Fußball

Ankersponsor Friedhelm Runge bastelt am WSV der Zukunft

Friedhelm Runge gibt beim Wuppertaler SV grünes Licht für Vertragsgespräche. Archiv-Foto: Stefan Fries
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Friedhelm Runge gibt beim Wuppertaler SV grünes Licht für Vertragsgespräche.

Der Hauptsponsor des Fußball-Regionalligisten formuliert klare Vorstellungen.

Von Günter Hiege

Nach überstandener Corona-Erkrankung saß WSV-Ankersponsor Friedhelm Runge bei den letzten Heimspielen des Fußball-Regionalligisten Wuppertaler SV wieder auf der Tribüne. Nun will der 82-Jährige mit den Verantwortlichen beim WSV schnell die Planungen für die kommende Saison aufnehmen.

Herr Runge, wie war es für sie, nach so langer Zeit wieder im Stadion zu sitzen?

Friedhelm Runge: Schön. Fünf Wochen nur im Bett zu liegen mit einer Krankheit, die keiner definieren kann und wo man nur alles falsch machen kann, wenn man sich nicht auskennt, das war nicht einfach. Ich bedauere alle, die es auch erwischt hat.

Ihre zurückgewonnene Schaffenskraft gilt nicht nur ihrer Firma, sondern auch dem WSV, der aktuell maßgeblich davon abhängig ist, in welchem Umfang sie ihn weiter unterstützen. Haben sie inzwischen das Okay gegeben, die konkreten Planungen für die nächste Saison aufnehmen zu können?

Runge: Ich werde ich mich mit dem Sportlichen Leiter Stephan Küsters, Sportvorstand Thomas Richter und Trainer Björn Mehnert zusammensetzen, damit wir uns darüber einigen. Ich mache weiter. In welcher Größenordnung, werden wir dann besprechen. Die Fragen sind: Wo wollen wir hin? Wo können wir hin? Welche finanziellen Möglichkeiten bieten sich, um eine noch bessere Mannschaft auf die Beine zu stellen?

Mit welcher Etatgröße ist zu rechnen?

Runge: Sie liegt bei 1,5 bis zwei Millionen Euro. Da fehlt aber noch eine Menge Geld dazu, um das zu erreichen. Das werden wir besprechen.

Sie haben den WSV bereits in dieser Saison maßgeblich unterstützt und wollen das weiter tun. Sind dabei auch Darlehen wie in ihrer Zeit als Präsident?

Runge: Darüber haben wir noch gar nicht gesprochen. Aber eigentlich nein. Ich hatte dem WSV während meiner Präsidentschaft Darlehen über etwa zwei Millionen Euro gegeben. Ich wollte auf die Darlehen verzichten, wenn niemand dafür noch Steuern zahlen muss. Der ehemalige Finanzvorstand Lothar Stücker sollte darüber mit dem Finanzamt sprechen. Am Ende standen sie noch da.

Wie zuversichtlich sind Sie, dass Trikotsponsor Stölting an Bord bleibt?

Runge: Da führe ich weiter Gespräche mit der Geschäftsführung und mit Peter Neururer als Vermittler. Wir haben uns gerade wieder verabredet. Ich denke, dass wir vom WSV zusagen könnten, für die Firma Stölting mehr zu tun als im vergangenen Jahr, denn die Vertragsbedingungen waren ja so, dass sie eine mehr als sechsstellige Summe bezahlt haben, wir für jeden Auftrag, der aus dem Raum Wuppertal an Stölting kommt, noch eine Provision bekommen. Doch dabei war nichts rausgekommen. Ich werde nun bitten, dass sie uns noch Zeit geben, das zu verwirklichen.

Gerade haben sich 18 Kandidaten für einen künftigen Verwaltungsrat gemeldet: Ist das ein Kreis, der den WSV voranbringen kann?

Runge: Das muss ich zweigeteilt beantworten. Dass sich 18 gemeldet haben, ist ganz toll. Wir brauchen andererseits weder 18 noch 13, wir brauchen sechs, die jeweils eine festgeschriebene Aufgabe übernehmen, beispielsweise Marketing oder Finanzen. Das muss man den Kandidaten vor Augen führen. Dann hoffe ich, dass sich von den 18 genügend melden, sodass eine Auswahl erfolgen kann.

Einige ehemalige Verwaltungsratsmitglieder haben jetzt einen Förderverein mitbegründet, der den Verein projektbezogen, aber vor allem langfristig unterstützen soll. Hat sie das gefreut?

Runge: Ja natürlich. Je mehr Leute sich für den Verein interessieren, desto besser. Ich sage seit Jahren, dass es 100 000 Wuppertaler am Wochenende interessiert, vom WSV etwas zu hören, doch wer meldet sich, dem Verein auch zu helfen? Dazu kommt auch die Frage, die ich den Mitgliedern der IHK, die ich um Hilfe gebeten habe, noch nicht genau beantworten konnte: Sie sagen, du bist angetreten, wolltest aber einen Verein strukturiert haben, der sich auf den entsprechenden Feldern wie ein Mittelstandsunternehmen bewegt. Davon hören und sehen wir nichts. Mach das mal erst, dann sind wir gerne bereit zu helfen. Aktuell hat der Verwaltungsrat das Sagen, und der Vorstand hält den Kopf dafür hin. Bei dieser Konstellation bekommt man keine Interessenten.

Wäre da eine Ausgliederung der 1. Mannschaft, die im Insolvenzplan auch angedacht ist, nicht eine Lösung?

Runge: Das wäre eine von mehreren, aber die sollte man im Moment noch nicht nutzen, um das Grundproblem anzugehen, dass der Verwaltungsrat die Verantwortung trägt. Eine Ausgliederung hätte ja auch Nachteile, es kann nicht sein, dass eine Gesellschaft fünfmal Pleite geht und noch lebt. Das kann nicht im Interesse der Wuppertaler oder von Sponsoren wie den Stadtwerken sein.

Sind Sie mit der aktuellen sportlichen Arbeit zufrieden?

Runge: Ich bin mit der Mannschaft und auch mit den Leistungen absolut zufrieden.

Dem „Reviersport“ haben Sie gesagt, dass Trainer Björn Mehnert bleibt.

Runge: Jein. Ich würde gern mit Mehnert weiterarbeiten, aber er hat bestimmte Vorstellungen. Er möchte für die Zukunft eine professionelle Aufgabe wahrnehmen und diese Professionalität auch im Verein vorfinden. Da haben wir noch eine Menge zu tun. Aber ich glaube, dass es mir gelingt, ihn zu halten.

Momentan haben erst wenige Spieler Verträge über die Saison hinaus. Wann rechnen Sie damit, dass Vertragsgespräche aufgenommen werden?

Runge: Wenn wir die Planung durchhaben, mit welcher Größenordnung wir genau rechnen. Dann sollen die Gespräche zügig stattfinden. Ich glaube schon, dass wir nach 14 Tagen bis drei Wochen eine Vorstellung davon haben, ob das, was wir uns vorstellen, mit den entsprechenden Spielern auch machbar ist.

Sie haben angekündigt, ihr jetziges Engagement auf zwei Jahre zu begrenzen. Könnten Sie sich vorstellen, länger zu bleiben?

Runge: Das hängt davon ab, ob es gelingt, eine klare Struktur in den Verein zu bekommen, damit es nicht ein weiteres Mal möglich ist, innerhalb von sieben Jahren zwei Millionen Euro Schulden anzuhäufen. Und überlegen Sie mal, wie oft die Fans Geld gespendet haben, das dann auch verschwunden ist.

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