Interview

Stadionfrage bleibt für FCR-Vorsitzenden ein großes Thema

Seit 2018 gehört Ralf Niemeyer dem FCR-Vorstand an. 2020 hat er den Posten des 1. Vorsitzenden übernommen und wurde am Montagabend von den Mitgliedern im Amt bestätigt. Foto: Peter Kuhlendahl
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Seit 2018 gehört Ralf Niemeyer dem FCR-Vorstand an. 2020 hat er den Posten des 1. Vorsitzenden übernommen und wurde am Montagabend von den Mitgliedern im Amt bestätigt.
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Ralf Niemeyer möchte als Vorsitzender des Fußball-Landesligisten FC Remscheid noch viel bewegen

In Ihren Eingangsworten, die Sie an die FCR-Mitglieder bei der Jahreshauptversammlung am Montagabend gerichtet hatten, klang eine Liebeserklärung an den Verein mit.

Ralf Niemeyer (lacht): Das ist wohl wahr. Aber ich bin zum einen immer mit Leib und Seele Fußballer gewesen. Außerdem ist mir der FC Remscheid immer mehr ans Herzen gewachsen. Die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten im Verein ist zudem sehr gut.

War es aus diesen Gründen für Sie auch keine Frage, sich zur Wahl zu stellen?

Niemeyer: Das war sicher ein Grund. Dazu kommt, dass wir nun gemeinsam so viele Dinge auf den Weg bringen wollen, um den Verein zum einen in einem ruhigen Fahrwasser zu halten und zum anderen in eine erfolgreiche Zukunft zu führen.

Mit wir dürften Sie in erster Linie Ihre Vorstandskollegen Thorsten Greuling und Ralf Trögel meinen. Im Vergleich zu früheren FCR-Vorständen ist der aktuelle weiter kleiner besetzt. Bewusst?

Niemeyer: Wir haben uns bewusst dafür entschieden, dass es mit Thorsten Greuling nur noch einen 2. Vorsitzenden gibt und Ralf Trögel als Schatzmeister fungiert. Das hat in den letzten anderthalb Jahren optimal funktioniert.

Sie haben sich auf der Jahreshauptversammlung auch zu ihren Vorgängern geäußert, mit denen Sie ja im Vorstand noch zusammengearbeitet hatten.

Niemeyer: Da ist im Eifer des Gefechts der Satz gefallen, sie hätten das Weite gesucht. Das entspricht so nicht den Tatsachen. Ich möchte diese Aussage revidieren.

Da die Jahreshauptversammlung ja eigentlich im letzten Jahr hätte stattfinden müssen, läuft Ihre Amtszeit bereits im nächsten Jahr wieder ab. Was passiert dann?

Niemeyer: Die Verschiebung war ja der Pandemie geschuldet. Aus formellen Gründen findet im Herbst 2022 dann bereits die nächste Mitgliederversammlung statt, auf der der Vorstand wieder neu gewählt werden muss. Falls es keine ganz besonderen Umstände bis dahin gibt, werden wir uns auch dann wieder der Wahl stellen.

Eine Kontinuität, die es so lange nicht mehr im Verein gegeben hat. Dies dürfte auch daran liegen, dass Sie vor vielen spannenden Projekten stehen. Stichwort Konzept 2025. Können Sie das noch einmal kurz skizzieren?

Niemeyer: Vorab. Als Verein muss man einfach Ziele haben. Das ist man den Mitgliedern, den Fans aber auch den Sponsoren schuldig. Aus sportlicher Sicht wollen wir 2025 mit der 1. Mannschaft in der Oberliga und mit der 2. Mannschaft in der Bezirksliga spielen. Wichtig ist auch der Nachwuchs. Mit den A- bis C-Junioren, die in Zukunft nur noch von lizenzierten Trainern betreut werden, mindestens in der Bergischen Leistungsklasse.

Die Realität ist, dass die 1. Mannschaft aktuell den Erwartungen hinterherhinkt und aufpassen muss, nicht noch tiefer in den Abstiegskampf zu rutschen.

Niemeyer: Das ist in der Tat keine schöne Situation. Und so wie im Augenblick sollte es nicht weitergehen. Ich habe auch schon darüber mit Trainer Marcel Heinemann gesprochen. Es sollen neue Impulse gesetzt werden. Klar in meinen Augen ist allerdings, dass es keine Sache der Einstellung der Jungs ist. Die stimmt zu 100 Prozent.

Die Aufgaben an den nächsten Spieltagen werden nicht einfacher. Bei weiteren Niederlagen könnte auch die Frage nach dem Trainer kommen. Das ist von der Bundes- bis zur Kreisliga so.

