Leichtathletik

Steinackers Traum von „Liesels“ Rekord

Bei der DM im vergangenen Jahr funktionierte das Zusammenspiel zwischen Steinacker und ihrem „Werkzeug“ exzellent. Foto: imago
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Bei der DM im vergangenen Jahr funktionierte das Zusammenspiel zwischen Steinacker und ihrem „Werkzeug“ exzellent.
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Wermelskirchener Diskuswerferin steckt sich als Neu-Dreißigerin ehrgeizige Ziele.

Von Fabian Herzog

Als junge Sportlerin bekam sie immer wieder große Augen, wenn sie zum Training ging. Im Eingangsbereich der Leichtathletikanlage des TSV Bayer Leverkusen musste Marike Steinacker unweigerlich anhalten und einen Blick auf die große Tafel werfen, die dort als Blickfang installiert ist und im Verein einen großen Stellenwert genießt. Darauf sind alle Rekorde und Bestmarken der verschiedenen Disziplinen angegeben. Und auch wenn die Wermelskirchener Diskuswerferin mittlerweile in Neubrandenburg lebt und trainiert – offiziell startet sie weiter für Bayer und verfolgt ein großes Ziel: „Ich wollte es schon immer auf diese Tafel schaffen.“

Selbstverständlich weiß sie auch ganz genau, welcher Rekord in ihrer Disziplin dort angegeben ist. „Das sind die 64,96 Meter von Liesel Westermann“, erzählt Steinacker. 1972 hatte die frühere Weltsportlerin und Weltrekordhalterin diese damalige deutsche Bestmarke aufgestellt und Maßstäbe gesetzt. „Ich würde sehr gerne über 65 Meter werfen“, sagt die Wermelskirchenerin, die vergangenes Jahr erstmals und dann direkt zweimal die 64 Meter knackte. Bei den Werfertagen in Halle war es mit 64,03 Meter ihre persönliche Bestmarke, die sie bei der Deutschen Meisterschaft in Braunschweig mit 64,02 Meter bestätigte und mit nur fünf Zentimetern Rückstand Zweite wurde.

Doch weder damit noch mit ihrer anschließenden Olympia-Premiere in Tokio gibt sich Marike Steinacker zufrieden. Die gerade 30 Jahre alt gewordene Sportlerin will mehr und hat sich für diese Saison einiges vorgenommen. Der Start verlief allerdings eher suboptimal. Anfang des Jahres fing sie sich Corona ein und wurde ordentlich umgehauen. „Das ist mir nicht leicht gefallen“, erzählt sie. „Man macht sich schon direkt Sorgen.“ Speziell sie als ambitionierte Sportlerin habe Angst um ihre Leistungsfähigkeit gehabt. Entsprechend langsam stieg sie wieder ins Training ein, erzielte dann aber direkt wieder zufriedenstellende Ergebnisse.

Im Trainingslager in Portugal dann aber der nächste Rückschlag. Nach einem ersten, „sehr intensiven“ Trainingstag streikte ihr Körper erneut. Steinacker wurde krank und verpasste nahezu die gesamte Auftaktwoche. Erst danach konnte sie wieder einsteigen, ließ sich die Laune aber nicht verderben: „Das war natürlich nicht optimal. Aber damit muss man leben.“

Steinackers Zeitplan für dieses Jahr wurde damit auch durcheinander gewirbelt. Der erste Saisonhöhepunkt sollten normalerweise wieder die Werfertage in Halle sein, die in diesem Jahr auf das Wochenende 21./22. Mai fallen. „Ich bin gespannt, ob ich dort antreten können werde“, sagt die 30-Jährige, die auf keinen Fall den Fehler machen will, zu früh einzusteigen. Andererseits möchte sie gegenüber der Konkurrenz auch nicht in Rückstand geraten. Ein schmaler Grat.

„Bei der WM wäre ich schon gerne dabei.“

Marike Steinacker

Wieder gilt es für die Wermelskirchenerin, sich an der nationalen Spitze zu behaupten und im Duell mit Kristin Pudenz, Claudine Vita, Shanice Kraft, Julia Harting und Nadine Müller um ihren Platz zu kämpfen. Denn für die großen internationalen Events gibt es – die geforderten Normen sollten alle in der Spitzengruppe Vertretenen packen – immer nur drei Tickets für Deutschlands Diskuswerferinnen. Wie die Weltmeisterschaft vom 15. bis 24. Juli 2022 in den USA beispielsweise. „Da wäre ich schon gerne dabei“, sagt Steinacker. Beinahe noch mehr gilt dies für die Europameisterschaft, ist diese vom 11. bis 21. August doch ein Heimspiel. Sie findet in München statt. Als dieses Jahr besonders reizvoll empfindet sie auch die Deutsche Meisterschaft, die wieder in Berlin ausgetragen wird. „Das ist immer ein schönes Event.“

Und dann gibt es ja auch noch die Diamond League. In der Königsklasse der Leichtathleten war sie vergangenes Jahr erstmals dabei, erlebte beim Meeting in Paris das besondere Flair. „Das würde ich gerne noch einmal machen“, sagt Marike Steinacker, die sich in 2022 extra eine Managerin zulegen musste, um auch international mitmischen zu können.

Ein weiterer Meilenstein ihrer Karriere. Andere sollen folgen. Ein Eintrag auf der Tafel am Bayer-Trainingsgelände würde definitiv dazu gehören.

Stress

Anstrengende (Oster-) Tage liegen hinter Marike Steinacker. Ausnahmsweise waren diese aber nicht sport-geprägt, sondern beinhalteten andere freudige Momente. Die Diskuswerferin stattete ihrer Heimat mal wieder einen Besuch ab. Um Zeit mit Freunden, der Familie und ihrem Partner zu verbringen – und den 30. Geburtstag gebührend nachzufeiern.

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