Interview der Woche

Stöver kehrt als Effzeh-Fan zurück

Marisa Stöver ist glücklich, wieder zur TG Hilgen zurückgekehrt zu sein.
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Marisa Stöver ist glücklich, wieder zur TG Hilgen zurückgekehrt zu sein.
  • Fabian Herzog
    VonFabian Herzog
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Interview der Woche mit der Fußballerin, die wieder für die TG Hilgen spielt.

Nach fünfeinhalb Jahren beim Fußball-Regionalligisten Vorwärts Spoho Köln sind Sie im besten Sportlerinnenalter zur TG Hilgen in die Bezirksliga zurückgekehrt. Um mal plump zu fragen: Warum?

Marisa Stöver: Das ist recht einfach zu beantworten. Weil ich mit dem Studium so gut wie fertig bin und jetzt ein Jahr Leerlauf habe, bis mein Referendariat beginnt. Außerdem ist der Kontakt nach Hilgen nie abgebrochen. Alleine durch Michelle Manns, Mira Incorvaia und Alena Tenel, die immer gehofft haben, dass ich noch mal zurückkomme. Das Niveau der Spielklasse war mir gar nicht so wichtig. Mir ging´s viel mehr um die Leute.

Wie war´s denn in Köln?

Stöver: Ich fand es als Kind immer schon toll, nach Köln zu fahren. Entsprechend wohl habe ich mich auch gefühlt. Das ist einfach eine tolle Stadt. Rein fußballerisch war der Wechsel von der Landes- in die Regionalliga natürlich eine Herausforderung, aber ich konnte mich schnell an das Niveau anpassen und war die ganze Zeit eigentlich Stammspielerin.

Allerdings auf einer ungewohnten Position.

Stöver: Ja, ich habe in der Innenverteidigung gespielt. Auf meiner eigentlichen Position im offensiven Mittelfeld hatten wir viele Spielerinnen, deswegen bin ich in die Viererkette gerutscht. Das war zwar schon eine Umstellung, hat aber trotzdem Spaß gemacht.

Früher waren Sie mal Bayern-Fan. Sind Sie als Wahl-Kölnerin auch zum Effzeh übergesiedelt?

Stöver: Tatsächlich. Ich habe ganz in der Nähe des Stadions gelebt. Wenn man da wohnt, kommt man da nicht drum rum (lacht).

Jetzt sind Sie zurück auf der Kuno-Hendrichs-Anlage. Was haben Sie mit der Turngemeinde vor? Wo soll die Reise hingehen?

Stöver: Ich möchte gerne aufsteigen! Das habe ich von Beginn an gesagt. Wir wollen es zumindest versuchen, auch wenn nur eine Mannschaft hochgeht. Dafür muss über eine ganze Saison natürlich vieles, zum Beispiel beim Thema Verletzungen, passen.

Und eine Torhüterin zu haben wäre wahrscheinlich nicht schlecht. . .

Stöver: Das stimmt. Wir haben diesbezüglich alle Möglichkeiten abgeklappert, aber noch keine gefunden. Aber wir haben in der Mannschaft ja zwei, drei Feldspielerinnen, die das gut machen.

Sie selbst auch?

Stöver: Lieber nicht. Ich bin im Feld besser aufgehoben.

Aber sicherlich nicht mehr in der Innenverteidigung.

Stöver: Nein (lacht). Das war sogar eine Wechsel-Bedingung, dass ich wieder auf meine alte Position ins Zentrum zurückkehre.

Welchen Eindruck haben Sie von der Mannschaft gewonnen?

Stöver: Ich muss sagen, dass ich echt positiv überrascht bin. Unsere Vorbereitung hätte ja schon besser nicht laufen können. Es macht echt Spaß, mit den Mädels zu zocken. Ich wurde aus der Mannschaft mehrfach gefragt, ob ich es bereue, zurückgekommen zu sein. Davon kann aber keine Rede sein.

Mit Tim Klammer gibt es einen neuen Trainer, der zuvor ausschließlich Männerteams unter seinen Fittichen hatte. Wie haben Sie ihn bislang erlebt?

Stöver: Sehr positiv. Und das nicht nur, weil ich mich nach einer sehr intensiven Vorbereitung so fit fühle wie noch nie. Er ist total motiviert, hat eine Spielidee, guckt sich Spiele unserer Konkurrentinnen an, bereitet alles top vor und hat sich total gut schon im Frauen-Fußball eingelebt. Und das ist ja schon etwas anderes.

Was genau meinen Sie damit?

Stöver: Naja, der größte Unterschied ist wahrscheinlich, dass Fußballerinnen alles ständig hinterfragen (schmunzelt). Da kannst du selten eine Übung machen, ohne dass die Frage kommt, warum das jetzt so und so gemacht wird. Da musste sich der Tim sicherlich auch umstellen, dass er sich plötzlich häufiger rechtfertigen muss. Außerdem ist sicherlich die Kommunikation eine andere. Da braucht der Trainer einer Frauen-Mannschaft schon mehr Feingefühl.

Letzte Frage: Stört Sie eigentlich diese Unterscheidung zwischen Männer- und Frauenfußball, die ja gerade während der Fußball-Europameisterschaft vor wenigen Wochen wieder extrem aufgeflammt ist?

Stöver: Nein. Die Unterscheidung stört mich nicht. Was mich stört, sind die Vergleiche. Frauenfußball ist ein anderer Sport. Das lässt sich so nicht eins zu eins vergleichen. Die Diskussion um die Gehälter finde ich aber gerechtfertigt. Wenn man sieht, was in den anderen europäischen Ländern passiert, könnte man da ja zumindest mal nachfragen. Es hat sich im Frauenfußball in den vergangenen Jahren unheimlich viel getan, daher wäre es wünschenswert, dass die Strukturen in Deutschland verbessert werden. Und das, was die deutsche Mannschaft bei der EM abgeliefert hat, war ja die beste Werbung für den Sport.

Zur Person

Marisa Stöver wurde am 1. August 1997 in Wermelskirchen geboren, wo sie auch heute noch – mit Ausnahme der Zeit des Studiums in Köln – lebt. Beim RSV Hückeswagen hat sie mit sechs Jahren angefangen, Fußball zu spielen. Weitere Stationen in der Jugend waren Bayer Wuppertal, der Solinger SC 95/98 und der TSV Aufderhöhe. Im Erwachsenenbereich spielte Stöver beim Sportring Höhscheid und von 2014 bis zur Winterpause der Saison 2016/17 bei der TG Hilgen. Dann wechselte sie zu Vorwärts Spoho Köln und nun eben wieder zurück. In der Domstadt studiert sie nach dem Abitur auf dem Wermelskirchener Gymnasium Sport und Englisch auf Lehramt (Gymnasium/Gesamtschule) und möchte im Mai nächsten Jahres im Referendariat beginnen. Aktuell arbeitet sie als Aushilfslehrerin in ihrer alten Schule.

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