Kampfgeist

Schlaganfälle: Barenhoff ist hoffnungsfroh

Mittendrin statt nur dabei: Ralf Barenhoff bei einem IGR-Spiel (über dem h von „Bergische Jungs“).
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Mittendrin statt nur dabei: Ralf Barenhoff bei einem IGR-Spiel (über dem h von „Bergische Jungs“).
  • Andreas Dach
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Der ehemalige Fußballer und große Fan der IGR Remscheid kämpft um seine Genesung.

Von Andreas Dach

Diese Geschichte über Ralf „Barny“ Barenhoff soll Mut machen. Soll zeigen, was Kampfgeist, Lebensfreude und Willen möglich machen können. Attribute, die man häufig Sportlern zuordnet. Der Lenneper ist einer von ihnen.

Vorweg: Der 62-Jährige ist in keinem guten Zustand. Er sitzt nach schicksalhaften Monaten derzeit im Rollstuhl, macht bestenfalls ein paar Schritte mit dem Rollator. Bevor das Gleichgewicht ihm einen Streich spielt und er wieder Platz nehmen muss. Dass der einstige Fußballer (Kreis Remscheid und Betriebssport) überhaupt so weit ist, hat er vielen liebenswerten Menschen aus seinem direkten Umfeld zu verdanken, die ihn unterstützen. Und eben sich selbst. Seiner Lust aufs Leben.

„Meine linke Seite war vollkommen out of order!“

Ralf Barenhoff, langjähriger Fußballer und großer Fan der IGR Remscheid

Es ist eine rein spekulative These, dass nicht jeder geschafft hätte, was er bis hierhin und heute geschafft hat. Hinter Ralf Barenhoff liegen sage und schreibe fünf Schlaganfälle. Noch einmal zur optischen Verdeutlichung: F-Ü-N-F! Die Leidensgeschichte „Barnys“, wie ihn seine Kumpels seit Kindesbeinen nennen, begann am 28. Oktober. „Da“, erinnert sich der gebürtige Remscheider, der für den BV 08, den VfB 06/08, Union Solingen, den Hastener TV, die SG Hackenberg und im Betriebssport für die SG Fort Blücher, die BSG Edessö und den RTB gespielt hat, „konnte ich nicht mehr richtig laufen“. Barenhoff: „Meine linke Seite war vollkommen out of order.“

Im Sana-Klinikum diagnostizierte man zwei Schlaganfälle. Einen offenbar unbemerkten, der schon eine Woche zurücklag, und nun einen aktuellen. Noch auf der Intensivstation folgte ein dritter Schlaganfall, ehe der Lenneper Mitte November die Reha in Bad Driburg antrat.

Damit war die Apoplexie-Serie für Barenhoff noch nicht beendet. Und die Reihe seiner Krankenhaus- und Rehabilitationsstationen auch nicht. „Andere“, sagt seine Ehefrau Sabine, von der er getrennt lebt, die sich in dieser schwierigen Zeit aber trotzdem um ihn kümmert, „hätten nicht geschafft, was er geschafft hat.“ Vierter Schlaganfall, Intensivstation Höxter, zurück nach Driburg, Schlaganfall Nummer fünf, Höxter, Uni-Klinik Essen und wieder Bad Driburg – ein unglaublicher Weg voller Hoffen, Bangen und (Ver-)Zweifeln liegt hinter ihm.

Ohne Rollstuhl geht für Ralf Barenhoff derzeit fast nichts.

Seit ein paar Tagen nun ist Ralf Barenhoff wieder daheim. Am Henkelshof, wo er mit seiner Freundin lebt und wo auch seine Ehefrau in unmittelbarer Nähe ihr Zuhause hat. Die beiden Frauen arrangieren sich gut, um Barny Barenhoff bestmöglich zu unterstützen.

Das wird nötig sein, damit er wieder auf die Beine kommt. Physiotherapie, Logopädie, Ergotherapie, das Warten auf den Pflegegrad – es steht einiges an in der nächsten Zeit. Und es braucht Geduld, Durchhaltevermögen. „Kleinhirninfarkte sind zu 90 Prozent reversibel“, sagt Sabine Barenhoff. Sie ist gelernte Krankenschwester. Das macht Mut. Ein kaputtes Gefäß im Gehirn (Dissektion) hatte den Leidensmarathon eingeleitet. Mit Blutverdünnern versuchen die Ärzte, einen erneuten Rückfall zu verhindern. „Ich nehme jetzt Marcumar“, setzt Ralf Barenhoff auf das blutgerinnungshemmende Präparat.

Er möchte zurück ins Leben und (zumindest fast) wieder der Alte werden. Fast 40 Jahre hat der Lenneper fleißig bei der Firma Edessö gearbeitet, war dort zuletzt stellvertretender Fertigungsleiter. Bis ihn eine kaputte Hals- und Lendenwirbelsäule aus dem Gefecht zog. Jetzt die fünf Schlaganfälle. Es gibt schönere Möglichkeiten, den Spätsommer des Lebens zu erleben. „Er bekommt das hin“, ist sich Sabine Barenhoff sicher.

Solche Aussagen sind Balsam für die Seele des Ralf Barenhoff. Wie auch die vielen aufmunternden Rückmeldungen, die er nach Bekanntwerden seiner Erkrankung über die sozialen Netzwerke bekommen hat. Speziell vonseiten der IGR Remscheid ist geradezu ein Genesungshagel über ihn herniedergegangen. Früher war „Barny“ regelmäßig am Stadtpark zu Gast, wenn die Jex’, Leonhardts und Fromanns dort unter freiem Himmel ihre nationalen und internationalen Rollhockeyspiele austrugen. Seit 2017 hat ihn das Fieber erneut gepackt.

Einer seiner beiden Jungs, Julian, hatte ihn mit zu einem Spiel in die Halle Hackenberg genommen. Ruckzuck war es um Barenhoff geschehen. Keine Heim- und keine Auswärtspartie sollte seitdem mehr ohne seine lautstarke Unterstützung stattfinden. „Das ist einfach eine tolle Clique mit Marc Ronge und den Konsorten“, findet der Lenneper. Längst hat man eigene Fan-Trikots und -Jacken.

Das möchte Ralf Barenhoff wieder erleben, wenn der Spielbetrieb aufgenommen wird. Zur Not anfangs noch mit Rollstuhl oder Rollator. Bald aber dann auch schon ohne. „Wir sehen uns dort wieder“, verspricht er dem RGA-Sport bei der Verabschiedung am Telefon. Wir wünschen uns das sehr, Ralf Barenhoff. Er ist ein Vorbild.

Persönliche Worte

Mit sehr persönlichen Worten wendet sich Georg Feldhoff, Vorsitzender der IGR Remscheid, an Ralf Barenhoff. Er schreibt: „Ganz Blau-Weiß wünscht Dir gute Besserung. Wir hoffen, dass wir uns bald wieder beim Rollhockey sehen und zusammen Spaß haben werden.“ Sätze, die den Gesundungsprozess doch beschleunigen sollten. . .

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