Interview

Sogar die Milchkühe sagen Guten Tag

So sehen glückliche Wanderer aus: Die Lenneper Irmi und Wolfgang Görtz entscheiden sich jedes Jahr für neue Herausforderungen. Fotos (3): WG
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So sehen glückliche Wanderer aus: Die Lenneper Irmi und Wolfgang Görtz entscheiden sich jedes Jahr für neue Herausforderungen.
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Wolfgang und Irmi Görtz wandern über den Lechweg – sie können die 125 Kilometer nur jedem empfehlen.

Von Peter Kuhlendahl und Andreas Dach

Wolfgang Görtz gehört zu den Mitorganisatoren des Röntgenlaufs in Remscheid. Gemeinsam mit seiner Frau Irmi ist er gut eine Woche lang in Österreich am Lech entlang gewandert. Fazit: „Das können wir jedem sportlich Begeisterten empfehlen.“

Wie sind Sie auf den Lechweg gekommen?

Herrliche Momente am Lech: Das Remscheider Ehepaar genoss die traumhafte Natur trotz aller körperlicher Anstrengungen.

Wolfgang Görtz: Nachdem wir bereits den Steigerwald zweimal durchwandert haben und auch mit unseren Freunden zusammen die Alpen überquert hatten, suchten wir eine neue Herausforderung. Dabei sind wir auf die Lechweg-Wanderung gestoßen. Wir wären gerne wieder mit unseren Freunden gegangen, aber unsere Jahresplanungen für 2020 liefen diesmal nicht zusammen. So haben wir uns entschlossen, alleine zu gehen. In Form einer ausgearbeiteten Reise mit Gepäcktransport von Etappenziel zu Etappenziel.

Was war mit der Corona-Pandemie?

Görtz: In Bezug auf Corona haben wir ein wahnsinniges Glück gehabt. Am 15. Juni hat Österreich die Grenzen für Touristen geöffnet. Bis dahin stand die Reise auf der Kippe.

Warum sind Sie den Lechweg von Füssen zur Quelle gegangen und nicht, wie üblich, umgekehrt?

Solche fantastischen Ausblicke hatten keinen Seltenheitswert. Allerdings schien die Sonne nicht an jedem Tag.

Görtz Wir sind unterwegs oft mit der Frage konfrontiert worden. Wir glauben, so war es schöner, weil es wie ein Gipfelanstieg ist und das sieben Etappen lang. Du hast dein Ziel, den Vorarlberg, immer vor dir. Erst ganz entfernt und dann stehst du mittendrin.

Ist der Weg stark frequentiert?

Görtz Pro Etappe sind uns etwa 20 bis 30 Wanderer begegnet. Man geht recht einsam, was das Ganze zu einem fantastischen Erlebnis macht.

Waren die Touren beschwerlich?

Görtz: Jede Etappe hatte ihre eigene Herausforderung. Die ersten Touren gingen morgens ganz entspannt entlang des Lechs los. Nachmittags kamen dann die Anstiege. Wir haben sie alle geschafft, aber es war schon anstrengend. Man sollte eine gute Fitness haben, und Trittsicherheit und Schwindelfreiheit müssen im Gepäck sein. Die ersten Touren haben eine Länge von durchschnittlich 24 Kilometer, die letzten Touren waren deutlich kürzer, dafür aber mit entsprechend mehr Höhenmetern.

Kann man die Tour auch in weniger anstrengenden Etappen gehen?

Görtz: Wir haben unterwegs Leute getroffen, die sind die 125 Kilometer in neun Etappen gegangen. Also gibt es auch andere Varianten, die weniger anstrengend sind.

Braucht man Kartenmaterial oder eine App, um auf dem Weg zu bleiben?

Görtz: Der Lechweg ist hervorragend gekennzeichnet mit dem stilisierten „L“ an Bäumen, Häusern und auf Hinweisschildern. Zusätzlich gab es vom Veranstalter für jede Etappe ausführliches Kartenmaterial. Ich habe die App von „Outdooractive“ aufs Handy geladen. An manchen Stellen macht eine technische Unterstützung Sinn und sorgt für Sicherheit.

Haben Sie sich nie verlaufen?

Görtz: Doch, in Elbigenalp haben wir eine Ehrenrunde gedreht, bis wir nach einer Viertelstunde gemerkt haben, dass wir den Weg entgegengesetzt gehen.

Sind Sie wirklich die ganzen 125 Kilometer gegangen?

