Tischtennis

Sie wollen einfach nur spielen

Bastian Rosbach steht für den Remscheider TV seit vielen Jahrzehnten an der Tischtennisplatte. Foto: Michael Sieber
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Bastian Rosbach steht für den Remscheider TV seit vielen Jahrzehnten an der Tischtennisplatte.
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Das Remscheider Tischtennis-Urgestein Bastian Rosbach hatte seit Monaten keinen Schläger mehr in der Hand.

Von Peter Kuhlendahl

Der Westdeutsche Tischtennis-Verband hat am vergangenen Wochenende den Abbruch der Saison bekanntgegeben. Dies kommt zwar nicht überraschend. Aber doch früher als eigentlich geplant.

Bastian Rosbach: Ursprünglich wollte man abwarten, ob man Anfang April, also kurz nach Ostern, wieder spielen könnte. Jetzt hat sich der WTTV wohl an anderen Sportarten orientiert. Außerdem hatten bereits alle anderen Tischtennis-Verbände diesen Schritt vollzogen.

In der Folge des Abbruchs wurde zudem die Saison annulliert. Es gibt keine Auf- und Absteiger. Sie sind mit Ihrem Team, dem Remscheider TV, in der Landesliga angetreten, um den Klassenerhalt zu schaffen. Haben Sie das Erreichen Ihres Saisonziels schon gefeiert?

Rosbach (lacht): Na klar, mit einer virtuellen Feier. Nein, Spaß beiseite. Wir hätten das natürlich viel lieber aus sportlicher Sicht geschafft. Unser oberestes Ziel ist, unseren Sport zu auszuüben. Das alleine ist uns wichtig. Und ehrlich gesagt, ist es da auch völlig egal, in welcher Liga wir das am Ende machen.

Hypothetische Frage: Wie hätten Sie aus sportlicher Sicht in dieser Saison abgeschnitten?

Rosbach: Zum Zeitpunkt der Unterbrechung im Oktober belegten wir den siebten Tabellenplatz. In sechs Spielen hatten wir einen Sieg und zwei Remis geholt. Wir haben bewiesen, dass wir in der Liga hätten mithalten können. Und waren auch optimistisch, unser Ziel sportlich zur erreichen.

Sie haben den Zeitpunkt der Unterbrechung erwähnt. Das ist mehr als vier Monate her. Haben Sie und Ihre Teammitglieder irgendwie trainieren können?

Rosbach: Ich habe seit der Unterbrechung wegen des sportlichen Lockdowns keinen Schläger mehr in der Hand gehalten. Das ist fast allen so gegangen. Die Zeiten, dass man Zuhause im Keller eine Platte stehen hat, sind längst vorbei. Das würde auch nichts bringen. Jeder versucht, sich individuell körperlich fit zu halten.

Seit mehr als 35 Jahren sind Sie im Tischtennissport aktiv. Hatten Sie schon einmal eine solange Pause?

Rosbach: Noch nie. Selbst bei Verletzungen zum Glück nicht. Und eine kleine Pause hat es sonst nur urlaubsbedingt mal im Sommer gegeben. Wir wollen immer einfach nur spielen. Das ist der Antrieb für uns alle.

Sie haben also keine Erfahrung mit einer so langen Unterbrechung. Haben Sie sich denn schon Gedanken gemacht, wie Sie wieder ins Training einsteigen?

Rosbach: Da brauchen wir alle mit Sicherheit eine Eingewöhnungsphase. Sich einfach an die Platte stellen und loslegen, wird nicht gehen. So blöd es sich anhört. Obwohl wir fast alle im Team sehr lange dabei sind, müssen wir den einen oder anderen Grundschlag erst wieder erlernen.

Bleibt Ihre Mannschaft in der neuen Saison komplett zusammen? Oder hat der eine oder andere festgestellt, dass es auch ohne Tischtennis geht und man seine Freizeit anders nutzen kann?

Rosbach: Wir bleiben komplett zusammen. Auch weil bei allen der gegenteilige Effekt eingetreten ist. Unsere Spiele finden ja immer samstags statt. In den Zeiten des Lockdowns kann man zum einen auch nichts anderes machen. Und zum anderen haben wir alle festgestellt, dass das Fernsehprogramm am Samstagabend unfassbar schlecht ist.

Aber Sie sind doch ein großer Fußball-Fan und auch oft bei den Heimspielen des FC Remscheid im Stadion.

