Analyse

Vereine finden so gut wie gar nicht statt

Bilder, welche die Vielfalt des lokalen Sports symbolisieren. Schwimmer sind vom Lockdown betroffen. Archivfotos (4): Holger Battefeld
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Bilder, welche die Vielfalt des lokalen Sports symbolisieren. Schwimmer sind vom Lockdown betroffen.
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Die „große“ Politik lässt den „kleinen“ Sport am ausgestreckten Arm verhungern.

Von Andreas Dach

Gleiches gilt für die Boxer, die in der jüngeren Zeit ein Veranstaltungs-Comeback in Remscheid gefeiert haben.

Über den Breitensport wird wenig geredet. Eigentlich fast gar nicht. Oder ist ihnen aufgefallen, dass diese essenzielle Sparte thematisiert worden ist, als es am Mittwoch vergangener Woche zum Treffen von Kanzlerin und Ministerpräsidenten gekommen? Man vielleicht Perspektiven aufgezeigt hat? Nein! Eine gefährliche Entwicklung angesichts von gut 90 000 Sportvereinen in ganz Deutschland, die zum Teil schon auf der Felge fahren und ums Überleben bangen. Solche Vereine gibt es auch in unserem Verbreitungsgebiet, auch wenn die meisten sich damit zurückhalten, dass es ihnen gerade so richtig schlecht geht. Der Versuch einer Einordnung.

Warum wird der lokale Sport eigentlich schon so lange vertröstet beziehungsweise steht bei den politischen Entscheidungsträgern kaum bis gar nicht im Fokus?

Vielleicht – zugeben wird es natürlich niemand gerne – liegt das daran, dass der Wert des Sports und des Sporttreibens eben am Besten von denen eingeschätzt werden kann, die selbst Vereinsmitglieder sind. Die wissen, was sportliche Gemeinschaft bedeutet. Was ein gutes Miteinander bewirken kann. Das Feiern von Erfolgen im Team, das Verkraften von sportlichen Enttäuschungen als Kollektiv – nirgendwo sonst lässt sich der soziale Gedanke so schnell und so ausgeprägt erfassen wie bei Sporttreibenden. Ganz forsch gefragt: Wie nah sind die Entscheidungsträger wirklich dran am lokalen Sport? Vom gesundheitlichen Nutzen eines jeden Aktiven einmal ganz abgesehen. Aber dazu später.

Sind die wirtschaftlichen Sorgen nicht sogar noch größer?

Das lässt sich kaum messen. Fakt ist: Das Coronavirus wütet seit rund einem Jahr. Dieser Zeitraum war für die Breitensportler mehr von einem Lockdown als von Lockerungen geprägt. Eine unermesslich harte Zeit, die bei manch einem (auch) an die Psyche geht. Zumal der Blick nach vorne nicht wirklich das Licht am Ende des Tunnels entdecken lässt.

Hätten die regionalen Sportvereine und Fitness-Studios also nicht von den Einschränkungen betroffen sein dürfen?

Darum geht es gar nicht. Es geht auch nicht darum, den einen gegen den anderen auszuspielen. Den Friseur gegen den Sportler, das Tattoo-Studio gegen den Gastronomen. Nein, es geht um die Wahrnehmung. Um das Gefühl ernst genommen zu werden. Oder besser: Überhaupt in den Gedankenspielen stattzufinden. Das kann der Breitensport mit seiner gewaltigen Strahlkraft derzeit mit am wenigsten von sich behaupten. Und genau das sorgt zunehmend für ein Gemisch aus Unverständnis, Ratlosigkeit und Frust.

Welche Sportler sind besonders vom Lockdown betroffen?

Auf die Plätze, fertig, los? Auch die Leichtathleten, hier im Stadion Reinshagen, müssen sich noch länger gedulden.

Grundsätzlich jeder Sportler. Mal abgesehen von denen, die als Läufer, Radfahrer, Walker oder Langläufer (genug Schnee oder Frost sind derzeit im Bergischen vorhanden) sowieso immer draußen unterwegs sind. Was optional auch von nichtspezifischen Aktiven als Bewegungsmöglichkeit genutzt wird. Schön und gut. Wie auch sogenannte Home-Workouts. Aber das ist nicht alles. Wer Hockeyspieler ist, hat sich nicht zufällig dafür entschieden. Wie auch der Leichtathlet, Schwimmer oder Badmintonspieler sehr bewusst den Daumen für „seine“ Sportart gehoben hat. Um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Wie groß ist der Einfluss der langen sportlichen Zwangspause auf den körperlichen und mentalen Zustand?

Der Sensen-Cup gehört zu beliebten Hockey-Turnieren, für welche der Reinshagener TB immer verantwortlich ist.

Jeder braucht die Bewegung. Für die Fitness, für den Geist, für die Stärkung des Immunsystems, für die Ausdauer. Der Boxer wie der Golfer, die Mutter wie das Kind, der Opa wie der Behinderte, der Reha-Sportler wie der Bodybuilder. Jeder. Wirklich jeder. Wer einmal vom Sport weg ist, wird möglicherweise nicht wieder zurückkehren, wenn er zwischenzeitlich andere „Vergnügungen“ für sich entdeckt hat. Besonders Kinder und Jugendliche sind diesbezüglich „gefährdet“. Und dass ältere Personen ebenfalls zu den extrem Betroffenen gehören, ist keine neue Erkenntnis. Sie brauchen die Geselligkeit für die Psyche, den Sport als Prophylaxe gegen die drohende Vergreisung. „Wir produzieren die Kranken der Zukunft“, hat der Mediziner Dr. Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule kürzlich gesagt. Und wird gewiss auch an Schlagworte wie Gewichtszunahme, Aggressionsaufbau und Motorikdefizite gedacht haben.

Wie sind die Sportler und Vereine mit den Lockerungen nach dem ersten Lockdown umgegangen?

Fast alle haben seinerzeit ihre Hausaufgaben in Sachen Infektionsschutz gemacht. Schwarze Schafe gibt es in allen Bereichen. Die lassen sich nie ganz ausschließen. Aber es war schon beeindruckend, mit welcher Akribie von vielen Clubs auch im Bergischen Konzepte entwickelt wurden, um den systemrelevanten Sport zumindest partiell zu ermöglichen. Da konnte man nur den Hut vor ziehen. Leider: Die immense Bedeutung des Amateur-, Breiten- und Freizeitsports scheint offenbar (noch) nicht überall präsent zu sein.

Rubrik

Immer in unserer Dienstagausgabe greifen wir spezielle Themen im lokalen Sport auf und haken nach. Gibt es Fragen, welche unbeantwortet sind? Oder Dinge, die unbedingt eingeordnet werden müssen? Dem nehmen wir uns in dieser Rubrik gerne an. Diesmal geht es um das Mauerblümchendasein des Breitensports.

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