Unterwegs mit Hans-Jürgen Middendorf

Statt durch Sand spaziert er durch Matsche

Achtung, Matsche: Der Regen der Tage zuvor hatte dem Weg um die Talsperre zugesetzt. Hans-Jürgen Middendorf passte gut auf, wo er hintrat.
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Achtung, Matsche: Der Regen der Tage zuvor hatte dem Weg um die Talsperre zugesetzt. Hans-Jürgen Middendorf passte gut auf, wo er hintrat.
  • Andreas Dach
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An der frischen Luft . . . mit Hans-Jürgen Middendorf – Panther-Vorstand hat weiterhin Lust zu „beißen“.

Von Andreas Dach

Er ist sogar früher dran. Bereits zehn Minuten vor der verabredeten Zeit steht Hans-Jürgen Middendorf am „Eingang“ zur Remscheider Talsperre. Das Vorstandsmitglied der Bergischen Panther hat dicke Wanderschuhe übergestreift. Der Dauerregen des Vortags hat den Rundwanderweg aufgeweicht. Da sollte man schon gut präpariert sein.

Pünktlich zum dritten Teil unserer Serie „Eine Runde um die Talsperre“ scheint aber auch die Sonne. Der prächtige Herbsttag beeinflusst „Middis“ Stimmung. Zur Begrüßung sagt er grinsend: „Meine Frau Christa lässt schön grüßen und fragt, wie der RGA es geschafft hat, mich zum Spaziergang zu überreden.“

„Hier ist es aber richtig schön!“ Panther-Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Middendorf war zuvor schon seit Jahren nicht an der Talsperre gewesen.

Tja, das ist keine Selbstverständlichkeit, den 68-Jährigen von einer gemeinsamen sportlichen Aktivität zu überzeugen. Dabei liebt er den Sport, war früher ein guter Feld- und Hallenhandballer und bringt sich mittlerweile seit vielen Jahren als Handball-Funktionär ein.

„Ich gehe höchstens mal bei uns in Wermelskirchen auf der Trasse spazieren“, sagt er. Oder im Urlaub mit seiner Frau auf Mallorca: „Dann herrlich direkt am Meer entlang.“ An der Talsperre war er schon ewig nicht, staunt: „Das ist richtig schön hier.“ Rudert dann aber augenzwinkernd schnell zurück: „Ich will das bloß nicht zu laut sagen. Sonst will meine Christa auch immer mit mir hier hin . . .“

„Christa ist für mich wie ein Sechser im Lotto“!“
Hans-Jürgen Middendorf, Vorstandsmitglied der Panther

Mit ihr, die von ihm als „Sechser im Lotto“ bezeichnet wird, ist Hans-Jürgen Middendorf seit 47 Jahren verheiratet. „Ich habe sie damals aus Remscheid nach Wermelskirchen geholt“, sagt er. Und lächelt wieder. Kennengelernt haben sie sich in der Tanzschule Wieber. Seine Christa wohnte am Rosenhügel, er im Löh in Wermelskirchen. Früh wurde geheiratet, Sohn Kai machte ihr Glück perfekt.

Dass zwischen den Dreien auch schon mal die Fetzen fliegen, lässt sich schon alleine durch ihre Sternzeichen nachvollziehen. „Christa ist Steinbock, Kai ist Stier, und ich bin Widder“, zählt er auf. Eine tierische Konstellation. Dickköpfe. Allesamt. Aber jeder für sich und als Familie – absolut liebenswert! Der Zusammenhalt ist ihm wichtig, ist Hans-Jürgen Middendorfs Antrieb. Das gilt heute genauso wie vor allem zwischen den Jahren 1990 und 1995. Damals hat er zunächst seinen Bruder Harald verloren, der nur 34 Jahre alt wurde und an Asthma verstarb. Und kurze Zeit später auch seine Eltern: „Sie haben den Verlust ihres Sohnes nicht verkraftet.“

Umso glücklicher ist er über das harmonische Miteinander mit seiner Frau, seinem Sohn und Enkeltochter Luna. Die Zwölfjährige besucht das Gymnasium Wermelskirchen und ist der Sonnenschein der Familie. Middendorf: „Sie ist schon ein richtiger Teenager.“ Wenn der Panther-Funktionär von ihr spricht, dann strahlen seine Augen.

