Neuer DHB-Vizepräsident

Interview mit BHC-Geschäftsführer Jörg Föste: „Alle wollen erkennbar besser werden!“

Jörg Föste, Geschäftsführer des Bergischen HC, freut sich auf die neuen und zusätzlichen Aufgaben, die auf ihn zukommen. Der 60-jährige Solinger ist jetzt Vize beim DHB. Foto: Andreas Fischer
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Jörg Föste, Geschäftsführer des Bergischen HC, freut sich auf die neuen und zusätzlichen Aufgaben, die auf ihn zukommen. Der 60-jährige Solinger ist jetzt Vize beim DHB.

Was BHC-Geschäftsführer Jörg Föste sich als neuer DHB-Vize vorgenommen hat.

Von Günter Hiege

Herr Föste, was hat Sie bewogen, sich für das zweithöchste Amt im deutschen Handball zu bewerben?

Jörg Föste: Nun, ich bin gefragt worden, und nach kurzer Bedenkzeit habe ich zugesagt. Es liegen spannende Zeiten vor dem deutschen Handballsport. Die Delegierten haben mir das Mandat zum Mitgestalten gegeben.

Was sind konkret die Aufgaben des Vizepräsidenten? Worin sind sie konkret eingebunden?

Föste : Wir werden das in unserem Gremium zeitnah definieren und zuordnen. Generell gilt: Die Vorstandsebene agiert operativ, die Präsidiumsebene lenkt.

Mit Bob Hanning haben Sie einen prominenten Vorgänger, der auch schon mal polarisiert hat und sich auch in die Auswahl des Bundestrainers einschaltete. Was wollen Sie übernehmen, was vielleicht anders machen als Hanning?

Föste: Zunächst einmal schätze ich Bob sehr; er hat einen bedeutenden Anteil daran, dass der DHB die aktuellen, professionelleren Strukturen entwickelt hat. Wir haben durchaus eine ganze Reihe von gemeinsamen Sichtweisen, auch wenn unser Naturell sich unterscheidet. Insofern wird sich die Herangehensweise sicher ändern. Aber das spielt ohnehin eine untergeordnete Rolle, wenn man die Sache in den Vordergrund stellt. Und das tue ich konsequent.

Wo sehen sie die Chancen für den Handball, näher an den allgegenwärtigen Fußball in der öffentlichen Wahrnehmung heranzukommen?

Föste: Sehr gut. Zunächst einmal ist das in den vergangenen Jahren bereits gelungen, wie die Reichweiten-Kennzahlen deutlich belegen. Zum anderen bietet das sogenannte „Jahrzehnt des Handballs“ einzigartige Präsentations-Möglichkeiten. Junioren-WM 2023, Männer EM 2024, Frauen WM 2025 und Männer WM 2027: allesamt Titelkämpfe auf heimischem Boden, die öffentliches und somit auch mediales Interesse auf sich ziehen werden. Darin liegen außerordentliche Chancen, die wir nutzen werden.

Wo muss der Handball insgesamt noch professioneller werden?

Föste: Nun, Deutschland - das Mutterland des Handballs - befindet sich seit einigen Jahren in einem fortwährenden Reformprozess - sowohl auf Club- und Ligenebene wie auf Verbandsebene. Die Trainer und Geschäftsführer der Clubs, HBL und HBF sowie eben der DHB machen in ihrer Gesamtheit nach meinem Dafürhalten einen sehr guten Job. Ansonsten wäre es nicht möglich gewesen, den aktuell guten Status zu erreichen. Und alle wollen erkennbar immer besser werden. Wie stark der Zusammenhalt übrigens ist - auch mit anderen Sportarten - hat sich in den Zeiten der pandemisch bedingten Friktionen gezeigt.

Ist es realistisch, dass die deutsche Mannschaft bei der Heim EM 2024 und den Olympischen Spielen im gleichen Jahr auch sportlich mal wieder um Medaillen mitspielt?

Föste: Ja, das ist realistisch, wenn auch ambitioniert. Bei den Männern gibt es in Europa acht, neun Nationen, die dieses Ziel ebenfalls mit Fug und Recht definieren können. Und für Olympia muss man sich bei einer WM qualifizieren, wo der Bewerberkreis nicht nur quantitativ – wie in früheren Jahren – sondern auch qualitativ größer wird. Da ist es dann schon ein knappes Dutzend. Bei den Frauen sind wir aktuell etwas weiter von der Weltspitze entfernt.

Welche Auswirkungen hat es auf den Bergischen HC, dass dessen Geschäftsführer jetzt DHB-Vize ist? Steigt dessen Einfluss?

Föste: Die Entwicklung des Bergischen HC wird durch diesen Umstand sicher nicht gestört.

Müssen sie als BHC-Geschäftsführer Aufgaben im Bundesliga-Verein neu delegieren?

Föste: Wir haben beim BHC ohnehin in unserem „Programm 2025“ wesentliche Meilensteine der Zukunftsgestaltung bereits vor drei Jahren definiert und aktiviert. Eine Steigerung der Organisationsstärke und somit der Effizienz und Nachhaltigkeit stand und steht auf der Agenda.

Zur Person

Der Solinger Jörg Föste ist 60 Jahre alt und vor wenigen Tagen als Vize in das Präsidium des Deutschen Handball-Bundes gewählt worden. Mehr als eine Anerkennung für die zurückliegenden Leistungen des Ehemanns und Vaters von zwei Söhnen, der als Geschäftsführer maßgeblich zum Aufschwung, zur Entwicklung und Konsolidierung des Handball-Bundesligisten Bergischer HC beigetragen hat. Das Bergische Land soll hinsichtlich des Profisports kein weißer Fleck auf das Landkarte sein. So lautet seine Antriebsfeder. Er ist seit vielen Jahren im Marketingbereich selbstständig und hat die Firma Conceptum gegründet.

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