Basketball

Sportlegende Hansi Gnad ist im Bergischen heimisch

Am Spielfeldrand geht es bei Hansi Gnad gerne auch mal etwas emotionaler zur Sache. Als Cheftrainer der Bayer Giants Leverkusen hat der 57-Jährige bislang eine überragende Bilanz.
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Am Spielfeldrand geht es bei Hansi Gnad gerne auch mal etwas emotionaler zur Sache. Als Cheftrainer der Bayer Giants Leverkusen hat der 57-Jährige bislang eine überragende Bilanz.

Der nach Dirk Nowitzki wohl bekannteste deutsche Basketballer ist mit den Bayer Giants auf Erfolgskurs.

Von Thomas Rademacher

Wer an die Glanzpunkte des deutschen Basketballs denkt, dem wird wohl die Europameisterschaft 1993 einfallen. Als krasser Außenseiter gewann die Nationalmannschaft in der Münchner Olympiahalle gegen Russland das Finale und schaffte damit den bis heute größten Erfolg ihrer Historie. Kapitän des Teams war Hans-Jürgen „Hansi“ Gnad. Der 2,08 Meter große Center avancierte spätestens mit diesem Sieg zu einer deutschen Sportlegende. Gnad aber kennt keine Starallüren. Inzwischen arbeitet er in aller Ruhe als Trainer von Basketball-Zweitligist Bayer Giants Leverkusen – und hat auch dort für einen Rekord gesorgt.

Auch als Tennisspieler gibt Hansi Gnad schon seit Jahren eine sehr gute Figur ab.

Dass seine berufliche Zukunft in der Nähe des Bergischen Landes liegen würde, stand schon lange fest. 1992 lernte Gnad bei den Olympischen Spielen in Barcelona Handballerin Silke Fittinger kennen. Das seit April 1995 verheiratete Paar ließ sich rasch in Burscheid nieder. „Ich habe zwar damals auch noch im Ausland gespielt, aber im Bergischen war unsere Basis. Und sie ist es auch immer geblieben“, sagt der Ex-Profi, der am Donnerstag seinen 57. Geburtstag feierte. 1999 baute das Paar im Stadtteil Hilgen in einem beschaulichen Wohngebiet ein Haus. „Ich bin überhaupt kein Großstadt-Mensch. Die Ruhe und die gute Anbindung in alle Richtungen gefallen uns.“

Von der Haustüre aus ist man in fünf Minuten im Wald

Vor etwas mehr als 20 Jahren wussten die Gnads vor allem auch die Nähe zu Kindergarten und Schule zu schätzen. Die 1997 und 1999 geborenen Sohne Justin und Robin hatten kurze Wege. „Gleichzeitig sind wir von der Haustür aus in fünf Minuten im Wald. Besser kann es gar nicht sein“, beschreibt der Basketballer. So war es auch keine Überraschung, dass die Stationen von Silke und Hansi Gnad zum Ende ihrer Karrieren in unmittelbarer Nähe waren.

Mit Ehefrau Silke lebt Gnad beschaulich in einem ruhigen Wohngebiet in Burscheid-Hilgen.

Während sie sehr erfolgreich bei der HG Remscheid in der 2. Liga als Linksaußen agierte beziehungsweise in der Mitte die Fäden zog und später beim HSV Solingen-Gräfrath als zumindest teilweise spielende Co-Trainerin aktiv war, ließ er die sportliche Laufbahn in Hagen und Leverkusen ausklingen.

„Ich hatte einen Burnout und mich sogar beim Arbeitsamt gemeldet!“
Hansi Gnad

Beim Rekordmeister aus der Farbenstadt stieg Gnad danach als Co-Trainer ein. Nach der Übertragung der Bundesliga-Lizenz nach Düsseldorf und der späteren Insolvenz stand der einstige Topsportler allerdings vor dem Nichts. „Ich hatte damals einen Burnout und habe mich sogar beim Arbeitsamt gemeldet.“

Auf die Beine half ihm nicht nur Trainerlegende Dirk Bauermann, der ihn als Co-Trainer zur deutschen Nationalmannschaft holte, sondern auch der kleine Wuppertaler Verein BTV Ronsdorf-Graben. „Ein Spielervater hat mich damals angesprochen, ob ich nicht als Jugendtrainer helfen könnte“, blickt Gnad zurück. „Daraus wurden dann die U16, die U18 und später noch die Männer in der Landesliga.“ Ob er sich damals nicht wie ein Superstar am falschen Ort vorgekommen sei? „So etwas ist mir völlig egal“, betont er glaubhaft. Hansi Gnad wirkt nahbar, echt und ist ohnehin ein Freund des offenen Wortes. „Ich bin dem Verein auch heute noch sehr dankbar für die vier Jahre dort.“

Per Zufall lernte er während dieser Zeit Dennis Heinzmann kennen. „Ein Spieler hat mich gefragt, ob er mal einen Freund mit zum Training bringen könne. Hat er dann auch gemacht.“ Und Gnad staunte nicht schlecht über den 2,16 Meter Hünen, der da plötzlich vor ihm stand. „Da dachte ich nur: Aus ihm muss man einen guten Basketballer machen können.“ Er behielt recht, vermittelte Heinzmann später zu den Bayer Giants, bei denen er heute noch immer zu den absoluten Leistungsträgern gehört.

Beim Rekordmeister ist Gnad extrem erfolgreich

Für Gnad ging es 2015 als Co-Trainer zurück zum Rekordmeister, seit 2018 trägt er die Hauptverantwortung – und ist extrem erfolgreich. In der ProB, dem schwächeren Teil der 2. Liga, gewann die Mannschaft unter Gnads Leitung 21 ihrer 22 Spiele vor den Play-offs und verbuchte damit die beste Bilanz eines ProB-Ligisten seit Einführung der Spielklasse. Es folgte die Meisterschaft und damit der Aufstieg in die ProA, die die Giants auf dem fünften Rang beendeten. Die Corona-Pandemie verhinderte die Fortführung der Saison. „Manchmal frage ich mich schon, was wir noch hätten schaffen können“, sagt der Coach. „Ich hätte es gerne erlebt.“

Ob die Leverkusener jemals wieder den Sprung in die Bundesliga schaffen, ist völlig offen. „Den Traum sollte man nie aufgeben“, meint Hansi Gnad. „Wenn es gelingt, dass wir uns in der ProA etablieren, Zuschauer gewinnen und für Sponsoren immer interessanter werden, können wir irgendwann vielleicht doch noch mal angreifen.“

Hansi Gnad

Basketball: Mit 181 Länderspielen war der gebürtige Darmstädter lange Rekord-Nationalspieler. In der Bundesliga erzielte Gnad 3475 Punkte. Er spielte zudem für zwei Vereine in Italien sowie für Real Madrid in Spanien.

Tennis: Für Grün-Weiß Burscheid ist der Sportler bei den Herren 50 in der 1. Verbandsliga aktiv. Die Saison ist auch bei den Burscheidern vor einer Woche wieder gestartet.

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