Schwimmen

Sorge um den Nachwuchs wird größer

Ende September 2020 ging es für die Schwimmer beim BRSNW-Cup in Remscheid noch ins Wasser. Ein paar Wochen später gab es den nächsten Lockdown. Foto: Michael Sieber
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Ende September 2020 ging es für die Schwimmer beim BRSNW-Cup in Remscheid noch ins Wasser. Ein paar Wochen später gab es den nächsten Lockdown.
  • Peter Kuhlendahl
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Analyse: Die Schwimmvereine leiden unter dem seit Monaten andauernden sportlichen Lockdown

Der Sportverband mit den meisten Mitgliedern in Nordrhein-Westfalen ist der Fußball. Turnen und Tennis folgen auf den Plätzen. Rang vier geht an die Schwimmer – noch. Die Schwimmvereine in NRW haben im Coronajahr fast neun Prozent ihrer Mitglieder verloren. Was mehr als 18 000 Aktive sind. Der Schwimmsport steht aber nicht nur wegen der Pandemie unter Druck. Was im Folgenden beleuchtet wird.

Gibt es konkrete Gründe für diese Abwanderung von Mitgliedern?

Den größten Einbruch bei den Mitgliederzahlen mussten die Vereine bei den Kindern bis zehn Jahre hinnehmen. Laut NRW-Schwimmverband waren dies rund 13 000. Genaue Zahlen kann die SG Remscheid zwar noch nicht vorlegen. Aber SG-Vorstandsmitglied Uli Kohlstedt, der die Sportliche Leitung innehat und Sprecher der Fachschaft Schwimmen ist, bestätigt diesen Trend: „Die Schwimmausbildung, die für uns sehr wichtig ist, liegt im Grunde ja seit über einem Jahr brach.“

Können die Verantwortlichen dem aktuell entgegensteuern?

„Das liegt im Augenblick natürlich nicht in unserer Hand“, erklärt Kohlstedt. Alle Beteiligten hoffen, dass vor den Sommerferien die Sportstätten und damit auch das Sportbad am Park wieder öffnen dürfen, damit auch Training und Unterricht weitergehen können.

Gründe, warum der Nachwuchs ausblieb, gab es schon vor der Pandemie.

Die neuen Schulzeiten haben den Alltag vieler Kinder verändert. „Früher war die Schule um 13 Uhr beendet. Dann wurden die Hausaufgaben gemacht, und es ging zum Schwimmen“, berichtet Kohlstedt aus seiner langjährigen Erfahrung. Nach der Einführung der offenen Ganztagsschulen habe sich dies grundsätzlich geändert. Was natürlich auch alle anderen Sportvereine betrifft. Außerdem sei vielen Eltern der Aufwand, ihre Kinder zum Schwimmunterricht zu bringen, zu groß. Kohlstedt: „Früher galt es, die Kinder zu überzeugen. Heute müssen wir an die Eltern ran.“

Wenn der sportliche Lockdown beendet ist, drohen zunächst aber ganz andere Probleme.

Nicht nur bei der SG dürfte es einen Stau geben von Kindern, die das Schwimmen lernen wollen oder aus schulischen Gründen müssen. „Ein Kurs bei uns im Sportbad darf maximal 16 Aktive haben“, erklärt Kohlstedt. Außerdem dürften auch die Kinder, die im vergangenen Jahr einen Kurs besucht haben, wieder von vorne anfangen müssen.

Im ersten Coronajahr 2020 haben also Kurse stattfinden können.

Die Pandemie klang im Sommer letzten Jahres ab. Mit einem umfangreichen Hygienekonzept konnte die SG dann mit Training und Unterricht beginnen. „Allerdings zunächst nur über einen sehr überschaubaren Zeitraum, da in den Schulferien dann wieder nichts ging. „Aktuell haben wir uns mit den Vereinen in Remscheid, die Schwimmen anbieten, in Verbindung gesetzt, um zu erfahren, was in den Ferien geplant sei“, berichtet Kohlstedt in seiner Funktion als Sprecher der Fachschaft der Schwimmer.

Dann folgte im Herbst aber der nächste sportliche Lockdown.

Allerdings konnte die SG zwei Wettkämpfe ausrichten, die auch aus wirtschaftlichen Gründen für sie wichtig waren. Dank eines ausgetüftelten Hygienekonzepts konnten der BRSNW-Cup und der Wettkampf um den Sparkassenpokal über die Bühne gehen. Kurz vor der Austragung der Deutschen Meisterschaften der Aktiven mit Handicap war dann aber Schluss. Der große Zuspruch bei den Wettkämpfen hat auch gezeigt, wie alle darauf brannten, sich miteinander zu messen.

Sollen die Veranstaltungen auch in diesem Herbst stattfinden?

Das ist die Hoffnung der SG. Für alle Wettkämpfe wird zweigleisig geplant. „Natürlich hoffen wir, dass bis dahin die Normalität wieder Einzug gehalten hat. Aber die Konzepte des vergangenen Jahres, die ja auch immer modifiziert und den Umständen angepasst werden können, liegen in der Schublade“, sagt Kohlstedt. Dass die SG auch die DM-Ausrichtung, auf die sie fast schon ein Abonnement hat, zugesprochen bekommt, sollte klappen.

Auch die zahlreichen Leistungsschwimmer der SG sitzen buchstäblich seit Monaten auf dem Trockenen. Dies dürfte sich mittel- bis langfristig negativ auswirken.

Die Aktiven der SG dürfen seit Ende Oktober vergangenen Jahres nicht im Wasser trainieren. Schwimmerinnen und Schwimmer, die den Kadern angehören, dagegen schon. Dass die Trainingsrückstände kaum aufzuholen sind, dürfte auf der Hand liegen und sich nicht nur bei den ersten Wettkämpfen deutlich bemerkbar machen.

Was konnten die Remscheider machen?

Bereits beim ersten sportlichen Lockdown im vergangenen Frühjahr hat SG-Trainerin Michelle Jünger ein Fitness-Programm für die Leistungsschwimmer per Videokonferenzen angeboten. Daran wird auch aktuell weiter festgehalten. Mittlerweile denkt der Verein auch darüber nach, Neopren-Anzüge anzuschaffen. „Dann könnte zum Beispiel individuell im Freiwasser wie in der Wuppersperre an der Kräwinklerbrücke trainiert werden“, erklärt Kohlstedt.

Ein Trainingsangebot, das wegen der Anschaffung auch mit Kosten verbunden ist. Wie ist die finanzielle Situation der SG?

Natürlich fehlen Einnahmen. Auf der anderen Seite halten sich aber auch die Ausgaben im Rahmen. Erleichtert sind die SG-Verantwortlichen über den neuen Vertrag, der mit der H2O-GmbH bezüglich der Wassernutzungsgebühren abgeschlossen werden konnte. Kohlstedt: „Der ist sehr moderat.“

Rubrik

Immer dienstags greifen wir spezielle Themen auf und haken nach. Gibt es Fragen, welche unbeantwortet sind? Oder Dinge, die unbedingt eingeordnet werden müssen?Dem nehmen wir uns an. Heute geht es um den Schwimmsport in der Zeit des sportlichen Lockdowns.

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