Analyse

So wird man Lehrer im Kitesurfen

So wird es gemacht. Frank Berghoff nutzt die Mittagspausen gerne, um sich selbst aufs Brett zu stellen.
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So wird es gemacht. Frank Berghoff nutzt die Mittagspausen gerne, um sich selbst aufs Brett zu stellen.
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Der Remscheider Frank Berghoff macht gerade seine Ausbildung in Ägypten.

Von Andreas Dach

Man kennt ihn als Augenoptikermeister mit Geschäft auf der Remscheider Allee-Straße. Wer früh aufsteht, erlebt ihn auch als Läufer, der beinahe täglich seine Runden um die Remscheider Talsperre dreht. Was viele nicht wissen: Frank Berghoff ist seit gut einem Vierteljahrhundert begeisterter Kitesurfer. Zurzeit macht der 59-Jährige gerade seine Ausbildung zum Kitesurf-Instructor in Ägypten. Wir gehen unter anderem der Frage nach: Kann jeder ein solcher Ausbilder werden?

Wie kommt man auf die Idee, andere in einem Bereich schulen zu wollen, der meist nur in Urlaubsgebieten angeboten wird?

Frank Berghoff mit Schülerin Julia, die bei ihm eine Ausbildung gemacht hat. Da kam am Strand von El Gouna, einem Paradies für Surfer und Kitesurfer, natürlich Freude auf.

Berghoff macht mit seiner Ehefrau Simone gerne Urlaub in El Gouna. Dort gibt es nahezu perfekte Möglichkeiten zum Kitesurfen. „Wenn ich mal Rentner bin, möchte ich hier mal arbeiten“, hat der Remscheider schön häufiger gesagt. Ob im Spaß oder im Ernst – das wird er selbst am besten wissen. Als nun in einem einschlägigen Magazin genau dort in Ägypten eine Instructor-Ausbildung angeboten wurde, schlug er zu und entschied sich für eine fünfwöchige Auszeit von seinem eigentlichen Beruf als Optiker.

Man fliegt einfach hin, nimmt an einem Lehrgang teil und ist Ausbilder?

Wer sich das so einfach vorstellt, liegt komplett daneben. Berghoff berichtet: „Es macht total Spaß, ist aber auch sehr anstrengend.“ Zunächst einmal war da im Falle von Berghoff die einwöchige Einheit auf Fehmarn. Dort hat er sich ausbildungstechnisch das Rüstzeug geholt, war danach theoretisch schon ein Kitesurf-Instructor. Die Realität aber sieht anders aus. Es schließt sich ein Praktikum an, das mindestens drei Wochen dauert und 100 Stunden Schulung auf dem Wasser vorsieht.

Wie genau muss man sich vorstellen, was Berghoff gerade in Ägypten zu tun hat?

Nach und nach bekommt er eigene Schüler, unterrichtet sie. Allerdings hat er immer einen sogenannten Schattenmann im Rücken. Einen lizensierten Ausbilder, der sein Handeln und seine Anweisungen überprüft. Die Nachbesprechung findet dann ohne die Schüler statt. Darin gibt es Lob und Kritik. Ganz zu Beginn ist man selbst Schattenmann und saugt in sich auf, wie und was der Lehrer unterrichtet. Dann dreht sich das Blatt.

Wie fühlt es sich an, andere zu unterrichten?

Auf jeden Fall aufregend. Berghoff hatte es unter anderem mit einem Pärchen aus Frankreich zu tun. Man profitierte gegenseitig voneinander. Der Remscheider sammelte französische Sprachkenntnisse, die anderen beiden bekamen das Kitesurfen nahegebracht. Sport funktioniert immer. Irgendwie. Witzigerweise hatte Frank Berghoff auch schon einen Remscheider unter seinen Fittichen.

Wann darf sich Berghoff endlich offiziell Instructor nennen? Am 19. November, wenn seine Zeit in Ägypten offiziell endet?

Nein. Erst einmal gibt es bis dahin noch jede Menge zu tun. Er muss noch ein komplettes Sicherheitskonzept der Schule schreiben, einen Materialcheck durchführen, eine Motorbooteinweisung bekommen. Dazu muss er den Spot beschreiben. Wo ist das Riff? Wo sind Steine? Wo ist die Strömung? Allesamt Dinge, welche in die sogenannte Praktikumsmappe kommen und im Anschluss nach München geschickt werden. Dort, beim Verband Deutscher Wassersport-Schulen (VDWS) werden die Unterlagen ausgewertet. Entsprechen diese den Anforderungen, dürfte sich in etwa zwei Monaten offiziell das gewünschte Papier in den Händen Berghoffs befinden.

Hat ihn selbst die Ausbildung weitergebracht?

Und wie. Er selbst hat Freunden schon in der Vergangenheit das Kitesurfen beigebracht. Er sagt: „Nun weiß ich, welche Fehler ich dabei gemacht habe.“ Gravierend waren sie nicht, gewurmt haben sie ihn aber. Grundsätzlich kann man aus solchen Wochen viele Dinge ziehen, die hilfreich sind. Man denke unter anderem auch an Mitarbeitermotivation.

War seine Ehefrau die komplette Zeit an seiner Seite?

Nein, Simone Berghoff war zwei Wochen in Ägypten. Dann ist sie mit folgenden Worten heimgereist: „Wehe, Du kommst ohne Lizenz nach Hause.“ Wie es aussieht, hat ihre liebevolle „Drohung“ Früchte getragen. Berghoff befindet sich auf dem finalen und guten Weg seiner Ausbildung.

Was will er künftig mit der Instructor-Lizenz anfangen? Wirklich als Rentner irgendwann in Nordafrika am Strand arbeiten?

„Vielleicht helfe ich während meines Urlaubs mal dort aus“, hat er sich vorgenommen. Mehr als zwei Tage sollten das dann aber nicht sein. Urlaub ist Urlaub.

Kann man als Kitesurf-Lehrer gutes Geld verdienen?

Eher nicht. Die Arbeit ist hart, Stunden werden reichlich gekloppt, wie man so schön sagt. In Zypern wird gerade in einem Club Med ein solcher Lehrer gesucht. Kost und Logis sind frei, dazu gibt es eine Vergütung, die bei 900 Euro liegt. Das wird sich manch einer überlegen. Oder er oder sie ist in jeglicher Hinsicht dem Kitesurfsport verfallen.

Kitesurfen

Beim Kitesurfen handelt es sich um einen Wassersport, bei welchem man auf einem Board steht, das Ähnlichkeit mit einem kleinen Surfbrett hat. Er wird von einem Lenkdrachen gezogen. Wellen und der Zug des Drachens können dabei für Sprünge als Unterstützung genutzt werden.

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