den Tag gelegt. Ein Schlüssel dafür ist aus meiner Sicht, dass wir als Trainer- und Funktionsteam schon seit Jahren sehr vertraulich und vor allem gerne zusammenarbeiten und dadurch für die Spieler eine super Atmosphäre schaffen, in der sie sich als Mensch wohlfühlen dann voll auf ihre Leistung konzentrieren können.

Was ist der Mannschaft jetzt in der K.o.-Phase zuzutrauen? Wie lautet das Ziel?

Niedzkowski: Ich haue mal ein Klischee raus: In einem Turnier ist immer alles möglich. Aber ernsthaft. Wir haben mit Dänemark ein anspruchsvolles Los für das Viertelfinale gezogen, haben aber auch schon einen klaren Plan, wie wir das Spiel gewinnen können. Ins Halbfinale einzuziehen, wäre für uns schon ein echter Erfolg, aber natürlich wollen wir dann mehr. In allem, was danach kommt, geht es darum, die positiven Dinge herauszustellen und beizubehalten und an kleinen Schrauben zu drehen, um dann bei Spielbeginn in der bestmöglichen Verfassung zu sein.

Geben Sie uns doch mal – so gut wie möglich – einen Einblick in Ihre Arbeit bei der U21. Wie ist die Aufgabenteilung? Und wie ist Ihr Verhältnis zu Stefan Kuntz?

Niedzkowski: Ich fange mal mit dem letzten Part an: Mein Verhältnis zu Stefan Kuntz ist außerordentlich gut. Das gilt übrigens genauso für das Verhältnis zu meinen anderen Trainerkollegen. Ich bin überzeugt davon, dass das Miteinander und die zwischenmenschlichen Beziehungen letztlich dazu führen, dass es eine vertrauensvolle Zusammenarbeit gibt. So kann dann jeder wirklich eigenverantwortlich an seinen Aufgaben arbeiten und sich sicher sein, dass er jederzeit die Rückendeckung des Teams hat. Diese Basis zu schaffen, versteht Stefan Kuntz aus meiner Sicht exzellent. Inhaltlich sind meine persönlichen Schwerpunkte vor allem unser Defensivverhalten in allen Zonen und die Standardsituationen, beides sowohl auf als auch neben dem Platz.

Und wo steht der deutsche Fußball aus Ihrer Sicht? Was ist bei der EM der A-Nationalmannschaft möglich?

Niedzkowski: Ich denke, das muss man sehr differenziert sehen. Sicherlich haben wir im Nachwuchs unsere Themen und großen Raum für Verbesserungen. Im Bezug auf die A-Nationalmannschaft denke ich aber, dass wir eine Mannschaft mit hoher Qualität haben und Spieler, die Spiele entscheiden können. Das werden wir in den Spielen der Euro auch sehen, und möglich ist dann grundsätzlich alles. Klar ist aber auch, dass du in dieser Gruppe selber stark spielen, aber aufgrund der immensen Qualität der anderen Nationen trotzdem auch mal nicht weiterkommen kannst. Davon gehe ich aber nicht aus, sondern gehe mit großer Vorfreude und Zuversicht in dieses Turnier.

Zur Person

Daniel Niedzkowski wurde am 14. Dezember 1976 in Solingen geboren. Angefangen beim VfB Solingen, führte ihn sein Weg als Fußballer über Fortuna Düsseldorfs Jugend bis in die Regionalliga (WSV, FCR, MSV Duisburg II). Deutlich höher ging es für ihn als Coach. 2013 wurde er Co-Trainer bei Bayer Leverkusen an der Seite Roger Schmidts. Seit 2016 ist er in gleicher Funktion bei der U21 und in der Ausbildung der Fußball-Lehrer für den DFB tätig.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Das steht in der Handball-Landesliga an.
Das steht in der Handball-Landesliga an.
Die HGR ereilt die nächste personelle Hiobsbotschaft
Die HGR ereilt die nächste personelle Hiobsbotschaft
Die HGR ereilt die nächste personelle Hiobsbotschaft
Bei diesem Derby geht es immer hoch her
Bei diesem Derby geht es immer hoch her
Bei diesem Derby geht es immer hoch her
Fußball: Pokaltermine stehen fest
Fußball: Pokaltermine stehen fest

Kommentare