An der frischen Luft mit...

Sein Hobby macht so richtig neugierig

An einem der – hoffentlich – letzten gefühlten Wintertage an der Remscheider Talsperre genoss Tiberius Jeck beim Spaziergang die frische Luft. Foto: Peter Kuhlendahl
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An einem der – hoffentlich – letzten gefühlten Wintertage an der Remscheider Talsperre genoss Tiberius Jeck beim Spaziergang die frische Luft.
  • Peter Kuhlendahl
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...Tiberius Jeck – Der designierte HGR-Geschäftsführer hat reichlich zu tun.

Über Langeweile kann sich Tiberius Jeck nicht beklagen. Sei es bei seiner beruflichen Tätigkeit als DVAG-Direktionsleiter, als designierter Geschäftsführer beim Handball-Regionalligisten HG Remscheid, als Beiratsvorsitzender und Gesellschafter beim Handball-Zweitligisten VfL Gummersbach und natürlich als Ehemann sowie Vater von drei Söhnen – er hat genug zu tun. Kein Wunder, dass die Gesprächsthemen beim gemeinsamen Spaziergang um die Remscheider Eschbachtalsperre nicht ausgingen. Kurz vor dem Erreichen der Staumauer gibt es dann eine im ersten Moment überraschende Antwort auf die Frage, ob er denn noch ein weiteres Hobby hätte. „Ja, die Menschen!“

Doch rückblickend auf all das, was der Lenneper beim rund 60-minütigen Gang um die Sperre erzählt hat, hätte man fast schon selbst darauf kommen können. Der 50-Jährige ist einfach neugierig auf die Menschen, die um ihn herum sind. Und er fördert sie. Fordert sie aber auch gleichzeitig, da es für ihn keine halben Sachen gibt. Wie zum Beispiel bei seinem Engagement bei der HGR. „Da trete ich nicht an, um künftig vor dem Saisonstart den Klassenerhalt als Ziel auszurufen“, sagt er. Betont aber auch gleichzeitig, dass er die dort bisher handelnden Personen mitnehmen will und sich als Teamplayer versteht: „Im Mittelpunkt brauche ich dort nicht zu stehen.“

Dies hat er auch in den vergangenen Jahren bei den Remscheidern schon nicht gemacht. Hinter den Kulissen hat Jeck da bereits an der Seite von Ralf Hesse, der sich an vorderster Front seit Gründung der HGR um den Verein bemüht, gestanden. Auch als Sponsor. Und vor gut zwei Jahren sogar noch mal auf der Platte. Da hatte der damalige Oberligist zwischen den Pfosten große personelle Probleme, und Jeck hatte ein letztes Mal das Torwart-Trikot übergestreift. Als Hesse schließlich den Stab weitergeben wollte, konnte die Wahl nur auf Jeck fallen.

Dessen handballerische Wiege steht indes bei der Lenneper TG, die im Jahr 2001 mit dem Hastener TV in die HG Remscheid überging. Und da Jeck bereits mit 27 Jahren LTG-Abteilungsleiter war, gehörte er vor 20 Jahren zu den Gründungsvätern der HGR. Wobei Ralf Hesse damals sein Pendant beim HTV war. Den Weg in die Vereinsarbeit hatte ihm übrigens Erich Heckmann geebnet. „Er hat mir damals sehr geholfen. Stand mir auch in beruflichen Dingen zur Seite.“

2019 half Tiberius Jeck noch einmal im HGR-Tor aus. (Archivfoto)

In Lennep durchlief Jeck alle Nachwuchsteams. Früh landete er auch im Tor. „Schuld daran war übrigens der damalige Nachwuchstrainer Constantin Patrascu. Der meinte, ich hätte keine Angst.“ Und Tiberius Jeck machte seine Aufgabe so gut, dass er von der LTG-A-Jugend direkt zu Bayer Leverkusen wechselte. „Dort sollte ich eigentlich in der 2. Mannschaft spielen. Doch kurz vor dem Saisonstart verletzt sich einer der Keeper der 1. Mannschaft“, berichtet Jeck, der sich so plötzlich in der 2. Bundesliga wiederfand.

