Motorsport

Schneewittchen bleibt nicht einziges Baby

So wettbewerbsfähig soll der Rennwagen von Marco Hackenberg bald wieder sein.Foto: Hackyracing
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So wettbewerbsfähig soll der Rennwagen von Marco Hackenberg bald wieder sein.
  • Andreas Dach
    VonAndreas Dach
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Motorsportler Marco Hackenberg fiebert dem Familienzuwachs entgegen

Es ist ländlich. Sehr sogar. Wir treffen uns am Rande von Radevormwald. Grüne Wiesen, Landluft, die Ennepetalsperre in der Nähe – Idylle pur. Marco Hackenberg bekommt davon an diesem Samstag nicht wirklich viel mit. Er kümmert sich um sein „Baby“, wie er das 170 PS starke Geschoss nennt, an welchem er gemeinsam mit seinem Freund Armin Sommer schraubt. Das ist in einem Stall untergebracht. Oder handelt es sich um eine Garage?

Wie auch immer: Wenn der 39-Jährige mit seinem richtigen Baby, das Ehefrau Natascha im November zur Welt bringen wird, so zärtlich umgeht wie mit seinem BMW e36 STW, dann wird der oder die Kleine („Ich möchte noch nicht verraten, ob es ein Junge oder Mädchen wird“) den Himmel auf Erden haben. Für solch eine Voraussage braucht man noch nicht einmal einen Prophezeiungs-Grundkurs besucht zu haben.

Notfallmäßig aufgebockt: Auf dem Weg zur Achsvermessung gab es ein paar Probleme. Aber das ließ sich zu Wochenbeginn schnell korrigieren.

Das weiße Gefährt mit dem Namen Schneewittchen wird von ihm behandelt wie ein rohes Ei. Ganz vorsichtig. Jeder Handgriff sitzt. Muss sitzen. Schließlich will Hackenberg mit seinem Rennwagen bald wieder auf die Strecke. „Heute Abend wollen wir so weit fertig sein, dass ich damit fahren kann.“ Die Achsvermessung steht an – mit dem Funktions-Check. Ein wichtiges Detail, bevor der Ernstfall wieder einmal naht. Macht Corona keinen Strich durch die Rechnung, wird der Mann aus Wipperfürth-Kreuzberg, der im Radevormwalder Wilhelmstal aufgewachsen ist, am 3. und 4. Juli in Bitburg an den Start gehen. „Das ist eine sehr schöne Strecke“, sagt er. Und ein noch schöneres Rennen, das zur DM-Serie gehört.

„Mit Fleiß, Köpfchen und Ideen halten wir dagegen!“

Marco Hackenberg, Motorsportler

Es ist kaum zu fassen, wie viel Energie der großgewachsene Motorsportler in sein Hobby steckt. Konkurrenzfähigkeit? Einige Fachleute haben seinerzeit abgewinkt, als Marco Hackenberg mit Kumpels begonnen hatte, das mittlerweile prächtige Gefährt aufzupeppen. Wie sollte er sich mit seinem Mini-Budget nur perspektivisch in der F10-Klasse gegen die große und deutlich finanzkräftigere Konkurrenz behaupten? Ja, wie? Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: „Mit Fleiß, Köpfchen und Ideen.“ Vielleicht sollte man noch Durchhaltevermögen hinzufügen. Denn Rückschläge gab es im Laufe der Jahre reichlich.

Schrauber, Fahrer, Motorsportler – Marco Hackenberg kann und mag nicht von seiner großen Leidenschaft lassen.

Doch Hackenberg liebt den Motorsport. Er hat, wie er sagt, „Benzin im Blut“. Schon in der frühesten Jugend, als er im Kart saß. Da nahm seine Laufbahn im wahrsten Sinne des Wortes Fahrt auf. Seitdem kann er nicht mehr davon lassen. 2018 fuhr er erste Rennen mit „Schneewittchen“, 2019 nahm er an den Nordrhein-Meisterschaften teil, im vergangenen Jahr an der DM. Weiter. Immer weiter.

Das Cockpit in der „Rohfassung“. So saß es morgens beim Besuch des RGA-Sports noch aus. Das sollte sich schnell ändern.

In diesem Jahr halten sich die sportlichen Aktivitäten in Grenzen. Da konzentriert er sich auf ein paar wenige Rennen. Das Baby hat Priorität. Das aus Fleisch und Blut. Seine Vorfreude ist deutlich spürbar. Erst einmal hören wir Motorengeräusche von draußen. „Das könnte meine Frau sein“, mutmaßt Marco Hackenberg. „Sie wollte uns Mittagessen bringen.“ Sie ist es nicht und bleibt trotzdem Thema. Ohne seine Natascha könnte der BMW-Fahrer seiner Leidenschaft nicht in dem Maße frönen. Manchmal ist er abends bei seinem Schneewittchen, fast immer samstags. Und dann den ganzen Tag. Hackenberg formuliert lächelnd: „Natascha hat gesagt, Schneewittchen ist die einzige Frau, die sie neben ihr an meiner Seite akzeptiert.“

Schneewittchens Heck. Durchaus peppig. Und manch ein Kontrahent sieht den BMW bei Rennen auch wirklich oft nur von hinten.

Also wird weiter gebastelt. Am Kühlsystem ist zuletzt gearbeitet worden, am Klimakasten. An vielem mehr. Dass Hackenberg in den vergangenen Monaten rund 20 Kilogramm abgenommen hat, muss nicht für Sorgenfalten bei Familie und Freunden sorgen. Im Gegenteil: „Ich habe das so gewollt!“

Er möchte fit sein für die aufregende Zeit, die ihm bevorsteht. Vor allem für den Nachwuchs, der zum Jahresende erwartet wird. Die Verantwortung für seine Liebsten war die entscheidende Triebfeder für die gesündere Ernährung. Dass ihm das bei den Rennen auch zugutekommt, ist ein zusätzlicher Aspekt. Er will die vermeintlich übermächtige Konkurrenz wieder ärgern. „Das macht doch am meisten Spaß“, findet der Lenneper Armin Sommer, der ihm bei jeder Möglichkeit zur Hand geht. Ein echter Freund halt.

Wie gut, dass Hauptsponsor Axel Duffner aus dem Schwarzwald dem Team „Hackyracing“ auch in Coronazeiten treu geblieben ist. Der Hotelier („Schöne Aussicht“) war selbst früher Rennfahrer. So sind auch die Aussichten für Marco Hackenberg in jeder Hinsicht schön. Seine Babies werden sich freuen . . .

Gut zu wissen

Wie geplant, ist „Schneewittchen“ am Samstagabend erstmals in 2021 selbstständig gefahren. Allerdings ein wenig anders, als dies vorgesehen war. Man brauchte einen „gelben Engel“ in Person von Marco Hackenbergs Ehefrau Natascha. Die kleineren Probleme wurden schon in der Nacht auf den Sonntag behoben.

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