Rosbach: Ich schaue aber kaum noch Fußball im Fernsehen. Die Geisterspiele völlig ohne Atmosphäre sind überhaupt nicht mein Ding.

Zurück zum Tischtennis. Gibt es vom Verband Signale, wie und wann es weitergehen könnte?

Rosbach: Grundsätzlich hoffen wir, dass die Meisterschaftsrunde wie in jedem Jahr Ende August oder Anfang September losgeht. Die Vereinsmeldungen für die Ligen müssen bis Anfang Juni gestellt werden. Ansonsten hoffen wir, dass wir bald wieder in die Halle können. Da wir ja kein sogenannter Kontaktsport sind und noch die Hygienekonzepte in der Schublade haben, bin ich vorsichtig optimistisch. Dann könnten wir uns über den Sommer in aller Ruhe vorbereiten.

Gehen Sie davon aus, dass die Zusammenstellung der Ligen so bleiben wird, oder könnte es größere Veränderungen geben.

Rosbach: Wir gehen davon aus, dass nur die Jahreszahlen ausgetauscht werden. Aus der Saison 2020/21 wird einfach die Saison 2021/22.

Darüber schwebt aber doch die Unsicherheit, ob auch alle Vereine mit ihren Mannschaften an Bord bleiben.

Rosbach: Darüber wird Anfang Juni Klarheit herrschen. Der Verband hat allen ja außerdem die Möglichkeit eingeräumt, freiwillig eine Klasse tiefer zu starten. Wenn vier oder fünf Teams aus unserer Landesligagruppe verschwinden würden, dürfte es Veränderungen geben. Aber ich gehe mal nicht davon aus.

Unabhängig davon ist es um den Nachwuchs im Tischtennis nicht sonderlich gut bestellt. Oder täuscht der Eindruck?

Rosbach: Der täuscht ganz und gar nicht. In Remscheid ist es fast schon eine Katastrophe. Beim RTV suchen wir aktuell zum Beispiel auch händeringend nach einem Trainer für unseren überschaubaren Nachwuchs. Aber selbst das ist schwierig.

Was sind für Sie die Gründe, dass es im Tischtennis solche Nachwuchsprobleme gibt?

Rosbach: Die sind in meinen Augen vielfältig. Natürlich liegt es zum einen am Desinteresse der Kinder selbst. Und außerdem hat mittlerweile kaum noch einer eine Tischtennisplatte Zuhause. Das war früher eben ganz anders. Aber auch die Eltern haben ihren Anteil an der negativen Entwicklung. Da fehlt einfach die Förderung oder der Anschub, dass die Kids sich sportlich betätigen. Und auch in den Vereinen ist es anders als früher. Ich kannte zum Beispiel einen langjährigen Vereinsbetreuer, der sich damals rührend um den Nachwuchs gekümmert hat.

Wie war Ihr Weg zum Tischtennis?

Rosbach: Bei mir war es genau der klassische Weg. Wir hatten Zuhause eine Tischtennisplatte. Ich habe sehr oft mit meinem Bruder gespielt. Dann auch mit Nachbarskindern. Und in der Siedlung, in der wir damals gewohnt haben, spielten Jugendliche im Verein und so habe ich mit 13 Jahren bei der SG Kolping angefangen. Nach meiner Jugendzeit hätte ich dort dann in der damaligen 5. oder 6. Seniorenmannschaft spielen sollen. Dann bin ich lieber zum RTV gewechselt.

Haben Sie dann immer für den Remscheider TV gespielt, und was waren Ihre größten Erfolge mit dem Team?

Rosbach: Unsere erfolgreichste Zeit war vor rund 20 Jahren. Da haben wir in der damaligen Verbandsliga in der Spitze mitgemischt und um den Aufstieg in die Oberliga gespielt. Dabei muss man wissen, dass die Verbandsliga damals deutschlandweit die 4. Liga war. Mit einer Ausnahme von einem halben Jahr in Ronsdorf habe ich ansonsten immer beim RTV gespielt. Und will es auch weiterhin machen.

Zur Person

Bastian Rosbach wurde am 23. Februar 1973 in Remscheid geboren. Dort wohnt er mit seiner Lebensgefährtin. Rosbach ist geschieden und hat zwei Kinder. Bei der Firma Martor in Solingen, die Sicherheitsmesser produziert, ist er Leiter der Personalabteilung. Im Alter von 13 Jahren hat Rosbach bei der SG Kolping Remscheid mit dem Tischtennis begonnen. Im Seniorenalter ist der dann zum Remscheider TV gewechselt.

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