Analyse

Von Frust bis Sektkorken ist alles dabei

Glücklich sieht anders aus. Der FCR hätte die Saison gerne weitergeführt. Die Chance auf den Aufstieg war in dieser Spielzeit riesengroß. Foto: Michael Sieber
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Glücklich sieht anders aus. Der FCR hätte die Saison gerne weitergeführt. Die Chance auf den Aufstieg war in dieser Spielzeit riesengroß.
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Die Schere der Gefühle klafft nach dem Saisonabbruch bei den Amateuren weit auseinander.

Von Andreas Dach

Man musste davon ausgehen. Und doch: Wenn es dann endgültig so weit ist, werden doch Emotionen geweckt. Die des Frustes bei denen, die den möglichen Aufstieg verpasst haben. Die der Freude bei denjenigen, denen ein vermeintlicher Abstiegsplatz nichts mehr anhaben kann. Die Fußball-Saison 2020/2021 ist offiziell abgebrochen. Der FVN hat Klartext geredet. Wir sprechen über möglicherweise noch offene Fragen und sortieren die Situation ein.

Warum hat es am Niederrhein länger gedauert als bei anderen Verbänden?

Der FVN hat auf den Faktor Zeit gesetzt. Man wollte sich nicht nachsagen lassen, die Spielzeit zu früh für beendet erklärt zu haben. Jetzt, da die Inzidenzzahlen in Städten und Kreisen zum Teil verheerend hoch sind, wäre ein weiteres Abwarten nicht mehr vertretbar gewesen. Ausgangssperren, Lockdowns – den Fußballern ist einfach die Zeit weggerannt. Bis zum 30. Juni mindestens 50 Prozent der Spiele auszutragen, wäre unmöglich gewesen. Wodurch es für eine Quotientenregelung – wie im Vorjahr – keine Rechtsgrundlage geben würde.

War die Entscheidung umstritten?

Nein. Sie ist einstimmig erfolgt. Der Beirat des Fußball-Verbands Niederrhein und des Verbandsjugendausschusses haben an einem Strang gezogen. Es gibt keine Meister sowie keine Auf- und keine Absteiger. Das betrifft alle vom FVN organisierten Meisterschaftswettbewerbe bei Männern, Frauen und der Jugend. Dazu kommen der Ü-Spielbetrieb sowie der Futsal-Ligaspielbetrieb.

Wie hat man die Kunde im Kreis Remscheid aufgenommen?

Verständlicherweise gemischt. Gerade in die Situation des FC Remscheid kann man sich bestens versetzen. Die Mannschaft von Marcel Heinemann ist bärenstark in die Landesliga-Saison gestartet und führte die Tabelle zum Zeitpunkt des Abbruchs an. Eine Garantie für den Aufstieg hätte es nicht gegeben. Aber wenn nur die Hinrunde noch zu Ende gebracht worden wäre, wäre dieser gut im Bereich des Möglichen gewesen. Weshalb der Vorsitzende Ralf Niemeyer sagt: „Aus sportlicher Sicht ist das ein herber Rückschlag. Unsere Aufgaben im Verein werden dadurch nicht leichter.“ Vize Thorsten Greuling konkretisiert: „Es werden große wirtschaftliche Herausforderungen auf uns zukommen. Wir hoffen, diese Phase mit unseren Partnern, Mitgliedern und Fans stemmen zu können.“

So wird es allen Clubs gehen, die schon seit Wochen und Monaten keine Einnahmen mehr haben und von der Hand in den Mund leben. Ist es zu befürchten, dass Vereine von der Bildfläche verschwinden?

Sicher sein kann man da nicht. Aber man sollte davon ausgehen, dass das Annullieren der Saison für niemanden wirklich überraschend gekommen ist und alle vorausschauend ihre Hausaufgaben im Rahmen der Möglichkeiten gemacht haben. Was von Club zu Club unterschiedlich problematisch gewesen sein dürfte, da die Voraussetzungen bei jedem anders sind.

Was ist, wenn es noch Fragen gibt?

Der Kreis Remscheid plant eine Videokonferenz, bei welcher alle ihre Sorgen, Nöte und Unklarheiten anbringen können. Für die Jugend soll das zeitnah auf den Weg gebracht werden. Ob für die Senioren eine eigene Zoomkonferenz organisiert wird oder sie gemeinsam mit den Verantwortlichen des Nachwuchses vor den Bildschirmen sitzen, ist noch nicht bestimmt. „Das wird auf einer Vorstandssitzung von uns geklärt“, sagt der Kreisvorsitzende Frank Tammschick.

Das Thema Pokalspiele dürfte noch auf der Agenda stehen.

Auf Verbandsebene ist bereits eine Entscheidung gefallen. Demnach sollen die Drittligisten Uerdingen und Duisburg sowie die Regionalligisten RWE, RWO, WSV Straelen und Homberg als hochklassigste der noch im Wettbewerb angesiedelten 53 Teams den Gewinner unter sich ausspielen. Im Kreis befindet man sich noch in der Entscheidungsfindung. Frank Tammschick: „Wir müssen schauen, wie wir uns für den Kreispokal aufstellen.“ Angesichts von viel weniger Spielen, die ausgetragen werden müssen, könnte bei stetig sinkenden Inzidenzzahlen vielleicht noch etwas möglich sein.

Welche Vereine der Region sind von dem Abbruch besonders betroffen?

In negativem Sinne, wie schon erwähnt, der FCR. In der Bezirksliga haben sich bestimmt auch der SSV Bergisch Born und der SC Ayyildiz Chancen auf den Aufstieg ausgerechnet. Eine Klasse tiefer, in der Kreisliga A, könnten Tabellenführer TG Hilgen und die Verfolger BV Burscheid und SC Heide eine Faust in der Tasche machen. Noch eine Etage drunter, in der Kreisliga B, stand der DTV III wie Persil am Himmel und muss einen neuen Anlauf nehmen.

Und bei wem könnten, vielleicht etwas überspitzt ausgedrückt, die Sektkorken geknallt haben?

Auch da gibt ein Blick auf die Tabellen Auskunft. Der VfB Marathon und der SC 08 Radevormwald belegten zum Zeitpunkt des Abbruchs Abstiegsplätze in der Bezirksliga und hätten es schwer gehabt, diese im weiteren Verlauf zu verlassen. In der Kreisliga A hätten vor allem die 1. Spvg. Remscheid, der DTV II und die TS Struck II arg zu knapsen gehabt. Der RSV Hückeswagen, TuSpo Dahlhausen, der Hastener TV II und der TV Herbeck belegten in der Kreisliga B die hintersten Ränge.

Die Frauen sollte man bei der Betrachtung auf gar keinen Fall vergessen.

Während die TG Hilgen in der Bezirksliga zwischen Gut und Böse rangierte und sich in der Folge daran wahrscheinlich auch nichts geändert hätte, wird sich die SG Hackenberg als Spitzenreiter der Kreisliga ärgern. Auch der SC 08 Radevormwald befand sich in aussichtsreicher Position. Für beide heißt es: Neue Saison, neuer Anlauf.

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Immer dienstags greifen wir spezielle Themen auf und haken nach. Gibt es Fragen, welche unbeantwortet sind? Oder Dinge, die unbedingt eingeordnet werden müssen? Dem nehmen wir uns an. Heute geht es um den Saisonabbruch im Amateur-Fußball und seine Folgen.

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