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AFC Amboss: Sieg ist aufgeschoben, nicht aufgehoben

Enttäuschte Gesichter: Headcoach Paolo Bizzarri (Mitte) versuchte, seine Mannschaft gleich nach dem Spiel wieder aufzurichten. Foto: Andreas Dach
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Enttäuschte Gesichter: Headcoach Paolo Bizzarri (Mitte) versuchte, seine Mannschaft gleich nach dem Spiel wieder aufzurichten.
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Der AFC Amboss verliert das Oberliga-Derby bei den Greyhounds nach großem Kampf.

Remscheid. Als sich alle abgeklatscht und die Schutzhelme von den Köpfen gerissen hatten, ertönte zu guter Letzt noch das Bergische Heimatlied. So etwas wie die Hymne der Region und ein stimmungsvoller Abschluss nach einem hartumkämpften Derby der Football-Oberliga.

Dabei hatte der AFC Remscheid Amboss als krasser Außenseiter bei den als Aufstiegsmitfavorit gehandelten Greyhounds aus Wuppertal keinesfalls sein blaues Wunder am Gelben Sprung erlebt. Nein, die Mannschaft von Neu-Headcoach Paolo Bizzarri hat im Rahmen der höchst bescheidenen personellen Möglichkeiten einen sehr beherzten Auftritt hingelegt und zumindest in der ersten Hälfte den Eindruck vermittelt, durchaus Zählbares aus dem Tal mitnehmen zu können.

Letztlich wurde es eine 12:19 (12:13)-Niederlage, die in Ordnung ging, aus der man aber viel Kraft und Moral schöpfen können wird.

Das war eindeutig der Tenor danach. Nach dem Spiel. Und nach dem Heimatlied. „Wenn man bedenkt, dass uns nur 30 Leute zur Verfügung gestanden haben, können wir darauf aufbauen“, sagte Bizzarri.

„Die Energie war da“, formulierte es Rückkehrer Pongsagorn Tommy Le. „Alle haben sich im Spiel wohlgefühlt.“

Aus kämpferischer Sicht konnte man dem AFC Amboss (hier mit Jan Hermann) absolut nichts vorwerfen.

Schließlich meinte der Vorsitzende Christian Müller: „Es war mehr drin für uns.“

Allesamt Aussagen, die für sich sprechen. In der ersten Hälfte war der Amboss sogar die bessere Mannschaft gewesen, hatte den nervösen Gastgeber schnell überrascht. Nach einem punktlosen ersten Viertel sorgte der erste Touchdown der Saison für die 6:0-Führung. David Gamenick nutzte den Pass von Tom Schröder zur Führung. Schade, dass Kicker Max Wandschura kein Zusatzpunkt gelang.

Die Greyhounds reagierten wütend und hatten in dem US-Amerikaner A.J. Brown ihren stärksten Mann. Er trieb das Laufspiel unermüdlich an und sorgte für Schwerstarbeit in der Defense der Gäste, die auf einen Rückstand (zwei Touchdowns) mit einem Touchdown ihrerseits reagierten. David Engelmann machte die Partie noch vor der Pause wieder spannend.

Nach dem Seitenwechsel dann schwanden die Kräfte mehr und mehr. Der Amboss geriet unter einen Dauerdruck. Entlastung fand fast keine mehr statt. Es wurde immer mehr zum Abnutzungskampf.

Während die Greyhounds munter durchwechseln konnten und immer wieder frische Kräfte brachten, waren den Remscheidern diesbezüglich weitgehend die Hände gebunden. Doch die Moral war da. Selbst in dem Moment noch, da sich Defensive Tackle Steven Rhanes schwer am Fußgelenk verletzte. Seine Schmerzensschreie auf Höhe der Mittellinie schienen ganz Barmen erreichen zu können. Da bekam manch einer Gänsehaut. „Ich weiß nicht genau, wie es passiert ist“, gab das Kraftpaket später zu Protokoll. „Es hat einfach nur knack gemacht.“

Besonders bitter für ihn: Von 2012 an hatte er für die Greyhounds gespielt, war erst zu dieser Saison zum Amboss gewechselt. Logisch, dass er es den alten Kameraden und auch seinem „kleinen Bruder“, der weiterhin für die Wuppertaler dem Ei nachjagt, zeigen wollte. Das gelang bis Mitte der zweiten Hälfte. Dann konnte er das Geschehen nur noch dick bandagiert und mit Icepacks versehen von draußen verfolgen.

Irgendwann sorgte der Gastgeber mit einem weiteren Touchdown für die Vorentscheidung (19:12). Aufgeben? Keine Option für den AFC Amboss. „Es ist das letzte Quarter, gebt noch einmal alles“, schrie Hans Darius Schulz. Seine Worte verpufften. Die Offense des Amboss kam trotz der unermüdlichen Bemühungen von Quarterback Tom Schröder fast weitgehend zum Erliegen. Er stand bei jedem Angriffsversuch unter Dauerdruck.

„We do it again“, sagte Christian Müller am Ende eines langen Football-Tages. „Wir versuchen es noch einmal.“ Schon kommende Woche sollen die ersten Zähler her.

Ausblick: Samstag spiel AFC Ambiss gegen Münster Mammuts in Reinshagen

Am kommenden Samstag kommt es in der Football-Oberliga für den AFC Remscheid Amboss nicht nur zum zweiten Spieltag, sondern auch zum ersten Heimspiel in der neuen Saison. Um 15 Uhr empfängt man die Münster Mammuts im Stadion Reinshagen. Einlass ist bereits um 13 Uhr. Der Eintritt beträgt sechs Euro, Minderjährige haben freien Eintritt.

Headcoach Paolo Bizzarri sieht gute Chancen, die Punkte gegen die Münsterländer einzufahren. „Sie sind genauso aufgestellt wie wir“, sagte er in Richtung seines Teams. Was bedeutet: Auch die Mammuts haben einen arg dünnen Kader. Moral und Nervenstärke könnten den Ausschlag geben. Beides hat der Amboss trotz der 12:19-Niederlage in Wuppertal nachgewiesen.

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