Nach zwei Jahren fühlte sich Bayer – damals pumpte der Konzern noch richtig Geld in den Handball – zu noch Höherem berufen. Jeck wechselte zum LTV Wuppertal, spielte dann auch für den Wermelskirchener TV in der Regionalliga und in Wülfrath. Seine sportliche Laufbahn endete dann bei der HSG Radevormwald/Herbeck in der Verbandsliga. „Da gab es ein Versprechen, das ich damals dem Rader Dirk Meier gegeben hatte.“

Melanie und Tiberius Jeck heirateten vor 23 Jahren. (Archivfoto)

Ein weiterer Meilenstein – sowohl aus sportlicher wie auch aus privater Sicht – war dann Jecks zwischenzeitliche Rückkehr zur LTG. Unter Trainer „Pit“ Müller ging es von der Verbands- in die Oberliga. Entscheidend für den damaligen Torhüter war jedoch, dass in Lennep damals auch seine spätere Ehefrau Melanie spielte. „Als ich sie zum ersten Mal gesehen hatte, war mir klar, sie ist meine Frau fürs Leben“, erzählt er mit einem Augenzwinkern. Mittlerweile sind Melanie und er seit 23 Jahren verheiratet.

Eine Bauchentscheidung war im Grunde auch der Grundstein für seine berufliche Karriere. Jeck hatte nach dem Abschluss auf der Höheren Handelsschule eine kaufmännische Ausbildung bei der Firma Vaillant absolviert. Es folgte der Wehrdienst, den er in Essen in der Sportförderkompanie ableistete. Bei einem Spiel mit der Militärnationalmannschaft zog er sich dann eine schwere Knieverletzung zu. „Ich weiß heute noch das genaue Datum. Es war der 2. Februar 1991 in Pulheim.“

Es folgte eine Reha. Dann trainierte Jeck im Sommer 1991 in einem Lenneper Fitness-Studio. Dort lernte er einen DVAG-Vermögensberater kennen. „Der fragte mich, ob ich mir nicht ein paar Mark dazuverdienen wolle.“ Das wollte er. Allerdings unterstützten ihn bei seinem Plan dann einzig seine Eltern. „Meine damalige Freundin, Freunde und Bekannte haben nur mit dem Kopf geschüttelt“, erzählt er.

Es war aber zunächst nur ein Nebenjob. Jeck schrieb sich an der Uni Wuppertal ein und studierte Wirtschaft-Wissenschaften. Vier Semester. In denen er auch alle geforderten Scheine ablegte. „Dann bin ich eines morgens aufgewacht und wusste, das war es.“ Bauchentscheidung eben. Er fuhr zur Uni, exmatrikulierte sich und wandet sich ganz der DVAG zu.

Dort durchlief er eine intensive Ausbildung. Es dauerte nicht lange, und er bildete selbst aus. Im Jahr 2004 wurde er schließlich zu einem der jüngsten Direktionsleiter des Unternehmens überhaupt.

Harry Altena, Tiberius Jeck, Frank Alsdorf, Axel Altena, Ralf Hesse und Roland Halfmann (v.l.) bei der HGR-Eheschließung 2001. (Archivfoto)

Bei allem beruflichen und auch sportlichen Engagement ist ihm allerdings auch die Familie sehr wichtig. Drei Jungs halten ihn und seine Melanie auf Trab. Der 19-jährige Finn-Christopher macht eine Bachelor-Ausbildung zum Tontechniker, der 15-jährige Nils-Elias besucht das Röntgen-Gymnasium in Lennep, der neunjährige Jan-Michel die Grundschule in Hackenberg. Die beiden Jüngsten gehören auch der HG Remscheid an. Spielen dort Handball.

