Interview

„Unser Leben ist auf den Kopf gestellt“

Der Schock sitzt noch tief. Aber Fabian Heinrich blickt wieder optimistisch in die Zukunft. Foto: fh
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Der Schock sitzt noch tief. Aber Fabian Heinrich blickt wieder optimistisch in die Zukunft.
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Marathon-Fußballer Fabian Heinrich spricht erstmals über den Schicksalsschlag.

Von Fabian Herzog

Am 8. September passierte das Unfassbare. Bei einem Brand in einer Lagerhalle in Dabringhausen verloren Fabian Heinrich und seine Familie ihre komplette berufliche Existenz. Dabei hatten sie aber fast noch Glück im Unglück, wie der Fußballer des Bezirksligisten VfB Marathon emotional schildert.

Die wichtigste Frage vorab: Wie geht es Ihnen und Ihrer Familie?

Fabian Heinrich: Also uns geht’s den Umständen entsprechend gut. Wir denken zwar noch oft an diesen Tag zurück, aber wir finden so ganz allmählich zum Alltag zurück.

Beschreiben Sie doch mal, was genau passiert ist.

Heinrich: In der Lagerhalle haben wir auf der einen Seite eine Hundeschule, die meine Eltern betreiben, und auf der anderen eine Werkzeugefertigung, in der auch meine Eltern arbeiten, die aber meine Schwester Laura und ich gerade übernehmen wollten. An dem Tag waren mein Vater, meine Schwester und ich in der Fertigung und meine Mutter im Büro. Ich habe Schweißarbeiten am Kompressor gemacht, der in einem kleinen Holzkasten mit einer Schallisolierung bedeckt stand. Dann fing plötzlich ein Teil der Isolierung an zu brennen.

Wie haben Sie reagiert?

Heinrich: Mein Vater kam sofort rübergelaufen. Wir haben das Stück rausgerissen und versucht, es zu löschen. In dem Moment haben wir aber gesehen, dass der Rest der Isolierung auch gebrannt hat, und auf einmal waren die Flammen binnen weniger Sekunden schon an der Decke. Als nach vergeblichen Lösch-Versuchen die ersten Teile von der Decke gefallen sind, hab ich nur noch geschrien, dass alle raus sollen, und bin selber am Seitenausgang rausgelaufen.

Waren damit alle in Sicherheit?

Heinrich: Ich wusste, dass alle anderen noch drinnen waren – inklusive der vier Hunde. Habe dann nur noch alle schreien gehört und bin sofort zum Haupteingang gelaufen, wo ich allerdings auch schon nicht mehr reinkam, weil alles voller Qualm war. Ich war völlig verzweifelt und konnte nicht klar denken. Zum Glück hatten wir einen Notausgang, wo wir sofort hin gelaufen sind. In der Hoffnung, dass alle noch leben. Als wir da waren, standen zum Glück alle am Ausgang zusammen. Auch die Hunde, mit denen wir uns dann in Sicherheit gebracht, weil einfach schon sehr viele Teile geflogen sind.

Wahnsinn! Mittlerweile ist ein Monat vergangenen. Aber die Erinnerungen dürften Sie nicht loslassen, oder?

Heinrich: Im Nachhinein war für mich das Schlimmste, dass ich, als ich draußen war, wusste, dass die anderen noch alle drinnen waren und ich sie schreien gehört habe. Ich muss oft an die Szene denken, als wir dann zu Hause waren und wir uns einfach nur alle umarmten und froh waren, dass wir alle rausgekommen sind.

Wie sind Sie und Ihre Familie mit diesem Schicksalsschlag umgegangen?

Heinrich: Wir haben seitdem sehr viel darüber gesprochen und waren einfach alle füreinander da. Das hat uns glaube ich sehr geholfen. Ich persönlich muss sagen, dass mir am meisten meine Freundin Crissie und natürlich alle meine Freunde geholfen haben. Die fragen mich heute noch täglich, wie es mir geht und ob sie irgendwie helfen können. Wenn dann noch so Aktionen dazukommen, wie mit dem von meinen VfB-Teamkollegen geplanten Benefiz-Spiel gegen die Allstars von Fortuna Düsseldorf (Anmerkung der Redaktion: die Zusage liegt vor, es soll aber erst im Frühjahr stattfinden, wenn auch mehr Zuschauer dabei sein können) oder die Spendentage dank Bernd Seidler beim nächsten Marathon-Heimspiel sowie im Tattoo-Studio von Pasquale Miralto – das ist unglaublich. Außerdem konnten wir zum Beispiel für die Hundeschule noch in derselben Woche einen Parcours von einer Freundin haben, damit meine Eltern weiter trainieren können. Eine andere Freundin hat außerdem sofort eine Wiese als Trainingsmöglichkeit zur Verfügung gestellt.

Wie stellt sich Ihre Situation jetzt dar?

Heinrich: Für uns hieß es, erst einmal eine neue Halle zu finden. Diesbezüglich haben wir so viele Anrufe und Nachrichten erhalten, weil uns echt jeder helfen wollte. Wir haben dann zum Glück den Kontakt zu Walter vom Stein erhalten. Er hat uns nicht nur innerhalb eines Tages eine Halle besorgt, sondern hilft uns einfach immer noch jeden Tag, wo er nur kann! Er stellt auch seine Firma zur Verfügung, damit wir noch ein paar Aufträge fertig bekommen.

Und wie geht es weiter?

Heinrich: Wir hoffen natürlich, dass wir etwas von der Versicherung bekommen, um endlich in die Halle den Rasen für die Hundeschule legen zu können und das Equipment zu organisieren. Beruflich hat sich schon etwas getan. Meine Schwester arbeitet seit Kurzem in der Zahntechnik, und ich werde dank meines Schwagers Max Thiel ab diesem Donnerstag bei der Firma Interroll anfangen. Wie man sieht: Unser Leben ist komplett auf den Kopf gestellt. Und wir hoffen einfach nur, dass am Ende alles gut wird.

Kommen wir am Ende zum Sportlichen: Was sagen Sie zur Situation Ihres VfB?

Heinrich: Da sieht es sportlich nicht so gut aus. Wobei ich seit dem Brand auch nicht mehr wirklich da war. Ich brauchte mal Zeit für mich und hatte keinen Kopf für Fußball. Aber ich hoffe, dass wenn die ganzen Verletzungen endlich ein Ende nehmen, wir langsam auch anfangen werden zu punkten. Ich persönlich bin weiter guter Dinge, auch wenn der Start holprig war.

Zur Person

Fabian Heinrich wurde am 10. November 1986 in Remscheid geboren, mit 20 Jahren zog er mit seiner Familie nach Wermelskirchen. Fußballerisch führte ihn sein Weg über die 1. Spvg. Remscheid schon früh zu Bayer Leverkusen, wo er bis zur C-Jugend blieb. Anschließend ging´s zum Wuppertaler SV und FC Remscheid. Seine Seniorenstationen lauteten TS Struck, TuSpo Dahlhausen und eben VfB Marathon, wo er seit zehn Jahren spielt.

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