Analyse

TuSpo stellt sich klar gegen Rechts

TuSpo Dahlhausen zeigt mit einer bemerkenswerten Aktion Flagge und positioniert sich unmissverständlich gegen Rechts.
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TuSpo Dahlhausen zeigt mit einer bemerkenswerten Aktion Flagge und positioniert sich unmissverständlich gegen Rechts.
  • Fabian Herzog
    VonFabian Herzog
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„Immer wieder wurde diese Nazi-Karte gespielt“: Der Dahlhausener Verein ergreift Maßnahmen, dreht einen Imagefilm und setzt ein Statement.

Gesagt wird nicht ein Satz. Nicht ein Wort. Und dennoch könnte das Statement kaum aussagekräftiger sein. Mit einem 74 Sekunden langen Video, das im Internet veröffentlicht wurde, hat der Verein TuSpo Dahlhausen vor wenigen Wochen nicht nur für Aufsehen gesorgt, sondern ein bemerkenswertes Zeichen gesetzt. Darin positioniert er sich ganz deutlich und unmissverständlich gegen jegliche Form von Fremdenhass.

„No Racism“, also frei übersetzt „Nein zum Rassismus“ lautet die Botschaft. „Wir möchten mit dieser Aktion zeigen, dass wir alle für klare Ziele in unserem Verein einstehen. Und dies nicht nur mit Worten, sondern wir lassen auch Taten folgen“, erklärt der Vorsitzende Guido Musial.

Für den 53-Jährigen ist es eine absolute Herzensangelegenheit gewesen, ein klares Zeichen zu setzen. Denn: „Das Miteinander und die Integration fängt an der Basis an.“ Für Musial, der seit fünf Jahren im Amt und auch als Jugendtrainer tätig ist, war irgendwann ein Punkt erreicht, an dem er sich zum Handeln gezwungen sah. „In den vergangenen Wochen haben wir von der Vereinsführung ganz klar die Richtung aufgezeigt, für was unser Verein und unsere gemeinsame Leidenschaft stehen.“

Was war passiert?

Die Gründe, warum der Verein sich bewusst so klar positioniert hat, liegen mehrere Jahre zurück. Damals trat die rechtsextreme Organisation „Freundeskreis Rade“ in den Wupperorten negativ in Erscheinung. Kurze Zeit später wurden sieben Mitglieder vor dem Landgericht Köln schuldig gesprochen und wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, Nötigung und gefährlicher Körperverletzung zu Haft-, Bewährungs- und Geldstrafen verurteilt worden. Darunter eben auch zwei Vereinsmitglieder des TuSpo Dahlhausen.

Wie ist der TuSpo damit umgegangen?

Guido Musial verfolgt seit seinem Amtsantritt vor fünfeinhalb Jahren ein klares Ziel.

Nach internen Diskussionen wurde zunächst entschieden, keine Konsequenzen zu ziehen. „Weil sie sich im Verein unauffällig verhalten haben“, begründet Musial. Allerdings mussten die Verantwortlichen mit der Zeit feststellen, dass ihnen plötzlich ein entsprechender Ruf vorauseilte und immer mehr Spieler den Club verließen beziehungsweise andere sich diesem nicht anschlossen. Das machte sich auch bei Auswärtsspielen bemerkbar. „Man hatte immer das Gefühl, man liegt schon 0:1 hinten, obwohl wir noch gar nicht gespielt haben.“ Schlimmer noch: „Immer wieder wurde diese Nazi-Karte gespielt.“ Dies alles führte dazu, dass sich der Vorsitzende vor wenigen Monaten mit seinen Vorstandskollegen Frank Haupt (Kassierer) und Viktor Ibe (Geschäftsführer) zusammensetzte und beschloss: „Diesen Ruf wollen und müssen wir loswerden.“

Welche Maßnahmen wurden ergriffen?

Im ersten Schritt wurden die beiden betroffenen Spieler aus dem Verein ausgeschlossen und eine klare Linie gezogen. Zeitgleich wurde die Aktion „No Racism“ initiiert und bis ins kleinste Detail geplant. „Wir wollten zeigen, dass wir nicht so sind wie der Ruf, der uns am Hacken hängt, und uns davon distanzieren“, erklärt Guido Musial. Ganz klares Ziel: ein eindeutiges Statement nach Außen. Speziell auch innerhalb des Fußballkreises. Intern hatte es solche Zeichen längst gegeben. So zog der Vorsitzende mit seinem Amtsantritt im Mai 2017 beispielsweise konsequent durch, dass die bis dahin genutzte Trikotnummer 88, die als Symbol der rechtsextremen Szene gilt, nicht mehr verwendet werden darf.

Wie lief die Statement-Aktion der Dahlhausener ab?

Musial nahm Kontakt zu Jochen Pries auf. Der ist nicht nur Leiter des Radevormwalder Jugendtreffs „Life“, sondern betreibt ein Nebengewerbe als Hochzeitsvideograf. Gemeinsam entwickelte man die Idee für einen Imagefilm, bei dem sich am gleichnamigen „Nein zum Rassismus“-Video der Uefa von vor einigen Jahren orientiert wurde. „Uns lag am Herzen, den Eltern, allen Radevormwaldern und auch Mitgliedern im Kreis Remscheid zu zeigen, wer wir wirklich sind“, sagt Musial. Gedreht wurde im Neubau des „Life“ und auf dem Sportplatz auf der Brede. Hauptdarsteller: Die TuSpo-Mitglieder samt einigen Eltern, Geschwisterkindern und Großeltern aus den beiden Abteilungen Fußball- und Kampfsport. Lange überredet werden mussten diese nicht. „Das war ein Selbstläufer.“

Was ist Inhalt des Videos?

Das Drehbuch sah im Prinzip nur vor, dass die „zwischen 70 und 90“ Protagonisten eines der kurzfristig bei Sport-Hattrick in Remscheid bestellten und mit dem Logo des Vereins sowie dem Schriftzug „No to racism“ versehenen T-Shirts überstreiften und diesen in kurzen Sequenzen präsentierten. Auf gesprochene Worte wurde ganz bewusst verzichtet. Im Gegensatz zu Nebeltöpfen in den Vereinsfarben Schwarz und Rot, die im letzten Teil auf dem Sportplatz, wo alle geschlossen auf die Kamera zulaufen, gezündet wurden und für echte Fußballatmosphäre sorgten. „Es ist sensationell geworden“, schwärmt der Vorsitzende. „Da hat der Jochen Pries wirklich eine super Arbeit geleistet.“

Wo ist das Video zu sehen?

Zu finden ist die Botschaft bei Facebook unter TuSpo Dahlhausen und auf der Homepage des Vereins: www.tuspodahlhausen.com

Wird es weitere Maßnahmen seitens des Vereins geben?

Davon ist zweifelsohne auszugehen. Guido Musial verspricht jedenfalls: „Das wird keine Eintagsfliege gewesen sein.“

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