Görtz: Offen gestanden fehlen uns sechs Kilometer. Es war die dritte Etappe, bei der sich am Morgen herausstellte, dass wir am Nachmittag wahrscheinlich abbrechen müssen, weil ein Unwetter kommen sollte. Das Unwetter kam nicht, es wurde aber unerträglich heiß, und wir wollten uns gesundheitlich nicht überfordern. Also sind wir in Häselgehr in den Bus gestiegen und bis nach Holzgau gefahren.

Was ist mit Verpflegung und Einkehrmöglichkeiten unterwegs?

Görtz: Der Lechweg ist kein Genussweg im gastronomischen Sinne. Seine Stärken liegen in der wunderbaren Natur. Da musst du dich schon mit kleinen Snacks für unterwegs versorgen und mit ausreichend Flüssigkeit. Wenn es Einkehrmöglichkeiten gab, kamen sie entweder zu früh oder am Ziel.

Ist der Lech tatsächlich so wild, wie er immer beschrieben wird?

Görtz: Ein klares Ja. Immer wieder fragst du dich, wo diese Unmengen an Wasser bleiben, die da in wilder Hast an dir vorbeirauschen. Dann gibt es auch Momente, da hast du Lust, in den Fluss zu gehen. Da ist aber keine gute Idee, sicherlich strandet man mit unzähligen blauen Flecken irgendwo am Ufer. Wenn überhaupt . . .

Aber es sollte doch eine Badehose für unterwegs dabei sein. Warum?

Görtz: Tatsächlich bin ich einmal in einem herrlichen Baggersee schwimmen gewesen, und es war traumhaft erfrischend und ganz schön kalt.

Gibt es unterwegs touristische Attraktionen?

Görtz: Wenn man den Weg zum ersten Mal geht, ist man nicht besonders erpicht, diese auch wahrzunehmen. Wir haben uns einmal in eine Seilbahn gesetzt und sind auf die Jöchelspitze gefahren, es war fantastisch. Eine Attraktion konnten wir im wahrsten Sinne des Wortes allerdings nicht umgehen. Es ist die Hängebrücke bei Holzgau, über welche der Lechweg führt. Sie war bis vor kurzem mit 200 Metern noch die längste Hängebrücke in Österreich. Es war windig an dem Tag, also Schaukeln im Preis inbegriffen.

Gab es gefährliche Momente?

Görtz: Sicherlich war der Weg an einigen Stellen grenzwertig und hat uns alles abverlangt. Eine extreme Herausforderung war, als eine kleine Herde ausgewachsener Milchkühe auf uns zukam und eine davon unbedingt von meiner Frau auf der Nase gestreichelt werden wollte.

Welche Etappe war die schönste?

Görtz: Herausragend waren bei der ersten Etappe die Ufer des Alpsees, sein grünes klares Wasser und natürlich der Blick auf die Königsschlösser. Dann auf der vorletzten Etappe der Anstieg nach Lechleiten, einem kleinen Bergdorf in der Nähe von Warth. Hier war auch unser Hotel. Dort hatten wir ein dann Zimmer mit einer fantastischen Panoramasicht.

Hat immer alles so gut geklappt?

Görtz: Mit viel Glück, ja! So sind wir bei der letzten Etappe am Formarinsee um 15.40 Uhr dort oben angekommen. Um 16 Uhr fährt der letzte Bus runter ins Tal.

Wie war das Wetter?

Görtz: Bei der zweiten und vorletzten Etappe sind wir in heftige Regenschauer gekommen, aber das gehört halt dazu. Wenn man gut ausgerüstet ist, ist das kein Problem.

Als Sie von Lech am letzten Tag zurück nach Füssen mussten, wo Ihr Auto stand – wie funktionierte das?

Görtz: Entspannt und fast kostenlos mit dem Wanderbus erstmal bis nach Reutte. Von da aus fährt der Postbus nach Füssen. Das Ganze ist aufeinander abgestimmt.

Welche Wanderung war die schönste? Die im Steigerwald, die Alpenüberquerung oder der Lechweg?

Görtz: Man kann die Wege nicht miteinander vergleichen. Der Lechweg vereint eine unbeschreiblich schöne Natur in einer beeindruckenden Bergwelt. Also ist er einmalig.

Würden Sie den Lechweg in dieser Form noch einmal gehen?

Görtz: Auf alle Fälle wieder.

Persönlich

Wolfgang Görtz liebt den Sport, liebt die Bewegung. Volleyballer, Wanderer, Übungsleiter – damit ist nur ein kleiner Teil der Vorlieben des 71-jährigen Lennepers aufgezählt. Er gehört auch zu den Männern der ersten Stunde beim Röntgenlauf und zählt seit 2001 zu den Organisatoren der Veranstaltung. Mit Ehefrau Irmi macht er in jedem Jahr Gebirgswanderungen.

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