Mit seinen 68 Jahren könnte er längst das Leben genießen, müsste sich keinen Stress mehr ans Bein binden. Sicher sind da die Reisen nach Mallorca, wo er zwischen Cala Millor und Cala Ratjada immer das gleiche Ziel ansteuert. Dort gönnt er sich seine Auszeiten, vier- bis fünfmal pro Jahr. „Wir vermissen Mallorca schon sehr“, gibt er zu. Corona macht die Urlaube auf der Baleareninsel derzeit einigermaßen schwierig. „Mal sehen“, blickt er voraus, „vielleicht geht Anfang des neuen Jahres wieder etwas.“

Nach der Mittleren Reife hat Hans-Jürgen Middendorf bei der Firma Dowidat eine kaufmännische Ausbildung gemacht. Es folgten unter anderem Stationen bei Keiper, Holzmann und SAP. „Middi“ hatte sich auf den IT-Bereich spezialisiert, war viel unterwegs, musste seine Familie oft alleine lassen.

Fast geschafft: Auf der Sperrmauer entstand das obligatorische Abschlussfoto mit RGA-Sportredakteur Andreas Dach und Hans-Jürgen Middendorf.

Im Alter von 56 Jahren war damit Schluss. „Mit einem goldenen Handschlag“, wie er es beschreibt. Bedeutet: Es gab eine vernünftige Abfindung. Von Ruhestand kann und konnte aber keine Rede sein. Gemeinsam mit seinem Sohn Kai betreut und verwaltet er als Händler Intersport-Standorte in Wermelskirchen, Langenfeld und Haan. Zu tun ist reichlich – was angesichts von insgesamt 30 Mitarbeitern nicht verwundert. Er ist für den kaufmännischen Ablauf verantwortlich, will sich auch noch keine zeitliche Grenze setzen: „So lange es mir Spaß macht, bleibe ich dabei.“

Schon früh am Morgen machen er und sein Sohn Lagebesprechung. Idealerweise liegen ihre Häuser im Löh direkt nebeneinander. Die kurzen Wege machen sich bezahlt. Was auch für den Außenpool im Garten seines Sohnes zutrifft. „Dort bin ich im Sommer jeden Morgen und Abend geschwommen.“

Middendorf ist seit dem sechsten Lebensjahr Mitglied beim TuS (Nieder-)Wermelskirchen. Anfangs war er Feldhandballer, später wirbelte er in der Halle am Kreis und brachte es bis in die Oberliga. Er galt als unangenehmer Gegenspieler, der in den Zweikämpfen gerne auch mal die Ellenbogen einsetzte.

Er kommt gerade so richtig ins Plaudern. Als ein Großteil der Wegstrecke durch Matsche und bei Sonnenschein zurückgelegt ist, da meldet sich sein Handy. Schon am Klingeln erkennt er: „Das ist Marcel Mutz.“ Den Panther-Trainer lässt er wissen: „Ich bin gerade mit Andreas Dach an der Talsperre. Ich melde mich nachher.“

Ja, der Handball lässt ihn nicht los. Auch und gerade jetzt in Coronazeiten nicht. „Wir haben derzeit keine Zuschauer- und keine Cateringeinnahmen“, schildert er die Situation. „Umso mehr freuen wir uns, dass die Sponsoren uns treu geblieben sind.“ Auch die Panther durchleben harte Zeiten mit ihren Senioren- und Jugendteams. Doch das gut funktionierende Vorstandstrio mit Michael Kotthaus, Frank Jörgens und eben Middendorf lässt diesen positiv nach vorne schauen: „Mal sehen, ob es im Januar wieder losgeht.“ Wichtig ist ihm, Jochen Lorenz nicht zu vergessen: „Er gehört dem erweiterten Vorstand an, leistet wichtige Arbeit.“ Auch Peter Schütte müsse genannt werden.

Selbst die schönsten Spaziergänge enden irgendwann. Noch ein gemeinsames Foto auf der Sperrmauer, dann nähern wir uns dem Parkplatz. Ein Aufkleber des Fußball-Bundesligisten Borussia Mönchengladbach ziert das Heck seines Fahrzeugs. „Da haben Kai und ich Dauerkarten“, sagt der Mann, der nicht (so) gerne spazieren geht, aber die Facetten des Sports liebt. Mal schauen, vielleicht trifft man ihn ja doch demnächst mal mit seiner Christa an der Talsperre . . .

Persönlich

Hans-Jürgen Middendorf ist am 2. April 1952 in Wermelskirchen geboren. Mit Ehefrau Christa hat er einen Sohn (Kai). Alle drei sind dem Wermelskirchener Handballsport beziehungsweise den Bergischen Panthern eng verbunden. Middendorf ist Vorstandsmitglied, seine Frau war bis zum Erreichen der 3. Liga am Zeitnehmertisch tätig, und Sohn Kai ist Co-Trainer der 1. Mannschaft.

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