Niemeyer: Diese Frage ist natürlich völlig legitim. Stellt sich aber überhaupt nicht. Das ist in keinem Fall ein Thema für uns. Und auch im Umfeld nicht. Nach der Niederlage in Duisburg hat mich am Sonntag ein Fan angesprochen und mir gesagt, wir sollten auf keinen Fall auf die Idee kommen, den Trainer infrage zu stellen.

Auf der Jahreshauptversammlung haben Sie auch von den beiden problematischen Sportstätten des FCR gesprochen. Lassen Sie uns am Jahnplatz in Lüttringhausen beginnen. Wo hakt es da?

Niemeyer: Da haben wir schon länger Pläne, ein Vereinsheim zu errichten. Das wäre für unser Vereinsleben einfach sehr wichtig. Außerdem fehlt dort ein Schutz vor Regen. Ob für Zuschauer bei Spielen oder auch für Eltern, die beim Training ihres Nachwuchses dabei sind. Ein Problem ist, dass die Anlage unter Denkmalschutz steht. Wir haben aber Ideen und stehen in Kontakt mit der Verwaltung.

Kommen wir zum Röntgen-Stadion in Lennep. Da wird zwar im Augenblick einiges investiert und renoviert. Aber wie lange steht es Ihnen überhaupt noch zur Verfügung?

Niemeyer: Zur Beantwortung dieser Frage, bräuchte ich eine Glaskugel. Fakt ist, dass im Januar das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig sich mit dem Bebauungsplan für das geplante DOC beschäftigt, nachdem das Oberverwaltungsgericht in Münster das Projekt einkassiert hat. Da die Stadt Remscheid aktuell fast 400 000 Euro ins Stadion investiert, kann ich mir irgendwie nicht vorstellen, dass es bald abgerissen wird.

Das Aus für das DOC würde aber nicht eine Garantie für den Erhalt des Stadions sein, oder?

Niemeyer: Das gesamte Areal inklusive des ehemaligen Kirmesplatzes würde anderweitig vermarktet. Da machen wir uns nichts vor.

Vor einigen Jahren hatte ein Remscheider Unternehmer die Idee, dort ein Einkaufszentrum mit einem Stadion zu bauen.

Niemeyer: Daran kann ich mich gut erinnern. Und Ideen und Pläne A bis D gibt es auch in unserer Schublade.

Damit spielen Sie auf das Stadion Reinshagen an. Ist das mittlerweile Ihr Favorit?

Niemeyer: Nein. Das ist das Stadion nicht. Es ist nicht unser Herzenswunsch, dort zu spielen. Wir haben dem Kompromiss zugestimmt, auf einen Neubau in Hackenberg zu verzichten, damit die dort ansässige SGH endlich ihren überlebenswichtigen Kunstrasen bekommt. Reinshagen muss regionalligatauglich werden.

Was bedeutet dies?

Niemeyer: Das Stadion muss mindestens 2500 Zuschauern Platz bieten. Im Augenblick sind es knapp 1500. Dazu muss es abgegrenzte Plätze für Gästefans und getrennte Zu- und Abgänge geben. Und dies sind nur die Basics.

Die positivste Nachricht auf der Jahreshauptversammlung war, dass der Verein schuldenfrei sei. Wie haben Sie das geschafft?

Niemeyer: Dazu haben viele beigetragen. Ohne Gönner und Sponsoren hätte es nicht funktioniert. Was mich besonders freut, ist, dass wir jetzt auch viele kleine Sponsoren haben.

Was bedeutet die neue finanzielle Situation für die tägliche Arbeit?

Niemeyer: Die Situation ist wirklich neu. Als ich meinem Vater, der seit Jahrzehnten dem Verein eng verbunden ist, in der vergangenen Woche davon berichtet habe, hat er mich nur erstaunt angeschaut und meinte, das hätte er ja noch nie erlebt. Aber Spaß beiseite. Es bedeutet, dass wir endlich mal agieren und nicht wie in der Vergangenheit nur reagieren können.

Zur Person

Ralf Niemeyer wurde am 19. August 1962 in Wuppertal geboren. Niemeyer, der zwei Kinder aus einer früheren Ehe hat, lebt dort mit seiner Lebensgefährtin. Der Kaufmann führt die Geschäfte des Werkzeuggroßhandels in Lüttringhausen. Ralf Niemeyer hat selbst bei TuRa Remscheid-Süd gespielt. Dann viele Jahre im Betriebssport bei der BSG Niemeyer. Im Jahr 2018 wurde er zum 2. Vorsitzenden des FC Remscheid gewählt. Im April 2020 hat er dann den damals vakanten Posten des Vorsitzenden kommissarisch übernommen. Am vergangenen Montag ist er von den Mitgliedern in diesem Amt bestätigt worden.

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