Fußball

Ukraine-Krieg: Vlasiuc bangt um Familie

Auf der rechten Seite hat sich Maxim Vlasiuc beim Dabringhauser TV zu einer unverzichtbaren Größe entwickelt. Foto: Peter Teinovic
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Auf der rechten Seite hat sich Maxim Vlasiuc beim Dabringhauser TV zu einer unverzichtbaren Größe entwickelt.
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Der Fußballer des Dabringhauser TV steht unter Schock und hat schlaflose Nächte.

Von Fabian Herzog

Der bange Blick geht immer wieder zum Handy. Selbst nachts kann Maxim Vlasiuc gar nicht anders, als regelmäßig auf das Display zu schauen und mögliche Nachrichten abzurufen. Nachrichten aus seiner Heimat, der Ukraine, wo die Familie und die Freunde des Fußballers leben. „Wir alle stehen unter Schock“, sagt der 26-Jährige, der seit der Saison 2020/21 für den Dabringhauser TV spielt.

Seit 2020 im lila Trikot: Maxim Vlasiuc.

Als sich die Lage in den vergangenen Tagen zuspitzte und die russische Armee begann, Ziele im Osten der Ukraine anzugreifen, setzte das Vlasiuc schwer zu. „Ich war fassungslos und mache mir seitdem große Sorgen.“ Eine Herausforderung sei es, den eigenen Alltag trotzdem irgendwie zu meistern. „Anfangs konnte ich mich gar nicht konzentrieren und richtig arbeiten“, sagt der Marketing-Manager, der bei der Ista International GmbH in Essen angestellt ist. Mit seinen Gedanken ist Vlasiuc rund um die Uhr in Luzk, seiner Heimatstadt, in der er bis zu seinem 17. Lebensjahr zu Hause war. „Auch wenn ich jetzt schon sieben Jahre hier lebe: Man vergisst nicht, wo man herkommt.“ Erst recht nicht, wenn dort ein solcher Ausnahmezustand herrscht. Wobei: „Die Stadt liegt zum Glück im Westen. Dort finden noch keine Kämpfe statt.“ Das Wort „noch“ verdeutlicht jedoch, wie prekär die Situation ist.

Im Land herrscht Panik. Die Menschen flüchten vom Osten in den Westen.

Maxim Vlasiuc über die verheerende Situation in der Ukraine

Vlasiuc gibt zu: „Man kannte Krieg irgendwie immer nur aus dem Fernsehen oder von den Medien. Aber jetzt ist das gar nicht so weit weg, wie man dachte.“ Stündlich tauscht er sich mit seiner Familie aus. Um sicher zu gehen, dass es dieser gut geht. Von seinen Eltern, den zwei Schwestern (37 und 16) und seinem Bruder (16) bekommt er Infos aus erster Hand. „Im Land herrscht Panik“, erzählt der Wahl-Wuppertaler. „Die Menschen flüchten vom Osten in den Westen.“ Am Sonntag machte sich Vlasiuc auf den Weg zur polnischen Grenze, um seine drei Geschwister nach Deutschland zu holen und damit in Sicherheit zu bringen. Seine Eltern wollten nicht mitkommen. „Mein Vater ist komplett dagegen.“

Um so mehr versucht Maxim Vlasiuc, sich so gut es geht abzulenken. Zum Beispiel durch den Fußball. „Dabei kann ich abschalten“, betont der Ukrainer, der in seiner Jugend beim FK Wolyn Luzk gespielt hat. Zu einer Zeit, als dieser in der 1. Liga zu Hause war. „Das ist der SC Freiburg der Ukraine“, sagt Vlasiuc lächelnd. Über ein Studium in Polen und zwei Auslandssemestern in Deutschland landete er schließlich in Wuppertal. Trotzdem spielte er zunächst für den Bezirksligisten SF Troisdorf. „Ich kannte den Trainer ganz gut, weil der auch aus der Ukraine kam.“

Zur Saison 2016/17 wechselte Vlasiuc zum Cronenberger SC und sammelte ein Jahr lang Oberligaerfahrung. Nach einer weiteren Station beim FC Wetter legte er für seine Masterarbeit eine Pause ein. Die endete mit dem Wechsel zum DTV vor knapp zwei Jahren, der durch einen Kontakt zu Marco Menge zustande kam. Als dieser Ende Oktober von seinen Ämtern am Höferhof zurücktrat und sich aus Dabringhausen verabschiedete, stand auch Vlasiucs DTV-Zukunft auf der Kippe. „Ich dachte, ich bin im Winter weg“, gibt der Wuppertaler zu.

Und doch: Er blieb. Trotz der wöchentlich zahlreichen Kilometer mit dem Auto. „Ich habe beim DTV den Spaß am Fußball wieder für mich entdeckt“, begründet Vlasiuc. Gepaart mit dem „super Zusammenhalt in Dabringhausen“ sei es genau das, was den Sport für ihn ausmacht. Maßgeblichen Anteil habe auch Patrick Grün. Seit der für Menge übernommen hat, läuft es beim DTV. „Er macht das wirklich richtig gut“, lobt Vlasiuc den jungen Trainer, der sich erstmals in der Bezirksliga versucht. „Er macht alles zu 180 Prozent“, schwärmt der Rechtsverteidiger von Grün, der es schaffe, die Spieler mit seiner „von Beginn an“ vorgelebten Leidenschaft anzustecken.

Vor dem Start der zweiten Saisonhälfte am kommenden Sonntag sind Vlasiuc und Co. Tabellensechster. „Wenn wir unter die ersten Vier kommen, bleibe ich auch über den Sommer hinaus“, sagt er. Ein Ziel, dass nicht unrealistisch erscheint. „Wir wissen, was wir können“, erklärt der Ukrainer mit Blick auf die anstehenden Aufgaben. „Aber wir dürfen nicht vergessen, wo wir herkommen.“ Ein Satz, der für ihn in diesen Zeiten eine ganz besondere Mehrdeutigkeit besitzt.

Schreibweise

In sämtlichen Internetportalen und auch auf der offiziellen Seite fussball.de wird der Dabringhauser Fußballer Maksym Vlasyuk geschrieben. „Das ist überall so, seitdem ich in Deutschland bin“, erzählt er. Lieber ist ihm aber Maxim Vlasiuc. Der Unterschied resultiert aus der Übersetzung aus dem kyrillischen Alphabet ins Deutsche.

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