Oder gerade eben nicht. Die Corona-Pandemie bremst den Nachwuchs der Familie Jeck nicht nur hier aus. „Gerade den Kindern wird derzeit unglaublich viel aufgebürdet“, betont Jeck, der mit seiner Ehefrau versucht, ansonsten das Leben halbwegs normal zu gestalten. Die gemeinsamen Fernreisen, die die Familie unternimmt, müssen indes noch warten. Eine gemeinsame sportliche Leidenschaft mit Melanie aber nicht: der Laufsport. „Anders als viele Handballer bin ich immer gerne gelaufen“, blickt Jeck zurück. Während seiner aktiven Zeit absolvierte er die 10 Kilometer in 37 Minuten. Mit seiner Ehefrau läuft er am Wochenende regelmäßig 15 oder 16 Kilometer. Da kommt auch die Eschbachtalsperre ins Spiel. „Wir laufen in Lennep los und drehen hier dann die eine oder andere Runde“, sagt Jeck, der für die Zeit nach Corona ein erstes laufsportliches Ziel hat: „Ich möchte bald einen Marathon laufen.“

Ein anderes großes sportliches Ziel ist der Aufstieg des VfL Gummerbach in die Bundesliga. Jeck: „Wir sind super in die Saison gestartet. Um Weihnachten rum kam ein Bruch.“ Allerdings hat das Team zuletzt zurück in die Spur gefunden.

Vom BHC hatte auch nie einer bei mir angefragt.

Tiberius Jeck

Das Engagement im Oberbergischen begann bei Jeck vor einigen Jahren. „Ich war erst nur bei den Heimspielen. Dann im VIP-Bereich.“ Und war, seinem Hobby folgend, neugierig auf die Menschen, die den Traditionsverein führten. Er wurde Mitglied des Beirats, dann im Beiratsvorstand als Vize. Als im Sommer letzten Jahres dann Hendrik Haas, der Enkel der VfL-Legende Eugen Haas, aus beruflichen Gründen den Vorstandsposten aufgab, übernahm Jeck, der nun intensiv an der Rückkehr in die Bundesliga arbeitet.

Nach der Runde gab es noch das Selfie: RGA-Sportredakteur Peter Kuhlendahl mit Tiberius Jeck.

Profitieren von seinem Engagement beim Zweitligisten sollte eigentlich auch schon die HGR. Ein Freundschaftsspiel gegen den VfL hätte längst stattfinden sollen. Wie auch Trainingsbesuche von den Profis beim HGR-Nachwuchs. Wegen der Pandemie musste dies aber alles aufgeschoben werden. Jetzt hoffen natürlich alle, dass in diesem Sommer ein frischgebackener Erstligist seine Aufwartung macht.

Davon gibt es mit dem Bergischen HC ja auch noch einen weiteren. Dass die Entfernung für Jeck von Lennep aus, wo er mit seiner Familie lebt, in die Uni-Halle anders als der Weg in die Schwalbe-Arena ein echter Katzensprung ist, hat den 50-Jährigen aber nicht zu einem Engagement dort bewogen. „Vom BHC hatte auch nie einer bei mir angefragt“, erklärt er mit einem Augenzwinkern.

Bei dieser Antwort ist die Runde um die Sperre fast geschafft. Die letzte Frage geht da noch in Richtung weiterer Hobbys. Und darauf gibt es dann eine weitere überraschende Antwort: „Ich spiele seit meinem fünften Lebensjahr Schach. Am liebsten gegen einen Computer.“

Serie

Seit Mitte November 2020 spazieren wir wöchentlich mit einem Sportler oder einer Sportlerin um die Talsperre. Bislang mit: Björn und Katrin Seide, Gerd Kentschke, Hans-Jürgen Middendorf, Hans-Werner und Christiane Baus, Horst Mettler, Yannick Peinke/Antonia Hoff, Frank Berghoff, Thomas Merten, Frank Alsdorf, Rainer Sondern, Knut Kolk, Dennis Bonna, Lars Althoff, Ines Neumann, Mike Kupfer, Bodo Monschau, Hartmut Behrensmeier, Inge Raabe, Desirée Blicke und aktuell Tiberius Jeck.

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