Fußball

Den Spaß lässt sie sich nicht nehmen

Bei den Fußballerinnen des TSV Bayer 04 Leverkusen II ist Jil Heidemeyer die dienstälteste Spielerin. Im Trikot des Werksclubs läuft sie schon seit 2009 auf. Foto: Bayer 04
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Bei den Fußballerinnen des TSV Bayer 04 Leverkusen II ist Jil Heidemeyer die dienstälteste Spielerin. Im Trikot des Werksclubs läuft sie schon seit 2009 auf.
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Fußballerin Jil Heidemeyer spielt bei Bayer 04 II in der dritthöchsten Liga – und zahlt Mitgliedsbeitrag.

Von Fabian Herzog

Jeden Freitagabend kellnert sie in der J&K-Sportsbar in der Bahnhofstraße, um sich ein bisschen was dazu zu verdienen. Aber auch, weil es ihr Spaß macht. Dafür beeilt sich Jil Heidemeyer nach der Abschlusseinheit bei den Fußballerinnen des TSV Bayer Leverkusen II immer besonders. „Sonst klappt das zeitlich nicht“, sagt die 20-jährige Wermelskirchenerin, die mit ihrem Team in dieser Saison endlich wieder in der Regionalliga, also der im Frauenfußball dritthöchsten deutschen Spielklasse vertreten ist.

Auch wenn der Vergleich an vielen Stellen hinkt: Ein männlicher Drittliga-Fußballer, der seine Finanzen freitagabends in einer Kneipe aufbessert? Absolut unvorstellbar. „Dafür bin ich vielleicht im falschen Körper geboren“, sagt Heidemeyer lachend und spielt auf die viel diskutierte Kluft zwischen den Geschlechtern an.

„Ich gehöre ja auch schon zu den alten Hasen.“
Jil Heidemeyer, 20-jährige Fußballerin bei Bayer 04

Davon lässt sie sich den Spaß an ihrem Sport aber nicht nehmen. Den hat sie auch im zehnten Jahr beim Werksclub ungebrochen. Erst recht, weil nach zwei ernüchternden Saisons in der Mittelrheinliga die Rückkehr in die Drittklassigkeit gelang und dort wieder echte Herausforderungen auf sie und ihre Teamkolleginnen warten. Wie das Westduell mit Borussia Mönchengladbachs 2. Mannschaft zum Start, das der Aufsteiger gleich mal mit 4:1 für sich entschied. „Das war ein Hammerspiel“, sagt sie.

Das waren noch Zeiten: Jil Heidemeyer im TuRa-Trikot – und schon damals mit Spaß am Fußball.

Es folgten weitere Siege beim SV Bökendorf (4:1) sowie Vorwärts Spoho Köln (4:2) und erst am vierten Spieltag mit dem 0:1 gegen den 1. FFC Recklinghausen die erste Niederlage. „Das Ergebnis sagt aber nichts über das Spiel aus“, meint die Wermelskirchenerin, der anzumerken ist, wie sehr sie solche Niederlagen nerven. Noch heftiger erwischte es den Aufsteiger am vergangenen Sonntag: 0:8 (0:3) im Derby beim 1. FC Köln II.

Heidemeyer, die aus der Jugend von TuRa Pohlhausen hervorgegangen und mit elf Jahren zu Bayer wechselte, ist in Leverkusen zu einer Persönlichkeit gereift. Sie gehört seit 2017 dem Spielerrat an, ist 2. Kapitänin und sagt, wenn ihr etwas nicht passt. „Ich gehöre ja auch schon zu den alten Hasen“, verweist die 20-Jährige auf den geringen Altersdurchschnitt der 2. Mannschaft. Als es im Spiel gegen die Kölner Sporthochschule (und damit gegen die frühere Hilgenerin Marisa Stöver) Foulelfmeter gab, wollte keiner so recht schießen. Also schnappte sich Heidemeyer den Ball und verwandelte diesen mit ihrem starken linken Fuß sicher im Kasten. „Eigentlich bin ich ja die, die Tore verhindert“, sagt die Innenverteidigerin. „Aber das war ein cooles Gefühl.“

Ihre Qualitäten haben sich längst rumgesprochen. Bei Bayers Erstliga-Mannschaft hat sie hin und wieder schon mittrainiert und Anfang des Jahres ein Testspiel bei ADO Den Haag in den Niederlanden bestritten. Auch Angebote aus der 2. Liga hat Heidemeyer schon erhalten.

Statt drei- aber sechsmal zu trainieren, das ließe sich nur schwer mit ihrer aktuellen beruflichen Situation vereinbaren. „Ich will aber auf jeden Fall weiter im Leistungsbereich Fußball spielen“, sagt Heidemeyer, die bei der Stadt Wermelskirchen eine Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten macht und sich im zweiten Lehrjahr befindet. Und dann hat sie ja noch ihren Nebenjob. Immer freitagabends in der Sportsbar.

Doppelte Heidemeyer

Doppelt hält besser . . . Bei Bayer Leverkusens Fußballerinnen ist der Name Heidemeyer in dieser Saison gleich zweimal vertreten. Denn auch Lara Heidemeyer, 17-jährige Torhüterin aus Remscheid und nur über unzählige Ecken mit Jil verwandt, hat sich der 2. Mannschaft in diesem Sommer angeschlossen. Über den SSV Bergisch Born kam sie zur SG Essen-Schönebeck, für die sie schon mit einem Zweitspielrecht parallel aufgelaufen war. Wegen des anstehenden Abiturs auf dem Röntgen-Gymnasium im nächsten Jahr war der Aufwand in Essen aber zu groß. Die x-fache U16-Nationalspielerin hat bei Bayer auch schon in der 1. Mannschaft mittrainiert, musste zuletzt aber wegen Leistenproblemen passen und kam noch nicht zum Einsatz.

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